Die Geschichte und der Stammbaum der Familie Scipio und Rüffer

Dietger Braun
Dietger Braun

 

Dietger Braun, der Verfasser der nachstehenden Ausführungen, ist ein Nachkomme der in der Reichsstadt Schweinfurt alteingesessenen und angesehenen Familie Scipio, die verwandt ist mit den (Rats)Familien Rüffer, Schamroth, Spüd, Gademann, u.a.  Er ist seit etwa 1990 Hobby-Ahnenforscher und hat eine umfangreiche Familienchronik über die Vergangenheit der Schweinfurter Familie Scipio und deren Verwandtschaft mit anderen Schweinfurter Bürgerfamilien verfasst, die er nun dankenswerterweise für diese Website zur Verfügung gestellt hat. Herzliches Dankeschön Dietger Braun!

Die Arbeit gibt viele Aufschlüsse über die verwandtschaftlichen Verhältnisse in der freien Reichsstadt Schweinfurt und ist damit von beachtlicher Bedeutung für die Geschichte unserer Stadt.

 

Dietger Braun wurde im Oktober 1943 ca. 2 Stunden vor einem schweren Bombenangriff auf Schweinfurt in unserer Stadt geboren und später nach Bischofsheim i.d.Rhön evakuiert. Er lebt heute in Paderborn und fühlt sich noch immer als "echter Schweinfurter".


Dietger Braun ist hier weiter am Forschen und ist dankbar für jede Hilfe und jeden Hinweis, der mehr "Licht" in die Vergangenheit der Schweinfurter Familiengeschichten bringen kann. Er hat Daten über mehrere Hundert weiterer Vorfahren. Hier sind mit Stand vom Oktober 2012 nur diejenigen aufgeführt, die einen engeren Bezug zu Schweinfurt haben. Gerne ist er bereit, weitere Auskünfte zu erteilen.

 

Kontakt:

dietger.braun@t-online.de

 

 

(XIII/5.120-A) Johann Georg Scipio (1586 – 1633)

Johann Georg wurde am 20.02.1586 in Schweinfurt geboren und dort am 21.02.1586[1] evangelisch getauft (Taufname: Johann Georg Bengel), sein Pate war Johann Wahler. Er war der Sohn von Georg Bengel und seiner Ehefrau Anna, geborene Rüffer.

 

Er besuchte die Lateinschule in Hammelburg, dann ein Jahr die Schule in (Bad) Hersfeld. Danach studierte er Philosophie und Theologie, zunächst „drei halbe Jahre“ auf der Universität Marburg, wo er sich als 17-jähriger 1603 unter dem Namen „Scipio“ immatrikulierte, sein Bruderkind Johann Isaac wurde noch 1628 als „Bengel“ getauft (im Personen- und Ortsregister zu der Universitätsmatrikel finden sich auch die Waldeckischen Scipios!). Nach einem halben Jahre als Theologiestudent in Leipzig wendete er sich zur nahen Universität, wo er sich am 20.10.1606 immatrikulierte, den Magistergrad erhielt und hielt öffentlich seine „Disputationes Theologicas“ abhielt.



[1] Die „Schweinfurter Genealogien“ aus dem Stadtarchiv Schweinfurt lauten „x 1586, 2.II.“, die Abschrift aus dem Hammelburger Kirchenbuch lautet „getauft 21.02.1586, die Leichenpredigt nennt „Anno 1586, den 20. Februarii uff diese Welt geboren worden.“

Er ging dann „naher Hause“, also vermutlich nach Schweinfurt, wohin seine Mutter (mit den anderen Kindern?) inzwischen umgesiedelt war, oder in die Nähe von Schweinfurt. Dort hat er bei Magister Johann Schröder, ehemaligem Pastor „dieser Gemeinde“ (in der die Leichenpredigt gehalten wurde, also der Schweinfurter Gemeinde) „Theologico exerciret und grossen Nutz befunden.“ Er wurde deshalb von Gottfried, Grafen zu Cassel, 1611 als Pfarrherr in Eichfeld bei Volkach berufen. Um 1610 nahm er in Schweifurt an dem für Kandidaten des Predigeramtes eröffneten“collegio theologio“ teil. 1616 wurde er dann vom „Wolweysen Rath“ der Stadt Schweinfurt als Diakon nach Schweinfurt berufen, wo er bis an sein Lebensende blieb. Sein Amt trat er am 10.04.1616 an. Er wird bei seiner Leichenpredigt als „älterer Diacon“ (1623 Ernennung zum Archidiacon?[1]) bezeichnet. Nach Bundschuh[2] war die Hierarchie an der Hauptkirche Sankt Johann, vermutlich auch schon zu Johann Georgs Zeiten: „Oberpfarrer und drei Diaconi, welche als Archidiaconus, Diacon und Subdiaconus



[1] Übliche Abkürzung AD

[2] J. K. Bundschuh, Beschreibung der Reichsstadt Schweinfurt, ein historisch-topographisch-statistischer Versuch. Um 1802. Nachdruck Neustadt/Aisch 1989.

unterschieden werden. Die Benennung der Letzteren ist hier nicht so viel, als ob die drei Letzteren nur Gehülfen oder Capläne des Oberpfarrers wären, sie sind in Dienstvorrichtungen und den übrigen Emolumenten einander beinahe gleich, die Trauungsgebühren in der Kirche ausgenommen, die dem Oberpfarrer ausschließlich gehören, weil er alle Hochzeitspredigten thun musste.“

 

Am 17.09.1611 heiratete er in Eichfeld bei Volkach Walburga Ammen (auch: Ammon), Tochter des verstorbenen Fürstlichen Bambergischen Rats Ammen. Sie wurde (errechnet) 1589 im Bamberg geboren und starb am 22.07.1634 in Schweinfurt im Alter von 45 Jahren, vermutlich an der Pest.

 

Der Ehe entstammten vier Söhne und drei Töchter, wovon nur ein Sohn, Magister Georg Nicolaus Scipio, siehe (XIII/5.120-A) und zwei Töchter den Vater überlebten.

Johann Georg starb mit 47 Jahren am Samstag, den 12.01.1633, zwischen 3:00 und 4:00 Uhr abends in Schweinfurt „an den jetzt regierenden Reheflecken[1]“, wie wir aus seiner erhalten gebliebenen Leichenpredigt[2] wissen.

 



[1] Nach Auskunft eines Mediziners der Universitätsklinik Würzburg „Der Begriff ist vage ... eine epidemische Erkrankung mit Hauterscheinungen, vielleicht mit bräunlichen Verfärbungen, aber selbst das bleibt unsicher.“ In der Schweinfurter Chronik von Hahn, Band 3, werden sie auch „pestartige Reheflecken“ genannt, im Buch „Würzburg und seine Umgebungen“, 1852, Seite 27, auch „Reeflecken“. Die Krankheitsbezeichnung „rote Flecken“ stand für Masern und Röteln, „Rotewehe“ für Ruhr.

[2] Leichenpredigt für Magister Johannis Georgius Scipionus, Leichenpredigten-Sammlung der Stadtbibliothek Schweinfurt, Nummer 2716 (alt), D 10/18 (neu)

 

(XIII/5.120-AA) Georg Nicolaus Scipio (1617 – vor 1675)

Georg Nicolaus wurde am 20.05.1617 in Schweinfurt geboren und dort evangelisch getauft. Seine Eltern waren der Schweinfurter Archidiakon Johann Georg Scipio (auch: Bengel), siehe (XIII/5.120-A), und Walburga Amon.

 

Nicolaus war Lehrer an der Lateinschule in Schweinfurt.

 

Er wurde in erster Ehe verheiratet am 17.09.1644 in Schweinfurt mit Anna Rosina Held, geboren am 30.01.1626 in Schweinfurt und dort gestorben mit 39 Jahren am 12.07.1665. Ihre Eltern waren Valtin Held, Kramhändler in Schweinfurt, vermutlich dort geboren um 1595 und Elisabeth Münch, vermutlich um 1600 in Fulda geboren. Annas Eltern heirateten um 1625 in Schweinfurt, wo Valtin am 07.10.1632 starb. Seine Ehefrau Elisabeth starb, ebenfalls in Schweinfurt, kurze Zeit vor ihm am 26.09.1632

 

Kinder aus dieser Ehe, alle in Schweinfurt geboren und dort evangelisch getauft, waren:

 

Benedikt, getauft am 14.04.1646, gestorben 1665 in Nürnberg im Alter von 19 Jahren

Rosina Barbara, getauft am 15.04.1648. Verheiratet am 10.02.1675 in Schweinfurt mit Johann Wolfgang von Berg, Sohn von Johann von Berg, Seiler in Schweinfurt, und Anna Maria Sichßer

Anna Maria Margareta, getauft am 20.08.1650 in Schweinfurt, dort gestorben um 1688. Anna Maria wurde 18-jährig am 24.11.1668 in erster Ehe in Schweinfurt verheiratet mit dem 61-jährigen (!) Michael Engelhardt[1] in dessen vierter Ehe, Sohn von Christoph Engelhardt, Metzger in Mainstockheim, und Magdalena Pfenning. Michael wurde am 01.09.1607 in Laudenbach bei Karlstadt geboren und starb am 24.01.1675 in Schweinfurt. Aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt. Anna Maria hat ihren Mann bei seiner langwierigen Krankheit unverdrossen alleine gepflegt, Michael „hat auch niemanden anders um sich leiden mögen und jede andere Wache ausgeschlagen.[2]
Am 21.08.1677 wurde Anna Maria in zweiter Ehe in Schweinfurt verheiratet mit Johann David Schamroth, Sohn von Caspar Schamroth, Reichsvogt in Schweinfurt, und gefreiter Richter, und seiner Ehefrau Margaretha Elisabeth Röder. Johann David wurde am 03.08.1637 in Schweinfurt geboren und starb dort am 21.03.1686, begraben wurde er am 25.03.1686.
Am 02.05.1687 heiratete Anna nun in dritter Ehe in Schweinfurt Johann Heinrich Segnitz, Sohn von Georg Ludwig Segnitz, Reichsvogt in Schweinfurt, und seiner Ehefrau Ursula Fehr. Johann Heinrich wurde am 12.07.1640 in Schweinfurt geboren, er starb dort am 10.01.1691

Johann Volpert, vermutlich geboren um 1652 in Schweinfurt.

 

In zweiter Ehe wurde Nicolaus am 02.08.1670 in Schweinfurt mit Susanna Eber verheiratet. Susanna wurde um 1640 in Schweinfurt geboren, sie war das Kind des Schweinfurter Gastgebers (Gasthaus „Zur Krähe“) Michael Eber und seiner ehefrau Apollonia, geborene Graf (auch: Gräff). Susanna starb in Schweinfurt (?) vor 1675. Aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt.

 

Nach dem Tod von Susanna heiratete Nicolaus um 1673 ein drittes Mal. Seine Ehefrau war Barbara N., vermutlich geboren um 1640 in Schweinfurt. Auch aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt.



[1] Siehe http://www.sw.om-mohr.de/ratsh/engelhardm.htm

[2] Peter Engel in: Blätter für fränkische Familienkunde, 2011, Seite 56

(XIV/10.242) Justus Rüffer (1530 - 1602) und
(XIV/10.243) Anna Weisenbach (um 1515 - ?)
:


Die Lebensläufe unserer direkten Rüffer-Vorfahren sind mit den benachbarten Orten Fulda und Hammelburg eng verbunden.

 

Fulda

Hammelburg

Heinrich Rüffer (XVI/40.968)

1455 - etwa 1475

etwa 1475 - ?

Balthasar Rüffer (XV/20.484)

um 1520 - 1547

1500 - 1515

Justus Rüffer (XIV/10.242)

1530 - 1547

etwa 1553 - 1602

Der zeitlich jüngste, Justus Rüffer, wurde am 23.03.1530 in Fulda geboren und dort am 27.03.1530 evangelisch getauft. Er war der Sohn von Balthasar Rüffer, Kaufmann in Fulda, und seiner Ehefrau Margaretha, geborene Reb.

 

Er immatrikulierte sich 1547[1] im Alter von 17 Jahren in Erfurt („Iustus Rufferus Fuldensis“) und dann am 10.01.1551 in Wittenberg („Justus Rufferus Fuldensis“), vermutlich hat er Jura studiert. 1553 oder 1554 ging Justus nach Hammelburg, ließ sich dort als Kaufmann nieder, wird zum Ratsherrn gewählt und dort 1566, 1576 und 1590 als Bürgermeister, 1575 als Gerichtsperson genannt.

 

Hammelburg liegt an der fränkischen Saale, gegenüber der fuldischen Grenzburg Saaleck, und damit an der Südspitze des damaligen Fuldischen Hochstifts. Im Jahrzehnt 1530/40 wurden in Hammelburg 958 Kinder geboren und 1580/90 waren es 961, dies ergibt einen Jahredurchschnitt von 95 Kinder. Die höchste Geburtenzahl weißt das Jahr 1548 mit 126 Geburten auf, die niedrigste das Jahr 1564 mit 66 Kindern. Die Heiraten bewwegten sich zwischen 30 und 40 pro Jahr. Nach der Pestepidemie im Jahre 1553 verehelichten sich 46 Pare und nach jener im Jahre 1610 schlossen 88 Paare den bund fürs Leben, darunter 33 Witwen, etwa 40 Heiratswillige nahemn sich Ehepartner aus anderen Ortschaften. Insgesamt läßt sich sagen, dass Hammelburg im 16. Jahrhundert, seiner größten Blütezeit in der älteren Geschichte, etwa 500 Personen zählte.

 

Im 16. Jahrhundert traten auch in Hammelburg die modernen, den Armbrüsten überlegenen Feuerwaffen, wie Hakenbüchsen und Handrohre, mehr und mehr in Erscheinung. Es entstand um 1550 die Gesellschaft der Büchsenschützen: „1577 den 26. Juni ließ man die Gesellschaft der Armbrustschützen abgehen und ordnete derselben 26 zu den Büchsenschützen.“ 1576 veranstaltete Fürstabt Balthasar bei einer Anwesenheit in Hammelburg am Sonntag Jubilate „ein Gesellschaftschießen mit Röhren vorm Weiherstor“, 1759 gab es ein Gesuch des Schultheiß, wieder ein Schützenfest abhalten zu dürfen. In der Zeit des Markgräflerkrieges 1550 - 1554 mußte Hammelburg Kriegsknechte anwerben, der Stadtrat erließ eine „artikulierte Ordnung, wie sich die Bürger im Kriegsfall verhalten soll.“ 1599 mußte die Stadt „30 Mann auf ihre Kosten halten, worunter 2 lange Spießer und zehn Schützen sein mußten.“ 1524 ließ der Fürstabt „zwo Büchsen“ zur Burg Saaleck (1525 im Bauernkrieg verwüstet) schaffen, diese gefielen den Hammelburgern so gut, dass sie sie einfach behielten!

 

Hammelburg war im 16. Jahrhundert bedingt durch den Weinbau und die Lage als Grenzstadt zum Würzburger Hochstift die reichste fuldische Landstadt und im Gegensatz zum höfisch agierenden Fulda eine Bürgerstadt, sogenannte Leibeigene wurden in den Mauern der Stadt nicht geduldet. In der Ordnung der Stadt Hammelburg in Bezug auf die leibeigenen Leute von 1512 ist bestimmt „Herr Johanns Abbt des Stifts Fulda ... zu Guthem geordnet, das hinfürs der Schultheis zu Hamelburg keinen in seiner Gnaden Stat Hamelburg zu Bürger annemen soll, derselbe Man, so Bürger zu werden begert, schwere dan eynen Eidt zu Gott und den Heiligen, das er nicht Leybeigen sey, und keine nachvolgende Herschaft, der er Leibs halber verwandt sey, habe. Ob auch die, so noch in der Stat Hamelburg Bürger und frey sein, sich nach dieser unsers genedigen Hern vorgemelter Ordnung in Leibeigenschaft begeben werden, die sollen ihren Herschaften nachgeweyset, und in unsrer Stat Hamelburg nicht geliden werden ... Und soll auch hinfurtter keiner, der izto leibeigne ist, in den Rath unser stat Hemalburg oder zu Ampten erkorn, auch von unserm Schultheißen nicht bestelt oder angenomen werden. Disse vorgeschriebene Ordnung sol hinfürs alle Jahre durch unsern Schultheißen offentlich der Gemein zu Hamelburg verkundet werden.“ 1514 wurde diese Ordnung sinngemäß von seinem ihm im Amt nachfolgenden Sohn, Abt Hartman, in einem Schreiben an „Dem vesten unserem Schultheiß unser Stat Hemelburg und lieben Getrewen Caparn Küchenmeister“ bestätigt. Er ergänzt oben zitierte Ordnung „Dazu wollen wir auch, das der, so sich in Leibeigenschaft Ern (Herrn) Nitharten von Thungen geben haben, in sechs Wochen den nehesten solich Leybeigenschaft frey und ledig machen, oder in unser Stat Hamelburg nit geduldet.“ Und weiter „Nemlich also, das hinfür so sich in Ehesachen gegeben würde, das sich in dem Sacramente der hiligen Ehe eins, das frei, und das ander dinstbar eigen, oder ein nachvolgende Herschaft hette, sich zusammen verkenneten, dieselbigen, Man, Jungfrauwe oder Frauwe, sollten sich in gemelts unsers G.



[1] Nach anderer Quelle schon Wintersemester 1543, da wäre er aber erst 13 Jahre alt gewesen. Andererseits ist das bei Johann Wanckel, geb. am 12.01.1553 in Kemberg, immatrikuliert am 05.06.1566 mit 13 Jahren, ebenso.

H. Stat Hamelburg nicht enthalten oder dorinn einiche wesentlich Enthaltung haben, sundern wes sie hetten, des solten sie in einer Zeit, die unser Herr inen benenstet, verkaufen und sich also wesentlichen Enthalts mit irem Lib und Gut zu sambs der Narung uß gemets u. g. H Stifft thun[1].“ Die Leibeigenschaft wurde im Großherzogtum Hessen erst 1811 durch den Einfluß Napoleons aufgehoben!

 

Die Stadt Hammelburg hatte sich sehr frühzeitig sich zur lutherischen Lehre bekannt; schon zu Ostern 1524 hatte man das hI. Meßopfer abgestellt (siehe auch (XV/20.486) Heinrich Weisenbach, dort den Pfarrverweser Johann Kempach. Der Abt von Fulda ordnete 1530 dies zwar wieder an, aber die Hammelburger Bürger waren dem Katholizismus schon so entfremdet, daß Niemand mehr die hl. Messe hören wollte. Der damalige Abt Johann von Henneberg gestattete nun dem Stadtrat auf eingene Kosten einen Pfarrer von Luther in Wittenberg anzustellen, was dann 1543 auch verwirklichte wurde. Der nachfolgende Abt entfernte zwar 1547 den lutherischen Prediger wieder, wagte jedoch nicht, einen katholischen Priester aufzustellen, so daß ein ganzes Jahr lang gar kein Pfarrer in Hammelburg war, Kirche und Schule standen leer. Am Sonntag ließ sich die Gemeinde das Evangelium von einem Schüler vorlesen, Kinder, die während der Zeit geboren wurden, trug man zur Taufe nach Untererthal; auch wurden die Ehen dort nach lutherischem Ritus geschlossen. 1549 gestattete der Abt Wolfgang von Sußigheim die Anstellung von protestantischen Pfarrern wieder, und von nun an waren stets zwei evangelische Pfarrer angestellt.

 

Hammelburg hatte eine fast selbstständige Stadtordnung, eine Schule, ein Spital und eine umfangreiche Bibliothek. Die Entfernung, zwei Kutschen-Tagesreisen bzw. einen halben Tag für Berittene, von der Residenzstadt Fulda ermöglichte einen hohen Grad an Autonomie. Reiche Patriziergeschlechter, deren Fernhandel bis nach Basel reichte, konnten sich ungehindert von einer allzu strengen fuldischen Aufsicht entwickeln, der örtlich ansäßige fuldische Keller und Schultheiß störten kaum. Anders als im religiös gemischten Fulda hatte sich hier, beeinflußt auch von der nahegelegenen evangelischen Freien Reichsstadt Schweinfurt, eine fast reine evangelische Bürgergesellschaft entwickeln, deren Kirchenvermögen vom Rat der Stadt verwaltet wurde.

 

Am 01.10.1554 wurde Justus mit 24 Jahren in Hammelburg verheiratet mit der Witwe Anna Wanckel, geborene Weisenbach, geboren um 1515 in Hammelburg (?) als Tochter des Hammelburger Bürgermeisters Heinrich Weisenbach und seiner ihm um 1510 in Hammelburg angetrauten Ehefrau.

 

Anna war in erster Ehe um 1540 in Hammelburg mit dem Magister Sebastian Wanckel verheiratet gewesen. Sebastian wurde um 1510 in Hammelburg (?) als Sohn eines (späteren?) Ratsherren[2] geboren, war also vermutlich ein Sohn von Johann dem Jüngeren, immatrikulierte am 29.10.1527 als Jurastudent in Wittenberg („Sebastianus Wanckel Hauelburgen“) und wurde am 27.04.1535 Magister der Jurisprudenz in Ingolstadt an der Donau.

 

Weitere Mitglieder aus der Hammelburger Familie Wanckel, seit 1397 urkundlich bekannt, die viele Lehrer und Pfarrer hervorbrachte und deren Ursprung in Schweden zu suchen und die heute noch dort vertreten sein soll, waren mit dem als bisher bekannten Stammvater Johann Wanckel, geboren um 1450 in Hammelburg (?) mit seinen Söhnen Endres, geboren 1482, der zeitweise Kaufmann in Siebenbürgen war (wahrscheinlich aus Hammelburg vertrieben nach Durchsetzung des „Augsburger Interims“ durch Kaiser Karl V.), und Johann, geboren um 1485, beide in Hammelburg. Johann der Jüngere wurde in zweiter Ehe verheiratet um 1540 in Hammelburg mit Ottilia Spon, Tochter des Hammelburger Bürgermeisters Friedrich Spon und Anna, geboren Kempf, seiner Ehefrau (wie versippt die Hammelburger Oberschicht war, ersieht man bei (XV/20.486) Heinrich Weisenbach: Annas Vater war zusammen mit Ottilias Vater Finanzier und Baumeister einer Baumaßnahme an der Hammelburger Kirche). Johann wird in Hammelburg 1524 als Ratsherr und Kirchenverwalter genannt und lebte im „Haus am Marktplatz“

 

Die Immatrikulationen ihrer Kinder in Wittenberg deuten darauf hin, dass sich Eltern und Kinder zum evangelischen Glauben bekannten.

 

Kinder des Endres (Andreas), alle geboren in Hammelburg, waren:

 

Mathias, er wurde am 24.02.1511 getauft, immatrikulierte sich mit 18 Jahren am 28.01.1529 („Mathias Wanckel Hamelburgen“ und offenbar später hinzugefügte Fußnote „prepositus Kembergen“) in Wittenberg. Er war 1529 dort „anfangs der unterste Schul-College“ (Hilfslehrer) und hernach bis 1532 Collaborator in Magdeburg“. Er wird in Hammelburg 1532 – 1535 als Rektor genannt, er hatte in seiner Heimatstadt den Unterricht „nach Brauch und Form der wohlbestellten Schulen in Meisen und Sachsen die Studia der Jugend fleißig angerichtet“. Über lange Jahre hinweg sorgte er für die Anbindung des Hammelburger Kirchenwesens an das Wittenberger Zentrum. 1535 ging er studienhalber mit 30 Gulden städtischem Stipendium nochmals nach Wittenberg, wurde dort am 04.07.1536 Baccalaureus und im Januar 1537 Magister, war „Luthers Discipul[3] und Freund, hat dessen Predigten vom Reiche Christi und der christlichen Ehe mit seiner Vorrede herausgegeben“. Er übernahm 1538 wieder die Hammelburger Schule als Rektor, ging 1539 als Schulleiter („schola privata“) nach Wittenberg, 1542 –1551 Prediger an der Moritz-Kirche in Halle, 1545 war er auf dem Merseburger Convent, wurde 1552 Propst und später Superintendent in Kemberg bei Wittenberg. Er nahm an den damaligen Kemberger Kirchen- und Schulvisitationen lebhaften Anteil, die alte Kemberger Propstei verwandelte sich unter ihm in eine Superintendentur. Er wurde am 14.06.1540 in Kemberg in erster Ehe verheiratet mit Katharina, der ältesten Tochter von Bartholomäus Bernhardi. Zur Hochzeit schickten die Fürsten von Anhalt auf Fürbitte von Justus Jonas und Luther einen Rehbock. Sein Bildnis ist auf einem Flügelaltar des Lucas Cranach von 1565 in der Kemberger Kirche erhalten, den Matthias gestiftet hat. Dargestellt ist die Taufe Christi mit einer Reformatorengruppe als Glaubenszeugen, von denen Matthias und sein Bruder (Andreas oder Bartholomäus aus dem benachbarten Schmiedeberg) deutlich abgehoben sind. Von seinen sechs Töchtern aus dieser Ehe wurde die zweite, Marie, die Mutter des Mathematikers Rhode, der sich Verdienste um den Festungsbau zu Wittenberg erwarb. Mathias war Vater von 13 Kindern, davon gehörten vier Söhne und drei Töchter der zweiten Ehe an, er starb am 02.02.1571 in Kemberg.
Sein Lieblingssohn Johann entstammte der um 1550 in Kemberg geschlossenen zweiten Ehe von Mathias mit Elisabeth Johann Leffler, der Tochter des Schmeideberger Bürgermeisters Paul Leffler. Johann wurde am 12.01.1553 in Kemberg geboren, nach anderer Quelle dort am 01.02.1554. Er war vom 09.06.1566 bis 15.03.1572 Schüler in Grimma, immatrikulierte sich am 05.06.1566 („Iohannes Wanckel, Kembergen“) zeitgleich im zarten Alter von 12 bzw. 13 Jahren (!), gemeinsam mit seinem Cousin Andreas, an der Universität Wittenberg, wo er am 11.03.1575 als Magister der Philosophie abschloß. Danach war er 18 Jahre lang Konrektor in Torgau, ging dann nach Wittenberg, wo er seit dem 27.04.1606 lehrte und im Sommersemester 1614 als Rektor tätig war, wovon ein Gedicht erhalten blieb
[4]: „RECTOR || Academiae Vvittebergensis, JOHANNES WANCKELIUS, || Philosophiae & opt. art. M. & P.C. || Historiarum Professor Publ. || [Es folgt das Gedicht] || P.P. Solennibus SPI-RITUS SANCTI Anno Christiano M. DC. XIV.“ Der Tod seiner Frau betrübte ihn so, dass er im Alter von 63 Jahren erkrankte, verstarb und am 12.06.1616 in Wittenberg beigesetzt wurde.

Andreas, getauft am 10.11.1516, immatrikulierte sich 19-jährig am 05.11.1535 („Andreas Wanckel Hammelburgensis“) in Wittenberg, wurde am 04.07.1536 dort Baccalaureat, am 22.02.1541 dort Magister, war 1544 - 1547 Lehrer an der Hammelburger Schule „am 19. September 1545 hat Andreas Wankel die comoediam Josephi in der Kirche agiret“. Am 21.07.1547 wurde er in Hammelburg durch den Prediger Bugenhagen ordiniert, war 1549 bis 1550 Diakon in Gräfenhainichen bei Wittenberg, 1550 bis 1552 vertretungsweise als Pfarrer in Schmiedeberg bei Wittenberg und ab 1552 dort als Pfarrer eingesetzt. Er wurde am 09.09.1545 in Kemberg verheiratet mit Anna, der zweitältesten Tochter von Bartholomäus Bernhardi und verstarb 1589 in Schmiedeberg.
Sein Sohn Andreas, einer von vier bekannten Kindern, evangelisch getauft am 22.11.1548 in Hammelburg, immatrikulierte sich gemeinsam mit seinem Cousin Johann im Alter von 18 Jahren am 05.06.1566 („Andreas Vuanckel Hammelbergen“) in Wittenberg. Er war seit 1550 Schulmeister in Schmiedeberg nahe der Lutherstadt Wittenberg, verheiratete sich am 10.08.1573 in Hammelburg mit Anna, geborene Rienecker, und starb 1630 in Schmiedeberg (?) im Alter von 82 Jahren.
Ein weiterer Sohn, Peter, war evangelischer Pfarrer in Pretzsch bei Wittenberg, er wurde um 1552 in Schmiedeberg geboren und starb um 1634 in Pretzsch bei Wittenberg (?). Er erhielt 1575 „auf ein Jahr eine Studentensteuer“ von 7 Schilling (ß) von der Kirchengemeinde Schmiedeberg.

Eine namentlich nicht näher bekannte Tochter wurde um 1554 in Schmiedeberg geboren, sie verheiratete sich um 1757 in Schmiedeberg mit Georg Günther.
Der dritte Sohn, Philipp, geboren am 01.05.1566 in Schmiedeberg, gesorben am 23.06.1624 in Burgliebenau bei Halle an der Saale und dort begraben am 25.06.1624 im Alter von 58 Jahren, war evangelischer Pfarrer in Burgliebenau. Er heiratete dort am 21.01.1595 Anna Pannier.



[1] Niklas Kindlinger: Geschichte der deutschen Hörigkeit insbesondere der sogenannten Leibeigenschaft, 1819, Seite 660

[2] Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. Band 42, 1993, Seite 236 (nur preview im Internet gesehen)

[3] Schüler. Zu seinem Lebensweg siehe auch Johann Heinrich Zedler, Großes vollständiges Universallexicon aller Wissenschaften und Künste, Band 52, Leipzig 1747, Spalte 1925, ferner Wikisource und Wikipedia.

[4] Universitätsbibliothek Jena, Signatur: 2 Art. lib. IX, 8 (188). Pfingstsonntag war der 12.06.1614.

Bartolomeus, geboren um 1525, immatrikulierte sich am 03.04.1541 („Bartolomeus Wanckelius Hamelbergensis“) in Wittenberg, verheiratet um 1550 in Kemberg in erster Ehe mit Elisabeth, der drittältesten Tochter von Bartholomäus Bernhardi, dann in zweiter Ehe am 07.07.1555 in Kemberg mit Catharina Hene.

Stefan, geboren am 26.12.1530, immatrikulierte sich 16-jährig am 13.08.1546 in Wittenberg („Stephanus und Georgius Vuankel hamelburgen“) und wurde dort am 11.08.1551 Magister. Er verheiratete sich am 16.11.1551 mit Margaretha Bodenstein, war 1553 - 1557 Ludirektor[1] in Hammelburg und starb dort am 30.12.1557 im Alter von 27 Jahren.

Georg, als Stefans Bruder genannt, immatrikulierte sich ebenfalls am 13.08.1546 („Stephanus und Georgius Vuankel hamelburgen“) in Wittenberg. Bei (XV/20.486) Heinrich Weisenbach, wird er allerdings schon 1543 als Hallenser Pfarrer genannt ...

 

Kinder eines (!) Johann waren lt. ältestem Hammelburger Taufbuch (Band 1, 1527-1620):

 

Johann, getauft am 19.04.1528. Ein Johann, dieser Johann?, immatrikulierte sich (mit dann nur 12 Jahren!) am 14.07.1540 („Joannes Wanckel eod: di:“) in Wittenberg, wurde um 1548 in Hammelburg verheiratet mit Magdalena Deucker und starb vor 1552 in Hammelburg.

Johann Anton, getauft am 26.04.1529

Johann Matthäus, getauft am 24.03.1532

Johann Baptist, getauft am 24.05.1534

Johann Eustachius, getauft am 29.06.1536

Magdalena, getauft am 22.04.1538

Maria Gertrud, getauft am 18.05.1547

Johann, getauft am 23.04.1549

 

Noch nicht eindeutig zugeordnet werden konnten diese Wanckel, soweit sie sich in Wittenberg immatrikulierten waren auch sie sicherlich evangelischen Glaubens:

 

Johann, geboren um 1540 in Hammelburg, wurde 1568 verheiratet mit Regina Taubeneck. Er war schon in jungen Jahren „der Schul halber“ nach Schlüchtern gekommen und nach dem Universitätsstudium Lehrer an der Klosterschule geworden. Um 1580 wurde ihm die Pfarrstelle zu Mottgers übertragen, die er bis 1585 innehatte, 1585 bis 1592 Stadtpfarrer in Schlüchtern, am 26.08.1592 zum Abt des Klosters gewählt und bis zu seinem Tod am 22.04.1609 der vierte und letzte Abt des seit 1543 reformierten Klosters Schlüchtern.

Georg, Johanns Bruder (?), wurde am 22.01.1528 in Hammelburg getauft, war dort Kaufmann und verheiratet mit Ottilia Albrecht, Tochter des Hammelburger Bürgermeisters Valentin Albrecht und seiner Ehefrau Anna Wolz (Wohlfahrt). Georg starb 31-jährig im Jahre 1559 in Hammelburg.

Peter, immatrikulierte sich am 21.11.1542 („Petrus Wanckel Hamelburgensis francus“) in Wittenberg.

Heinrich, immatrikulierte sich am 11.05.1556 („Henricus Wanckel Hamelburgensis“) in Wittenberg.

Johann, immatrikulierte sich am 15.09.1568 („Iohannes Wanckel Hamelburgen“) in Wittenberg.

„Joh. Wanckel, Hammelburgen“, immatrikuliert im Sommersemester 1566 in Jena.

„Joh. Wanckel, Hammelburg“, immatrikuliert im Wintersemester 1590/91 in Jena.

 

1608 sind Andreas, Endres und Johann Wanckel als Grundbesitzer in Hammelburg genannt, es werden nicht alle Mitglieder dieser Familie vertrieben worden sein, sondern sich zur katholischen Religion bekannt haben oder sie behielten auch nach ihrer Vertreibung weiterhin ihr Haus in Hammelburg.

 

Aus Annas Ehe mit Sebastian Wanckel sind derzeit keine Kinder bekannt.

 

Kinder aus Annas Ehe mit Justus Rüffer, alle geboren und evangelisch getauft in Hammelburg, waren:

 

Lukas, getauft am 12.07.1555, sein Taufpate war der Hammelburger Ratsherr Lukas Sprung. Lukas starb am 23.04.1599 in Hammelburg mit 43 Jahren, wo er ab 1584 Stadtschreiber war. Er wurde mit 17 Jahren am 19.04.1572 in Wittenberg und am 16.07.1576 in Marburg an der Lahn immatrikuliert, er studierte Jura. Da er im Stipendiatenbuch der Universität Marburg nicht verzeichnet ist, wird er von seinem Vater mit hinreichend Geldmitteln ausgestattet worden sein.

Aufgrund seiner juristischen Ausbildung wurde er wohl öfters als Streitschlichter eingesetzt, so ist unter dem Datum vom 28.08.1586 ein Dokument vorhanden[2], nach dem er Prozeßakten über die Streitigkeiten zwischen Eustachius von Schlitz, genannt von Görtz, und Georg von Schachten um das in der Abtei Fulda lehnrührige Präsentationsrecht an der Pfarrkirche zu Schlitz erhalten soll.

Als Stadtschreiber wird Lukas am 12.06.1591 in einem Protokoll Fuldaer Hochstifts über eine Besichtigung der Gemarkungsgrenze zwischen Hammelburg, Pfaffenhausen und Fuchsstadt wegen verschiedener Streitigkeiten erwähnt und 1594 ist er der Aussteller eines Protokolls über Beratungen zur Neuversteinung des Fahrweges von Hammelburg nach Pfaffenhausen und des Fußweges von Pfaffenhausen nach Hammelburg.

Lukas wurde am 20.06.1580 in Hammelburg verheiratet mit Agnes Kempf, geboren 1558 in Hammelburg (?) und gestorben am 10.08.1616 in Schweinfurt. Die Eltern von Agnes waren der Hammelburger Keller Wolfgang Kempf und seine Ehefrau Anna, geborene Spon.

Aus dieser Ehe stammen folgende Kinder, alle evangelisch getauft in Hammelburg:
1) Lukas, getauft am 17.04.1581, Pate war der Ratsherr Andreas Bentz, gestorben mit 40 Jahren 1621 in Coburg, er war dort „1614 über Appellations- und Canzley-Sachen Secretarius“. Möglicherweise war er es, der sich 1601 in Marburg immatrikulierte. 1608 ist ein Lukas Rüffer als Grundbesitzer in Hammelburg genannt, ebenso ein Jost Rüffer.
2) Andreas, getauft am 17.10.1582, Pate war der Ratsherr Andreas Sprung, er starb mit 14 Jahren am 08.09.1597 in Hammelburg.
3) Martin, getauft am 09.06.1584, Pate war der Keller Martin Appelmann. Martin war „münsterischer Vogt“ in Niederwerrn, er heiratete am 26.08.1606 in Schweinfurt Elisabeth Volckmar, geboren am 12.05.1571 in Bad Neustadt an der Saale, sie war die Tochter des dortigen verstorbenen Consul Johann Volckmar und Ursula, gebornene Deichmann. Martin starb in Schweinfurt am 13.02.1633, seine Ehefrau folgte ihm drei Tage später, am 16.01.1633.
4) Johann Christoph, getauft am 17.08.1586, Pate war der Schultheiß Hans Christoph von Schlettern.
5) Georg, getauft am 27.01.1588, Pate war Georg Spon. Möglicherweise war er es, der sich 1606 in Jena und 1608 in Gießen immatrikulierte.

6) Eva Christina, getauft am 25.10.1590, Patin war „Eva Christinan, Frau des Junkers Georg Ditterich von und zu Erthal“.
7) Wilhelm, getauft am 05.08.1593, Pate war der Amtmann auf der Burg Saaleck, Wilhelm Catzmann von Englis. Wilhelm studierte 1610 in Altdorf bei Nürnberg und verheiratete sich am 04.10.1614 mit Veronika, „Bernhard Pfisters Tochter“ und seiner Ehefrau Margaretha, geborene Marold. Er deponiert 1615 bei der Stadt Schweinfurt 500 fl., er war von 1619 bis zu seinem Tod mit 39 Jahren am 11.06.1633 (zwei Tage später begraben) als Ratsherr im Zusatz, dann 24er-Rat und danach im 12er Rat.
8) Maria, getauft am 27.06.1596, Patin war „Apollonia, Tochter des Freidrich Ziegler“ 

Hans Rüffer, auch Johann, geboren am 15.05.1557, gestorben am 18.07.1625 in Schweinfurt im Alter von 68 Jahren. Er wohnte bis 1583 an seinem Geburtsort, zog dann nach Würzburg um, wo er auch 1583 das Bürgerrecht erhielt.

Er nahm im Auftrag der Stadt Würzburg zusammen mit Balthasar Kühlwein und dem Würzburger Stadtschreiber am 24.04.1579 an der Hochzeit von Amalia Elisabeth, Tochter des Iphofener Oberschultheiß Friedrich Albrecht von Hessenburg, mit Erkingen von Bappenberg in Iphofen teil und übergab „einen Becher von 26 fl. 3 lb. 16 d Werth, versehen mit dem Wappen des Raths und der Bürgermeister“[3].

Hans wurde in erste Ehe getraut am 10.07.1582 in Würzburg mit Magdalena Meyer, geboren um 1560 in Würzburg (?), Tochter des dortigen Viertelmeisters Johann Meyer und seiner Ehefrau Magdalena. Aus dieser Ehe ist die Tochter Anna Rosina, getauft am 23.12.1593 in Schweinfurt, wohin Hans 1588 umgezogen war, Bürger wurde er dort am 03.05.1588.

Ein Hanns Rüffer zahlte 1587 in Würzburg 70 fränkische Gulden Nachsteuer[4], und 1596 ist im Steuerbuch von Würzburg vermerkt: „... und Hanns Rüffer, beede zu Schweinfurt, wegen ihrer hausfrauen, ..., 16 g (fränkische Gulden) von 800 g so ihnen von hern Heinrich Wilhelm legiret worden.“

Der Verkauf seines mit dem Kitzinger Arzt Dr. med. Peter Bengel gemeinsamen Hauses „zum Krötenloch in der Fraubrudergasse“ ist dokumentiert: „1594 Mai 19/29 (Pfingsten): Peter Bengel, Dr. der Arznei zu Kitzingen, Jörg Bengel, Bürger zu Hammelburg, dessen Frau K., Dr. Johann Lachmann und seine Frau Anna, Balthasar Flobin Preninger und seine Frau Ursula, beide Bürger zu Würzburg, Hans Kueffer[5], Bürger zu Schweinfurt und seine Frau Magdalena verkaufen an Gall Gems, Bürger und Schlotfeger zu Würzburg ihre Behausung daselbst zum Krötenloch in der Fraubrudergasse um 200 fl., über deren Empfang sie quittieren.“ Nach Auskunft des Würzburger Stadtarchivs handelt es sich bei der Frauenbrüdergasse um die heutige Karmelitenstraße. Der originale Text der Urkunde lautet: „...unsere Behausung Zum Kroetten Loch genant ... in der Frau Bruedergassen nachn Fleischbenckhen zu Würzpurgk zwischen dem Wirthshaus zum Gulden Lewen vnnd Blasio Reunpel (?) Beckhen“. Anhand der Angaben bei Heffner, Memminger[6] und in den Würzburger Adressbüchern lässt sich der Gasthof zum Goldenen Löwen als das heutige (2012) Haus Karmelitenstraße 45 identifizieren, das somit in direkter Nachbarschaft zur Behausung zum Krötenloch stand.“

Nach dem Tod von Magdalena wurde Hans in zweiter Ehe am 17.02.1601 in Schweinfurt verheiratet mit Veronica Vogt, geboren (errechnet) 1578 in Dettelbach, gestorben am 09.12.1618 in Schweinfurt.

Aus dieser Ehe sind folgende Kinder bekannt, alle geboren und evangelisch getauft in Schweinfurt:
1) Paul, getauft am 10.06.1602
2) Johann, getauft am 24.09.1605
3) Anna, getauft am 21.09.1607, in erster Ehe um 1628 in Schweinfurt verheiratet mit Conrad Kormann, in zweiter Ehe um 1640 (?) dort mit Franz Rudolph

 

(XIII/5.121-A) Amalia Maria Rüffer

 

Amalia Maria Rüffer, getauft am 29.04.1610, gestorben in Maßbach am 28.07.1644 mit 34 Jahren. Sie wurde um 1630 in Schweinfurt (?) in erster Ehe verheiratet mit dem Schweinfurter Handelsmann Johannes Leipold, Sohn des Michael Leipold, auch: Leupold, der 1602 Kaplan in Wolfsmünster, 1613 Pfarrer in (Schweinfurt-)Niederwerrn (1628 - 1631 in Würzburg gefangen gehalten) war, 1635 zugunsten seines Sohnes Jakob Leipold resignierte und 1638 in Niederwerrn starb. Johannes wurde am 07.04.1604 evangelisch getauft, seine bisher bekannten Geschwister waren Jakob Leipold (Taufdatum derzeit nicht bekannt), Maria Leipold (getauft am 25.10.1606), Michael Leipold (getauft am 18.01.1609) und Martin Leipold (getauft am 26.06.1611).[1] Einziges bekanntes Kind aus dieser Ehe war der Magister Johann Christoph Leipold, seit 1658 Pfarrer in Wertheim. Ein andere Quelle nennt als ersten Ehemann Hans Leipold, Pfarrer von Sonnefeld,[2], dies ist jedoch unwahrscheinlich, wie die Fussnotennotizen zeigen.

 

Nach dem Tod von Johann heiratete Amalia Maria in zweiter Ehe am 18.05.1641 in Maßbach den Witwer Johann Langguth in dessen ebenfalls zweiter Ehe. 


[1] Cramer, Max Adolf: Baden-Württembergisches Pfarrerbuch. Band I: Kraichgau-Odenwald. Teil 2. Karlsruhe 1988. Nr. 2107, 2108, 2123 (mit Stammtafel S. 504).

[2] In Sonnefeld ist kein Pfarrer dieses Namens feststellbar. Pfarrer der Kirchengemeinde Sonnefeld von 1595 – 1706 waren nach Quelle: Chronik Sonnefeld – Geschichte und Gegenwart von Dr. Harald Bachmann, nach der Wankschen Chronik, S.89/90): M. Johann Diel 1595 – 1622, Pfr. Hugo Triefeseisen 1622 – 1633, M. Michael Ludwig 1633 – 1641, M. Peter Ziegler 1641 – 1649, Peter Nicolaus Langer 1649 – 1655, Mag. Nicolaus Scheler 1655 – 1665, Adj. Joh. Balthasar Hofmann 1666 – 1670, Adj. Joh. Lorenz Hofmann 1670 – 1677, Adj. Stephan Thomä 1678 – 1706.
Auch eine vermute Verwechslung mit Sennfeld nahe Schweinfurt bestätigt sich nicht: siehe Matthias Simon, Pfarrerbuch der Reichsstädte Dinkelsbühl, Schweinfurt, Weißenburg in Bayern und Windsheim; sowie der Reichsdörfer Gochsheim und Sennfeld, 1962, Selbstverlag des Vereins für Bayerische Kirchengeschichte, Nürnberg).

Eine Anfrage in Sonneberg ergab nach Auskunft des Stadtarchivs keinen Pfarrer Leipold in jener Zeit.

Eine Abfrage des Archivportals Thüringen ergab in 1600-1630 keine passende Nennung zu Rüffer oder Leipold.

 

   Letzterer war eines von zwölf Kindern des Memmelsdorfer Pfarrers Johann Langguth und seiner ihm 1582 an derzeit unbekanntem Ort angetrauten Ehefrau Barbara, geborene Schuler, aus Strußig bei Schweineshausen“. Dieser wurde um 1559 in Oberlauringen bei Stadtlauringen nahe Schweinfurt geboren und immatrikulierte sich 1584 in Jena. Auf dem Deckel des Memmelsdorfer Taufbuchs hat er eingetragen, dass er den Dienst in dieser Pfarrei „anno 1590, vierzehn Tage vor S. Michaelis“, angetreten hat. Pfarrer Langguth starb am 27.12.1621 in Memmelsdorf bei Seßlach und wurde am 29ten begraben, seine Mutter Barbara starb 33-jährig ebenda am Samstag, den 15.03.1628: „…an der eingerißener Seuche gestorben und folgendes Sontags mit Andreas Wagners in ein Grab geleget worden.“ Offenbar wütete die Seuche so sehr, dass man gezwungen war, mehrere Personen in das gleiche Grab zu legen. (Nach anderen Quellen war )„In Sonnefeld ist kein Pfarrer dieses Namens feststellbar. Pfarrer der Kirchengemeinde Sonnefeld von 1595 – 1706 waren nach „Quelle: Chronik Sonnefeld – Geschichte und Gegenwart von Dr. Harald Bachmann, nach der Wankschen Chronik, S.89/90): M. Johann Diel  1595 – 1622, Pfr. Hugo Triefeseisen 1622 – 1633, M. Michael Ludwig 1633 – 1641, M. Peter Ziegler 1641 – 1649, Peter Nicolaus Langer 1649 – 1655, Mag. Nicolaus Scheler 1655 – 1665, Adj. Joh. Balthasar Hofmann 1666 – 1670, Adj. Joh. Lorenz Hofmann 1670 – 1677, Adj. Stephan Thomä 1678 – 1706.“)

  

    Die zwölf, zumeist in Memmelsdorf, evangelisch getauften Kinder der Eheleute Johann und Barbara waren nach, soweit möglich im Memmelsdorfer Taufbuch (Beginn 04.10.1590) verifizierten, Angaben des Pfarrers Johann Langguth (geboren 1604):
- Johann Langguth, auch: Hanß, getauft vor Beginn des Memmelsdorfer Taufbuchs
- Johann Georg Langguth, getauft vor Beginn des Memmelsdorfer Taufbuchs
- Johann Ernst Langguth, getauft am 12.01.1592, gestorben 1635
- Anna Langguth, getauft am 22.01.1594, verheiratet „…an Nicolaeum an einen Schneider in Schwaben verheiratet“

   
J- Veit Ulrich Langguth, getauft am 30.11.1595, Amtsrichter in Waltershausen, später in Tenneberg in Sachsen, gestorben 1660. Verheiratet mit Catharina Schmeller, getauft am 16.12.1604, gestorben am 10.04.1696. Bekannte Nachkommen von Veit Ulrich mit Catharina waren 8 Kinder, 50 Enkel, 87 Urenkel, 5 Ururenkel. Eines der Kinder, Johann Matthias Langguth, kam in die protestantische Grafschaft Sponheim als „Cammerrath“. Andere Quellen nennen ihn als Pfälzischen Landschreiber und 1663 - 1707 als Keller in Birkenfeld und Trarbach, später Traben-Trarbach, an der Mosel. Er war Vorfahr der dortigen Winzerfamilie, die seit 1789 mit Wein handelt und 1921 das bekannte Weingut aufbaute. Ein anderer Sohn Johannes Langgguth, J. U. L und Advokat, Bürgermeister in Gotha, heiratete in Gotha am 15.10.1647 die Maria Catharina Gnüg, jungfräuliche Tochter des Gothaer Diakons Andreas Gnüg. Ein weiterer Sohn, Veit Ulrich Langguth, war Bürgermeister in Waltershausen und verheiratet mit Katharina Hesseler. Weitere Kinder waren Benedikt Langguth, geboren 1624, gestorben 1629, Anna Katharina Langguth, geboren 1631, und Susanne Langguth, geboren 1639
- Sibilla Langguth, getauft am 07.10.1597, zweimal verheiratet
- Margaretha Langguth, getauft am 11.07.1599, verstorben als Jungfrau
- Georg Langguth, getauft als Jörg am 26.04.1601
- Kunigunda Langguth, getauft am 07.07.1602, Patin war die „ehel[iche] Haußfrau von Pfarrer Wolfgang Merck, dem Heilgersdorfer Pfarrer. Kunigunda verstarb als Jungfrau.
- Johann Langguth, getauft als Hanß am 11.09.1604. Weiteres aus seinem Leben siehe folgend.
- Johann Erhard Langguth, getauft als Erhard am 27.11.1606, gestorben 1665
- Johann Langguth, getauft als Hanß am 25.05.1609, gestorben „adolescens“

Ferner gibt es nach schriftlicher Überlieferung ein ungetauftes, namenloses Kind.

Einige Kinder haben sich in Memmelsdorf als Gewerbs- und Bauersleute verheiratet, der Name lebte dort bis in die 1980er Jahre.

 

   Johann, der Sohn, wurde am 11.09.1604 in Memmelsdorf getauft, besuchte ab 09.07.1618 die Ratsschule in Coburg und ab 17.04.1623 das dortigeGymnasium. Im Sommersemester 1623 immatrikulierte er sich in Jena, war danach bis 1628 Informator bei mehreren Familien, ging 1631 zur schwedischen Armee, wird 1632 wieder Informator. Er wurde in Schweinfurt am 15.12.1633 ordiniert, am 16.12.1633 in der Dorfkirche zu Altenmünster bei Schweinfurt eingeführt, von wo er im November 1634 vertrieben wurde. 1635 wurde er in Gleicherwiesen bei Hildburghausen eingesetzt und ihm am 15.08.1638 die Kollatur auf die Pfarrei Maßbach bei Bad Kissingen erteilt, 1640 – 1647 gehörten die Nachbarorte Thundorf und Oberlauringen zu seinem Wirkungskreis („… im Umkreis von 4 Stunden verrichtete er bei evang. und kath. Familien diverse Amtshandlungen.“). In G. H. L. Kretzer, Geschichte des Centgerichts und der Pfarrei Maßbach, 1861, Seite 109-122, ist sein Wirken in der schweren Zeit des Dreißigjährigen Krieges ausführlich gewürdigt. Johann war viermal verheiratet gewesen, in erster Ehe am 03.6.1634 in Nassach mit Marie Amalie Götz, der Tochter des dortigen Pfarrers, gestorben am 13.01.1640, in dritter Ehe am 18.11.1645 in Maßbach mit Barbara Margaretha Liebau, Pfarrerstochter aus Nassach bei Aidhausen in den Haßbergen, sie starb am 27.01.1762 in Maßbach, und in vierter Ehe am 01.11.1653 mit Anna Barbara Merck, der Tochter des Schweinfurter Vormundschreibers Johannes Merck. Johann starb am 29.11.1666 in Maßbach, seine Witwe heiratete in zweiter Ehe in Schweinfurt am 12.01.1682 den Schweinfurter Zeugwart Jakob Hepper. Er hatte zwei Kinder aus seiner ersten, vier Kinder aus der zweiten, drei Kinder aus der dritten und sieben Kinder aus seiner letzten Ehe.

5) Magdalena, getauft am 18.05.1612, verheiratet um 1635 in Schweinfurt mit Andreas Wohlkas.

Anna, geboren am 24.10.1566, siehe (XIII/5.121)

 

Vom Jahre 1568 meldet der Chronist[7], „... daß abermals die Pest in H(ammelburg) geherrscht und viele Opfer gefordert habe. Einige Jahre später (1573) wäre große Theuerung und Hungersnoth; zu Ende Oktober galt ein Fuder Most 50 fl., das Fuder älteren Weines 70 fl., eine Maß Butter 18 Schillinge, eine Metze Haber 14 Schillinge, eine Metze Erbsen 1 Thlr. Schon wieder waren die Juden Gegenstand des Anstoßes geworden, denn in einer im J(ahre) 1570 im Rathe beschlossenen Instruction über verschiedene Beschwerdepunkte, welche die an den Fürsten abgeordneten Martin Boxberger, Bürgermeister, dann Lucas Sprung und Justus Rüffer vortragen sollten, war unter Anderm auch um Abschaffung der Juden, welche von Bürgermeister und Rath schon so oft „unterthänig und hochfleheiitlich erbeten war, oder doch wenigstens um Verminderung derselben wiederholt petitionirt worden.“

 

Am 10.10.1575 forderte der fuldische Fürstabt Balthasar von Dernbach (1548 - 1606), fünf Jahre nach seiner Wahl, vom Hammelburger Stadtrat eine Bestandsliste allen Kircheneigentums, geistlicher Lehen, Zinsen usw. anzufertigen und ihre jeweiligen Inhaber zu nennen. Da auf solche Art die Gegenreformation in Fulda begonnen hatte, zögerte der Hammelburger Rat die Übermittlung von meist nur Kopien nur der wichtigsten Urkunden bis Anfang 1576 hinaus. Am 26.01.1576 wird Justus als Gerichtsperson erwähnt, der als Abgesandter der Stadt zum Fürstbischof Balthasar nach Fulda fuhr um Originale von Urkunden zu überbringen.

 

Am 01.05.1576 zog Abt Balthasar „gegen Abend ganz unvermuthet selbst in Hammelburg ein mit 34 Pferden und.Gefolge. Der Fürst wurde von den Bürgermeistern Justus Rüffer und Conrad Arnold, sowie vom Rathe empfangen, erhielt drei Eimer des besten Weines aus dem Rathskeller verehrt und zog die Empfangsdeputation zur Abendtafel.“

 

Die Gegenreformation des „reformationswüthigen“ Abts begann in Hammelburg mit einer aus heutiger Sicht kleinlichen Episode[8]: „...Am 1. Mai des Jahres 1576 war der damalige Fürstabt Balthasar von Dernbach, um seine Sommerresidenz zu beziehen, mit seinem ganzen Hofstaate daselbst (in Hammelburg) eingetroffen und von dem Stadtrathe, der es an keiner Aufmerksamkeit fehlen ließ, auf das Feierlichste empfangen worden. Die Gemeinde war nun schon seit mehreren Jahrzehenden evangelisch; sechs Aebte hatten den Protestantismus geduldet; Balthasar selbst hatte bei seiner Erwählung im J(ahre) 1570 das feierliche Versprechen gegeben, den status quo achten zu wollen: wer hätte, ohne ihn eines Wortbruchs fähig zu halten, denken dürfen, daß er eben im Begriff sei, die Ausrottung des evangelischen Bekenntnisses allen Ernstes zu versuchen? Und doch war es, wie sich bald zeigte, eben dieß, was er im Schilde führte. Was er dem Gewicht seiner eignen Autorität nicht zutraute, das hoffte er von dem Eifer und der Klugheit der Jesuiten, welche er, ohne sie zu kennen, nach Fulda gerufen hatte. Nach Verlauf von einigen Tagen ließ sich zum großen Befremden der Einwohnerschaft einer von diesem „teuflischen Geschmeiß“, wie man die letzteren nannte, sehen, und nun trat er unverzüglich mit dem sehr bestimmten Verlangen hervor, daß man ihm die Kirche öffnen solle. Den Mitgliedern des Raths, an dessen Spitze damals der treffliche Bürgermeister Justus Rüffer stand, entging es nicht, daß man den Simultangebrauch[9] nur als Mittel zu benützen gedachte, um wieder in den Alleinbesitz der Kirche zu gelangen: sie baten deßhalb den Abt, „daß er sie mit solchem Ansinnen gnädigst verschonen möchte; ein fremder Ritus“, setzten sie hinzu, „würde der Gemeinde großes Aergerniß geben“. Während man aber ohne allen Erfolg mündlich mit ihm unterhandelte, war es den jesuitischen Ministranten gelungen, mittelst eines Dolches den Riegel der großen Thür zurückzuschieben, und nun wurde - es war am Sonntag Misercordias Domini - alsbald das Zeichen zum Beginn des vormittägigen Gottesdienstes gegeben. Alles eilte in die Kirche, auch die beiden Pfarrer Dilesius und Horn; als aber die letzteren des jesuitischen Paters Petrus, der sich eben anschickte, am mittleren Altare Messe zu lesen, ansichtig wurden, kehrten sie eben so schnell wieder um, und die zahlreich versammelte Gemeinde mit ihnen, so daß nach wenigen Minuten das Gotteshaus sich wieder entleert hatte. Man kann sich denken, wie sehr diese Vorgänge die Gemüther aufregten. Jn der Nachmittagspredigt, welcher auch der Abt mit seinem Hofgesinde beiwohnte, forderte der Pfarrer Horn seine Zuhörer aus, inbrünstig mit ihm zu beten, „daß Gott auch fernerhin sein Wort lauter und unverfälscht in Hammelburg erhalten und den Verfolgungen des Teufels, welcher jetzt der Gemeinde so hart zusetze, steuern wolle“. Von dem erzürnten Prälaten deßhalb Volksaufwiegler gescholten, würden schon damals die beiden Geistlichen ihres Amtes entsetzt und ausgewiesen worden sein, hätten nicht Fürstbischof Julius und das Domkapitel zu Würzburg, welchem die - freilich schon seit Jahren aufgegebene Collatur zustand, den ersteren durch den Wink, daß man die Predikanten dulden müsse, bis das Volk sich allmählich wieder an den verschmähten Cultes werde gewöhnt haben, von übereilten Schritten zurückgehalten. Was während dieser ganzen Leidensperiode des Städtchens sich im hellsten Lichte zeigte, das war die würdige Haltung der ganzen Gemeinde. Niemand überschritt die Gränze des passiven Widerstands; aber von dem Ersten bis zum Letzten weigerte man sich beharrlich, um der Zumuthungen des geistlichen Herrschers willen zu thun, was wider das Gewissen war.“

 

Balthasar, aufgebracht durch die vermeintliche Gleichsetzung mit dem Teufel, forderte nun die Absetzung der Predikanten und Aushändigung des Kirchenregisters. Der Rat von Hammelburg lehnte dies ab und brachte Kirchenschlüssel und Kirchenregister im Stadttresor in Sicherheit. Der Bürgermeister Justus Rüffer, mit einer Geldstafe von 100 Talern belegt, verweigerte standhaft die geforderte Herausgabe. Ebenso standhaft verweigerten alle drei Hammelburger Schlosser, trotz der über sie verhängten Strafe von je 50 Talern, den von Balthasar geforderten Einbau neuer Kirchenschlösser. Zum Pfingstfest wurde die Kirche zwar vorübergehend geöffnet, dann aber wieder verschlossen und die Schlüssel wiederum im Stadttresor verwahrt.

 

Der durch diesen Vorgang beunruhigte fuldische Landadel berief eine Versammlung, einem Landtag gleich, in Fulda ein. Daraufhin verbündete sich der politisch noch unerfahrene Abt Balthasar mit Julius Echter von Mespelbrunn, dem 1573 gewählten Fürstbischof zu Würzburg. Nun zog eine Truppe von Rittern und Adeligen, sowie der Bischof von Würzburg in Hammelburg ein, die damit defacto in Adelshand war. Beide Parteien zwangen Balthasar zur Abdankung. Die Regierung im Hochstift Fulda, und damit in Hammelburg, wurde vom Julius Echter von Mespelbrunn übernommen. Die Huldigung erfolgte am Mittwoch, den 27.06.1576. Der Bischof versprach auf Bitten des Hammelburger Rats, dass es in Fragen der Religionszugehörigkeit der Hammelburger Bürger keine Änderungen geben sollte, lehnte jedoch eine schriftliche Fixierung seines Versprechens ab (er pflegte stets den Bewohnern neu erworbener Gebiete die freie Ausübung der Augsburgischen Konfession zuzusichern - um diese Zusage bei passender Gelegenheit bedenkenlos zu brechen). Vieles bei diesem Vorgang bleibt in den Geschichtsbüchern undeutlich, die Urkunden sind fast vollzählig im Laufe der Jahre untergegangen. Auch würde eine ausführlichere Beschreibung der turbulenten Geschehnisse um den Sturz von Abt Balthasar den Rahmen einer Familienchronik sprengen[10].

 

Im von Balthasar angestrengten Gerichtsverfahren um seine Absetzung wird Justus Ende der 1580er Jahre, „nach wie vor Bürgermeister und von seinen Gütern lebend“, vorgeladen als bürgerlicher Zeuge, als „inzwischen knapp 60 Jahre alt und noch immer führende Persönlichkeit der Stadt“ geschildert. In der Untersuchung um die damaligen Vorgänge „gab er sich informiert und auskunftsbereit. Ausführlich erzählte er die Vorgeschichte des Einmarsches der Verschworenen: den Besuch des Seelgeräters in aller Frühe, ihre Frucht, „spöttlich uf der gassen haltten“ zu müssen, seine Vorsprache beim Abt, dessen Befehl, das Tor zu öffnen ... solange nur irgend möglich habe die Stadt den Einlaß der Verschworenen verzögert.“

 

Wie immer in der Geschichte kann man seine Regierungszeit selbstverständlich auch völlig anders sehen: „...Als Abt von Fulda in dem größten Ansehen im In- und Ausland, bei Fürsten und Völkern stehend, begann er ruhmvol ldas Riesenwerk der Regirung seines Landes, welches in den traurigsten Verfall gerathen war; züchtigte schlechte Priester und Laien; führte Ordnung und Zucht ein und leitete mit dauerhafter Strenge sein Land. Nachdem er gleich im ersten Jahre seiner Regirung den gelehrten Jesuiten in Fulda Eingang uns steten Sitz verschafft hatte ... erhob sich bald gegen den großen Mann die Rache, die ihn entfernen wollte. Als er hierauf mit einem Priester von der Gesellschaft Jesu 1576 nach Hammelburg geresit war, um da auch in seinem heiligen Amte zu wriken, betraf ihn die Ausführung der Pläne seiner Feinde. Man stürzte in sein Haus, mißhandelte seine Bedienung, drang vor sein Bett, und forderte von ihm, freiwillig zu unterschreiben, daß er die Regirung niederlegen wolle. Da er seinen Feinden ruhig antwortete, er sehe gar keine Ursache, drohten sie ihm mit dem Tode; und so unterschrieb er mit gerechter Furcht wie er selbst an Papst Gregorius XIII. berichtete; floh hierauf nach Mainz ... ging von da einige Zeit nach Frankfurt, später nach Wien, und war so 26 Jahre von seinem heiligen Amte ungerecht und gewaltsam entfernt.[11]

 

Nach einer Urkunde des Fuldaer Hochstifts vom 12.06.1591 nahm Justus in seiner Eigenschaft als Hammelburger Schöffe teil an einer Besichtigung der Gemarkungsgrenze zwischen Hammelburg, Pfaffenhausen und Fuchsstadt wegen verschiedener Streitigkeiten (ebenfalls teilgenommen hatte sein Sohn, der Hammelburger Stadtschreiber Lukas Rüffer).

 

Justus starb mit 72 Jahren am 07.09.1602 in Hammelburg[12], sein Schwiegersohn Georg Bengel zwei Jahre vor ihm. Beiden blieb somit erspart, die Vertreibung ihrer Familien aus Hammelburg aus religiösen Gründen im Jahre 1604 mitzuerleben.

 

 



[1] Schulleiter, Rektor

[2] Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: HstAD Best. B 8 Nr. 2/56

[3] Archiv des Historisches Vereins von ..“ in Band 5, Heft 2, Seite 180

[4] Georg Meyer-Erlach: Nachsteuerzahler in Würzburg 1572 - 1700 (Schriften des Landesvereins für Familienkunde 15). München 1941, Seite 6, Nummer 80 und Seite 8, Nummer 158.

[5] Rüffer wurde unrichtig als Küffer gelesen.

[6] Carl Heffner, Würzburg und seine Umgebungen, Würzburg 1871, Seite 123 bzw. bei Thomas Memminger, Würzburgs Straßen und Bauten, 2. Aufl. Würzburg 1921, Seite 223.

[7] Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg, Band 22, 1874, Seite 312 ff und 377 ff

[8] Christian Heinrich Sixt: Heinrich Frey, Superindendent in Schweinfurt, 1870, Seite 79 ff

[9] Nutzung der Kirche durch beide Religionen

[10] Gerrit Walther: Abt Balthasars Mission politische Mentalitäten, Gegenreformation und und eine Adelsverschwörung im Hochstift Fulda, Göttingen 2002.

[11] Chronik von Fulda und dessen Umgebungen vom Jahre 744 bis und mit 1838, herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. 1839

[12] E. Begemann: Ahnensonne; Joh. Mertz: Historia der Reformation in Hammelburg 1992

 

1603 zahlte seine Witwe Anna 15 Gulden Türkensteuer und gehörte damit zu den zehn reichsten Personen in Hammelburg.

 

Hier die Türkensteuerliste von Fulda aus dem Jahre 1605. Diese Rüffer werden mehr der Vollständigkeit halber aufgeführt, denn alle Evangelischen wurden 1604 aus dem fuldischen Gebiet vertrieben, so daß anzunehmen ist, dass die hier aufgeführten Rüffer katholisch waren und somit kaum zu unseren glaubensfesten Vorfahren passen. Das jeweilige Vermögen beträgt das 166-fache der zu zahlenden Steuer, oder anders gesagt, pro 100 fl Vermögen betrug die Steuer 1/2 fl getauft am 7,5 bz. Casper Rüffer z.B. hatte also ein steuerpflichtiges Vermögen (den „Steuerbetrag“) von 325 fl.:

Währungsabkürzungen und Umrechnungen: 1605 kostete 1 Reichstaler (rt) 1 Gulden und 15 Kreuzer, 1 Gulden (fl, florenius) getauft am 3 Ort getauft am 15 Batzen (bz, batzen) getauft am 28 Schilling (ß) getauft am 42 Böhmische (bhs, böhmische) / Gnacken (gn) getauft am 60 Kreuzer (kr, Kreuzer) getauft am 120 Pfenninge (d, denarius) getauft am 240 Heller (h).

 

 

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(XV/10.242-A) Balthasar Rüffer (1534 - 1599)

Balthasar Rüffer, üblicherweise als Balthasar II. bezeichnet, wurde am 07.03.1534 in Fulda evangelisch getauft. Seine Eltern waren der Fuldaer Kaufmann und Ratsschöffe Balthasar Rüffer (I.) und seine Ehefrau Margaretha, geborene Reb.

 

Er lebte bis etwa 1552 in Fulda, zog dann nach Würzburg, wo am 22.12.1552 Bürger wurde. Sein Bruder Justus (1530 - 1602) blieb in Hammelburg, Heinrich (1542 - 1611) ist in Fulda in den Rat aufgestiegen, alle drei waren wohlhabende Kaufleute. Am 22.12.1552 leistete Balthasar die Erbhuldigung.

 

Es waren sehr unruhige Jahre, 1546/47 war der Schmalkaldische Religionskrieg. Im danach folgenden Zweiten Markgrafenkrieg mußte das Fürstbistum Würzburg unter dem Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt, Herzog von Franken, 180.000 Gulden am 21.05.1552 an den evangelischen Markgrafen Albrecht Alcibiades von Bradenburg-Kulmbach zahlen und mehrere Gebiete abtreten (die Stadt Schweinfurt hatte ihm die Stadtschlüssel übergeben und blieb verschont). Diese hohe Zahlung führte dazu, dass „...nicht nur die Burger in Wirtzburg ihre silbernen Becher und andere Kostbarkeiten beytragen müssen; sondern man ware genöthigt, auch so gar die Heilige Gefäß und Kelchen aus denen Gottes-Häusern, auch die silberne Bildnus des Heil. Chiliani aus dem hohen Dom-Stifft darauf zu verwenden[1].“ Weitere 7.000 Gulden mußte man an Albrechts Mitstreiter Wilhelm von Grumbach zahlen. Zwar annulierte Kaiser Karl V. am 21.06.1552 den Vertrag, aber da war die Zahlung bereits erfolgt, nur Grumbach gab später das Erhaltende tatsächlich zurück. Am 18.04.1558 wurde Bischof Melchior, zusammen mit mehreren Begleitern, erschossen, der Mörder flüchtete nach Frankreich und wurde nie lebend gefaßt. Er war vermutlich von Wilhelm von Grumbach gedungen, der in Folge mit der Reichsacht belegt wurde.

 

Auf Bischof Melchior folgte 1558 - 1573 der Bischof Friedrich von Wirsberg, dessen Regierung „...durch schwerste Unglückfälle verbittert worden. Denn Erstens hatte er immerwährende Unruhen wegen den geächten Fürsten-Mörder, den Grumbachen, so lang, und bis derselbe im Jahre 1567 durch die längst verdiente Todts-Straff aus dem Leben gebracht wurde (Anm.: er wurde gevierteilt). Zweytens da im Jahre 1563 die Pest in der Stadt Wirtzburg begunte einzureissen, wurde Bischoff Fridrich gezwungen, sich in andere gesundere Orthe auf das Land zu begeben. Und da ihme die Vornehmste der Stadt folgeten, hat Drittens der treulose, eydbrüchige und allgemeine Friedens-Stöhrer Wilhelm von Grumbach sich bedienet, die Stadt Wirtzburg mit vielen Raub-Gesindel unversehens überfallen, grosses Geld und Gut aus ihr erpresset und geraubet ... Viertens seynd in verschiedenen Orthen des Lands, in der Stadt und auf dem Schloß Wirtzburg selbsten Feuers-Brunsten auskommen, welche grossen Schaden verursachte, deren letzteren der Bischoff selbsten kümmerlich (Anm.: im Nachthemd) entflohen.“

 

Und an anderer Stelle: „...Ein und viertzig tausend Reichs-Thales baares Geld, ohne die Plünderung, und was ihme Grumbachen wieder eingeraumt worden, soll ermeldeter Seconditionis homo Grumbachius davon gebracht haben, ohne den 40.000 Gulden ohngefähr, so Ernst von Mandelsloe aus der Fürstlichen Cammer erhoben hat. Das heißt Mucken gesengt.“

 

1573 wurde Julius von Mespelbrunn zum Fürstbischof gewählt. Er errichtete zahlreiche Kirchen, übernahm die Rolle des Administrators der Fürtsabtei Fulda, verbrannte über 900 Hexen (neben einfachen Leuten auch Adlige, Ratsherren und Bürgermeister), allein 200 aus der Stadt Würzburg und betrieb energisch die Gegenreformation.

 

In Würzburg war Balthasar bis zum 01.05.1588 unter diesen geschilderten schweren Bedingungen als Kaufmann und Weinhändler tätig war: „XII 14: Im jar 1574 habe ich Balthasar Ruffern, burger alhie, drei fuder weins zu kaufen geben, das fuder zu 83 fl.[2]„ Im Jahre 1584 beklagen sich Bürgermeister und Rat im Namen der ganzen Gemeinde beim Oberrat darüber, „...daß die Bürger, wofern sie anderst ihre Pflichten und Eide bedenken wollen, keine fremden Weine schencken dürften, die Gastgeber (Wirte) aber nichts schier anders, als fremde Heckenweine, denen mit verbotener Schmier etwa geholfen oder, eigentlich zu reden, Schaden geschehen ist, ausschenken, also daß, wenn fremde Leuth, so von 50 oder mehr Meilen her nach Würzburg kommen, und dafür halten, sie wollten in der Stadt den besten Frankenwein zu trinken bekommen, welches dann nicht allein dieser Stadt,



[1] P. Ignaz Groop, Wirtzburgische Chronick Deren letztere Zeiten ..., Erster Theil von dem Jahr 1500 biß 1642, 1748

[2] Engel: Adam Kahls Tagebuch, Eintrag Nr. 399

sondern dem ganzen Land des Weines halber einen bösen Namen mache.“ Sie baten dann: „...es damit wie vor Alters zu halten, nemlich daß man vor Walburgis[1] keinen Fremden (Wein) in die Stadt führen dörfe, das die Gastgeber diesfalls anderen Bürgern gleichgehalten werden und sonach keinen fremden Wein, sondern allein würzburg. Gewächs ausschenken sollten[2].“



[1] 30. April

[2] Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg, Band 1, Heft 2, 1832, Seite 177

Würzburger Taler im Jahre 1569
Würzburger Taler im Jahre 1569

Die ökonomischen Auswirkungen auf Balthasars Weinhandel war nur sicherlich von kurzer Dauer, denn wie meist, wenn die Obrigkeit sich regulierend in den Markt einmischt, sah sich auch der Fürstbischof Julius bereits am 21.12.1584 veranlaßt zu verordnen „...aufgrund des Zadel[1] und Mangels ... an wälischem Wein, Malvasier, Rheinfall, Meeth und Bier in der Stadt Würzburg ... der Rath solle daran seyn, von dergleichen Getränk hinführo jederzeit soviel möglich, auch gerecht und umb ziemlich leidentliche Zahlung im Rathskeller bei der Hand zu haben.“ Worauf der Rath anzeigte „... daß der Rath dermalen genugsam und mit guten Getränken gefaßt sey, daß der Malvasier aber bald sauer zu werden pflege, wenn er nicht schnell abgehe[2].“

 

Es gab damals eine Weinglocke, Vorläufer heutiger Sperrstundennverordnungen, nach deren Läuten der Weinausschank aus gutem Grund verboten war, am 05.12.1584 wurde diese Verordnung vom Fürstbischof erlassen: „...nachdem auf den Gassen der Stadt Würzburg Geschrey und unruhiges Wesen getrieben werde ... daß der Gassenstreif, weil es eben Winter und der Wein wohlfeil sey, etwas vor der Weinglocke vorgenommen und bis nach der Weinglocke continuiert oder nach derselbigen Weinglocke wiederholt werden sollte[3].“

 

Da, wie damals an jedem fürstbischöflichem Hof, der Bedarf an gehobenen Gütern und Luxusartikel nur zum Teil vom örtlichen Handwerk gedeckt werden konnte, war für die ansässigen Kaufleute die Beschaffung von Gewerbeprodukten und Luxusgütern wie etwa Gewürzen, Tuche und Stockfische, sowie die Ausfuhr des regional erzeugten Weins, ein rentables Geschäft. Die Händler stellten im Würzburg jener Zeit sowohl die größte als auch die vermögendste Gruppe dar. Sie gehörten zur ökonomischen und politischen Führunsschicht, und die Anhänger der evangelischen Religion wurden vom Fürstbischof geduldet, solange sie sich ruhig verhielten. Rüffer handelte außer mit Wein vor allem mit Wolle, Zwilch[4] und Dörrfisch, die er von weither bezog. Wir können vermuten·daß Baltasar auch die Leipziger Messe zu besuchen pflegte, denn sein großes Vermögen läßt auf Fernhandel schließen, 1640 lag er auf Rang 40 der Würzburger Steuerliste mit 2.710 Gulden netto.

 

Rüffer bewohnte ein Häuslein zu Sand in der Judengasse, erwarb aber in den 1560er Jahren im sog.



[1] Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: fehler, mangel, gebrechen

[2] Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg, Band 2, Heft 1, Seite 197

[3] Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg, Band 1, Heft 2, 1832, Seite 178

[4] Dichte, feste und strapazierfähige Gewebekonstruktion in Köper- oder Drellbindung. Der Zwilch oder Zwillich ist nach seinen zweifachen Fäden benannt, die Bezeichnung stammt aus dem Althochdeutschen.

„Gänheimer Viertel“ das stattliche Haus „Zum Lindwurm“ in der Ursulinengasse 1 (das Haus ist im 2. Weltkrieg völlig niedergebrannt).[1]

 

Mehrmals wurde Rüffers Wahl in den Unterrat des Würzburger Stadtrats wegen seiner Konfessionszugehörigkeit vom Würzburger Domkapitel abgelehnt. Erst 1577 gelang ihm der Sprung in die Ratszugehörigkeit (die Amtszeit war nicht begrenzt). In Ermangelung geeigneter katholischer Kandidaten, einige der Bewerber konnten weder lesen, schreiben oder rechnen, wurde er schließlich trotz seiner Religionszugehörigkeit vom katholischen Würzburger Domkapitel eingesetzt, erst 1587 wurde das katholische Bekenntnis zur Pflicht für die Ratsherren. Die Begründung lautete: „sie Balthasar Rüffer itzmalen für den tüchtigsten halten, dann er mit Weib und Hausgesind fleißig zur Kirche ginge, obwohl er besser katholisch wäre, weil er Rüffer kein disputator und ein eigezogener Mann sei[2].“ 1578 wurde er dann unterer Bürgermeister und 1582 Ratsherr „im oberen Rat“, am 26.11.1585 zum „Älteren Bürgermeister ernannt und 1586 Oberbürgermeister („oberer Bürgermeister“). Am 15.06.1857 wurde er, da er „sich nicht dem päpstlichen Tand und Irrtum unterwerfen wollte“[3], wie alle evangelischen Ratsherren, die den Übertritt zur katholischen Konfession ablehnten, dann aller seiner Ämter enthoben.

 

Am 26.03.1588 ließ er sich vom Würzburger Rat die ordentliche Verwaltung seiner Ämter wie folgt bestätigen: „Wir Burgermeystere und Rat der Statt Wirzburg. Alls der Erbar und weyse Balthasar Rüeffer, unser gewesener Mitrathsfreund, etliche Gemeiner Statt Empter alhie verwalltet und aber sich seiner gelegenheit nach vonn hinnen hinweg begeben, Bekhennen hiemit Das er unns umb solche seine von Gemeiner Statt wegen getragener ämpter und verwalltungen redliche gernügige Rechnungen gethan, Allen hinderstandt.guet gemacht, den schuldig gepliebenen Receß bezalt und die darüber gehörige Bücher Rechnung Register Brieff Schlüßel und anders uns eingehendigt und uberantwortet Sagen derwegen Ihne, seine Erben, und wer es sonst mehr bedarff, dessen allen hiemit quit, ledig und loes, Gereden und versprechen auh für uns und unnsere Nachkhommen, an Ihne, seine Erben und Erbnemen derhalb ainige Forderung mer nit zu haben noch zu gewinnen, der gueten Zuversicht, do sich sonderlich der ausgeliehenen Hauptsumma und uffgehaltenen Zinsen halben sollte Mangel erfinden, er Rueffer werde, zu Ihme habenden Vertrauen nach, nothwendigen Bericht und Anzeig guetwillig zuthun unbeschwert sein. Alles getreulich und ohne Gefherdt Zu kurkunt haben Wir Gemeiner Statt Wirzburg Innsiegel endts diser schrifft furgetruckt. Geschehen und Geben auf Sambstag den sechs und zweinzigsten Monatstag Marttij nach Christ: unnsers allergeliebsten Herrn und Selig Machers Gepurt funff zehen hundert und im acht und achzigsten.“

 

Am 01.05.1588 ging er nach Schweinfurt, nur sein Sohn Hieronymus blieb wohl zur Abwicklung von Geschäften bis 1591 zurück, nachdem er in Würzburg noch eine Nachsteuer, in diesem Fall ist sie als Wegzugssteuer erhoben worden, von 400 Gulden entrichtet hatte. Da diese üblicherweise zwei Prozent betrug, dürfte sein damaliges Vermögen mit rund 20.000 Gulden zu veranschlagen sein.

 

Mit seinem Abzug und dem und seiner anderen Glaubensbrüder scheint für Würzburg ein erhblicher Teil des Fernhandels mit Öl, Dörrfisch und Wolle verlorengegangen zu sein, denn der Unterrat klagte bis 1590 sehr über den Rückgang der Steuereinnnahmen, erst danach erfolgte wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung.

 

Im Markgräfler Krieg wurde 1554 die Stadt nach längerer Belagerung in Brand geschossen, geplündert und bis auf wenige Häuser zerstört („Stadtverderben“), die Erholung gelang nur langsam. Balthasar kam in eine Stadt, für die in der Chronik für das Jahr 1589 vermerkt wird: „Schweinfurt wurde nicht nur seit seiner Zerstörung durch öffentliche Gebäude immer mehr verschönt[4], sondern auch Privathäuser stiegen allmählig aus ihrer Asche empor. Schade, daß nur wenige das Jahr der Wiederaufbauung ihrer Häuser durch eine Inschrift angemerkt haben.“

 

In Schweinfurt lebte Balthasar zunächst in der Kirchgasse 27, später in der Spitalgasse 9, seit 1594 in der Metzgergasse 16 wohnte (heutige Hausnummern). Dort war er bis zu seinem Tod als wieder als Kaufmann und zeitweise als Bürgermeister tätig war.



[1] Wird 1852 noch im Buch „Würzburg und seine Umgebungen“ erwähnt als „Haus Nummer 194, Hof zum Lindwurm, nach welchem eine alte Patricierfamilie hiesiger Stadt den Namen führt. Gehört gegenwärtig der Heeger’schen Stiftung.“

[2] Stadtarchiv Würzburg, Domkapitel, Sitzung vom 11.03.1577, fol. 295v.

[3] Aus der Leichenpredigt seiner Witwe Anna, geb. Kaltenhöfer.

[4] Das neue Rathaus wurde erst am 19.05.1572 fertiggestellt., der Grundstein war am 15.03.1573 gelegt worden. Ein zwei Jahre zuvor erbautes brannte am 14.12.1568 vollständig ab.

Balthasar Rüffer um 1590 (links) und 1599
Balthasar Rüffer um 1590 (links) und 1599

Am 07.10.1588 wird im Würzburger Ratsprotokoll vermerkt, daß Baltasar Rüffer und Bastian Hübner von Schweinfurt aus Öl, wollene und zwilche Tuche sowie Dörrfisch zum Nachteil des Stifts aufkaufen, also eine Art Handelskrieg gegen das Stift eröffnen. Tatsächlich hat das Stift Jahre lang versucht, den Handel mit Schweinfurter Bürgern zu behindern, bis ein kaiserlicher Erlaß 1594 den Handelskrieg beendete. Auf diese Zeit mag auch die sagenhafte Überlieferung zurückgehen, daß Rüffer im Garten seines Hauses (Kirchgasse 27) spazieren ging, weil er sich wegen der Würzburger Häscher nicht vor das Stadttor wagen konnte

 

Balthasar war zu seinen Lebzeiten schon ein Helfer der Armen. Auf dem zu seinem Gedächtnis gestifteten großen Bild „Predigt Johannis des Täufers in der Wüste“, das heute noch die Johanneskirche zu Schweinfurt ziert, rühmt die Widmung von ihm, daß er im Geiste Johannis wohltätig war.

 

In erster Ehe wurde er mit 18 Jahren am 01.08.1552 in Würzburg mit Barbara Finger, verwitwete Danwedel, verheiratet. Barbara wurde um 1525 in Würzburg geboren und evangelisch getauft, dann um 1550 in erster Ehe in Würzburg mit Valentin Danwedel verheiratet. Sie ist dort am 22.11.1566 gestorben. Vermutlich war sie nicht mehr jung, denn die Ehe blieb kinderlos, aber sie mag dem jungen Ehemann das Geschäft ihres ersten Mannes zugebracht haben[1].

 

Am 21.04.1567 heiratete Balthasar nach dem Tod von Barbara in zweiter Ehe Anna Kaltenhöfer. Sie wurde am 09.03.1546, dem Todestag von Martin Luther, in Würzburg geboren, evangelisch getauft und war die Tochter des Würzburger Bürgers und Landschreibers Pankraz Kaltenhöfer, (auch: Pangratz, Pancratius) geboren um 1492 in Würzburg und auch dort gestorben am xx.11.1547, und seiner dritten Ehefrau Anna Winter, geboren um 1510 in Eisfeld, gestorben vor 1567 in Würzburg. Pankratz Kaltenhöfer nahm am Bauernkrieg teil und wurde mit 151 anderen Würzburger Bürgern, z.B. Tilman Riemenschneider, am 08.06.1525 in „unseres gnedigen herrn gefengnus zum Grunbaum zu Wurtzburg“, die meiste Zeit in einem Kohlenkeller gefangen gehalten und erst am 14.06.1525 wieder freigelassen[2].

 

Seine zweite Heirat mit der hinterlassenen Tochter des Landschreibers Pankraz Kaltenhöfer brachte ihn in nähere Beziehung zum Umkreis des Domkapitels. So wurde er, wie einst Kaltenhöfer,



[1] Das wird bestätigt durch die Erwähnung der Kremerin Barbara Danwedel mit einem Vermögen von 1.587 Gulden in der Steuerliste von 1547 (Hannelore Gotz, Würzburg im 16. Jhdt., Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 2,1986, S. 296, Nr. 106). Es handelt sich wohl um die spätere .Frau Rüffers.

[2] Martin Kronthal: Die Stadt Würzburg im Bauenkriege, 1887, Seite 90 und 91

Hausgenosse des Domkapitels und 1568 Mitträger des Unterpfisteramts. Mit dem Hausgenossenamt waren erhebliche Rechte verbunden: die Zugehörigkeit zur Immunität des Kapitels und damit einmal die Freiheit von allen städtischen Lasten einschließlich Wachdienst und Steuer, zum anderen ein privilegierter Gerichtsstand vor dem dornkapitelischen Kellergericht.

 

Kinder aus dieser Ehe, alle geboren und evangelisch getauft in Würzburg, waren:

 

Sabina, geboren am 21.01.1568 in der Nacht zwischen 2 und 3 Uhr, getauft am 22.01.1568 im Dom, Patin war „Sabina, Hausfrau des Baumeisters Hans Müller“, verheiratet am 12.02.1583 in Hammelburg mit Philipp Schuler, Oberbürgermeister in Hanau, dem Sohn des Schweinfurter Handelsmannes Christoph Schuler und seiner Ehefrau Margaretha, geborene Seyfried. Philipp wurde am 15.09.1557 in Münnerstadt evangelisch getauft, war später Bürgermeister in Hammelburg, ging als Exulant nach Schweinfurt, dann nach Hanau. Dort starb er am 20.08.1629, ebenda auch Sabina um 1631.
Kinder aus dieser Ehe, beide evang. getauft in Hammelburg, waren Anna Sabina, getauft am 23.01.1585, verheiratet am 23.10.1601 in Hammelburg mit Balthasar Miltenberger, und ihre Schwester Susanna, getauft am 07.07.1595, verheiratet am 25.07.1615 in Hanau mit Wilhelm Windecker.

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Balthasar, geboren am 23.10.156 um Viertel nach 6 Uhr abends, getauft am 24.10.1569 im Dom, siehe (XV/20.484-AA)

 

 

Anton , geboren am 31.08.1571 zwischen neun und zehn Uhr abends, Taufpate war Dr. Anton Hübner, genannt Schoder. Er studierte in Marburg, Jena („Ruefferus, Antonius, Wirceburg, 1590“), Perugia („Antonius Rueffer, Wirzburgensis, 13 Mai [1596] paul. 5“) und Basel („5. Januar 1601, Antonius Rueffer, Wirceburgensis Francus – 19 solidus [Schilling] 2 denarius [Pfennig], 1587 Marburg – 1590 Jena Matrikel Marburg 136., Matrikel Jena 1, 270.“) und starb als Dr. jur. unverheiratet mit 63 Jahren am 30.11.1634 in Schweinfurt.

 

Hieronymus, Kaufmann in Schweinfurt, geboren am 09.02.1573 ein Viertelstunde vor 9 Uhr Abends, getauft am 15.02.1573, Pate war Hieronymus Hagen, fürstbischöflich würzburgischer Sekretär und Rat, oberster Sekretär des Domstifts, man warf ihm vor, Proselyten zu machen, er wanderte nach Schweinfurt aus, wo er am 3.12.1596 starb. Hieronymus starb am 17.08.1614 in Schweinfurt, begraben dort am 19.08.1614 mit 41 Jahren, er hinterließ 6 Töchter, von denen das Schweinfurter und Rothenburger Patriziat großenteils abstammt. Er verheiratet sich am 11.11.1595 in Schweinfurt mit Barbara Trummer, geboren am 13.07.1575 in Bamberg, gestorben am 17.07.1619 in Schweinfurt. Sie war die Tochter des Bamberger Hofrichters Johann Trummer und seiner Ehefrau Barbara Hadertaub. Hieronymus war „der fürnembste Handelsmann in Schweinfurt“, er hatte 128.000 Gulden Vermögen. Von ihm hören wir, daß er regelmäßig die Leipziger Messe besucht und 10 Jahre lang bei Kaspar Graff wohnt, der mit Gertrud Kühlewein verheiratet war.

 

Conrad, geboren am 16.02.1577 kurz vor 3 Uhr morgens und am gleichen Tag im Würzburger Dom getauft. Sein Pate war Konz Müller, Ratsherr in Würzburg, er war in den Augen des Bischofs auch ein Rädelsführer der Protestanten, war 1575 Ratsherr, 1582 Bürgermeister und Obereinnehmer der Landschaft, ein hitziger Charakter, der später nach Kitzingen ging und dort als brandenburgischer Rat lebte. Conrad wohnte bis 1588 in Würzburg, zog dann nach Schweinfurt, um von 1600 bis 1618 in Nürnberg zu leben, wurde aber wegen Münzverschlechterung aus dem größeren Rat ausgeschlossen, wohnte seit 1618 in Hanau, wo er am 26.04.1635 mit 58 Jahren starb. Er wurde am 29.08.1600 in Nürnberg mit Barbara Schiller verheiratet. Barbara wurde am 11.05.1579 in Nürnberg geboren, sie war die Tochter des Nürnberger Rats Michael Schiller, geboren um 1550 in Nürnberg (?), und seiner ihm am 06.06.1574 in Nürnberg angetrauten Ehefrau Magdalena, geborene Hernpecker, evang. getauft am 20.07.1648 in Nürnberg und dort am 11.07.1611 begraben.

Kinder aus Conrads Ehe, alle in Nürberg geboren und dort evang. getauft, waren:
1) Maria, getauft am 22.09.1602
2) Conrad, getauft am 23.08.1606
3) Susanna Magdalena Madeleine, getauft am 09.10.1608, gestorben am 26.04.1667 in Hanau mit 58 Jahren. Sie wurde am 01.12.1635 verheiratet mit Johann Daniel Herpfer, Sohn des Oberamtsschultheiß in Obermoschel, Bernhard Herpfer, und seiner Ehefrau Maria, geborne Ringelmann. Johann Daniel wurde um 1590 in Obermoschel geboren und starb am 01.07.1658 in Hanau.
4) Erasmus, getauft am 04.12.1610
5) Gabriel, getauft am 29.04.1613

 

Neithart, geboren am 20.04.1580 um Viertel vor 7 Uhr morgens und am gleichen Tag getauft, Pate war Neithart von Thüngen, Dompropst, später Bischof von Bamberg. Neithard starb am 04.01.1593, nachmittags um 1 Uhr, in Schweinfurt im Alter von 12 Jahren

Wilhelm, geboren und getauft am 20.11.1582, Pate war der Domherr Wilhelm Milchling, genannt Schutzbar, gestorben am 04.04.1583 zwischen 6 und 7 Uhr in Würzburg

Anna, geboren am 08.09.1584 morgens um 2 Uhr, getauft am 09.09.1584, Patin war „Anna Leipolt, Hausfrau des Adam Geiß“, Exulant in Rothenburg ob der Tauber, sie verheiratete sich am 18.08.1601 mit Martin Berndes in Nürnberg.

Heinrich, geboren am 07.12.1586 nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr, getauft am 08.12.1586, Pate war Heinrich Wilhelm, Ratsherr in Würzburg, gestorben mit 12 Tagen am 22.12.1586 „½ Viertelstunde vor 12 Uhr“ in Würzburg.

 

Die Abstände der Geburten betragen 21, 22,18, 48, 38, 18, 22 und 27, im Durchschnitt rund 27 Monate. Der größte Abstand von 4 Jahren könnte auf eine Fehlgeburt hindeuten. Die Geburten verteilen sich auf das ganze Jahr, nur im Februar waren es zwei. Das alles lässt vielleicht auf Geburtenplanung schließen.

 

Als Balthasar am 18.12.1595 sein Unternehmen (die „Handlung“) an seine Söhne Balthasar (dem III.) und Hieronymus übergab, wurde außer einem nicht näher aufgeführten Warenbestand ein Barvermögen von 16.000 Gulden genannt, für das ihm seine Söhne erst vier, später fünf Prozent Zinsen zahlen sollten. Auch sein damaliges Privatvermögen und mehrere Immobilien, er war der größte Haus- und Grundbesitzer in Schweinfurt, war hierbei nicht erfaßt. Balthasar sicherte für sich und seine Frau die Wohnung in der Spitalgasse (Spitalstraße 9), nämlich „die Obere Große Stube, die Kammer daneben, die Kammer dahinter mit 2 Betten, den vorderen Keller.“

Balthasar starb plötzlich und unerwartet (an einem Herzinfarkt?) mit 65 Jahren am 16.05.1599 in Schweinfurt und wurde am 18. dort begraben.

 

In der erhalten gebliebenen Leichenpredigt, gehalten vom in der Schweinfurter Pfarrhierarchie nur drittrangigen Diacon über die gebotenen „wolthaten an den todten“ wird, obwohl als „dritte wolthat“ geboten, nichts über Balthasars Lebenslauf gesagt. Seine Kinder und Erben werden ermahnt, den letzten Willen des Verstorbenen zu achten. Gab es Steitigkeiten angesichts der etwas ungleich verteilten Erbes? Auffallend ist, daß die Nennung des „ungeratenen“ Sohnes Conrad fehlt.

 

„Ein christliche Leichenpredigt. Bey dem Begräbniß des Ehrnstesten Erbarn, Fürsichtigen und Wohlweisen Herrn Balthasar Rüffer, des Eltern weilend Bürgern, und des Raths zu Würzburg, injetzo aber Bürger zu Schweinfurt, welcher den 16. Maij nach Mittag um 1 Uhr plötzlich in dem Herrn rechtschaffen, und den 18. hernach ist begraben worden. Anna Christi, XCIX. Gehalten zu Schweinfurt im Spital zum Heiligen Geist. Durch Georgium Haugium, Diaconum daselbst.

 

Den Ehrnhafften / wolgelerten und Achtbarn / Herrn Balthasar / Antonio und Hieronymo Rüffern gebrüder zu Schweinfurt / Item dem Ehrnvesten / Erbarn / Fürsichtigen und wohlweisen Herrn Philippo Schulero / Burgern und des Raths zu Hammelburck / meinen inbesonders Gönstigen Herrn und Freunden.

 

Gottes Gnad und Fried / auch bestendigen trost in Christo Jesu / sampt aller zeitlichen und ewigen Wolfart bevor.

 

Ehrnveste / Ehrhaffte / Erbare Achbare gönstige Herrn und Freund / Es spricht der weise Mann Jesus Syrach am 7. Capitel seines Buchs: Beweise auch an den todten deine wolthat. Mit welchen Worten er anzeigen und lehren will / daß wir nicht alsbalden auß dem sinn schlagen sollen / was uns auß den Augen kompt / sondern das ein trewe und stete Freundschafft noch etlicher massen herfür blicken und frey öffentlich scheinen und leuchten solle / wenn schon der gewesene Freund alberait im Sarck oder undter der Erden ligt / die in des heiligen Geistes Schul unterrichtet sein.

 

Nun stehet aber die wohltat / die wir unsern verstorbenen Freunden nachthun sollen / fürnemlich in diesen stücken. Erstlich / wenn man leide über sie trege unnd ihren abgang beweinet. Christglaubige hertzen zwar sind dessen durchauß gewiß / daß die jren / die sich mit kundlicher bereit willigkeit unnd freudigem vertrauen in gottes hand ergeben haben / unverloren sind / derwegen sie auch keine heßliche ungeberde treiben / wie die Heiden / die jenen selbsten umb der todten willen malzeichen am Leib pfetzeten: Gleichwol muß man auß Christen keine klötze und stöcke machen / daß sie in diesem leben ohn alle affecten unnd bewegungen sein sollten / sondern es heisset viel mehr: Humanos mortus mens pia semper habet. Wie wir Exempla an Abraham / Jospeh und andern mehr haben / die jre verstorbene Freund bitterlich geklaget und beweinet haben. Wie auch Syrach am 38. Capitel dazu vermanet unnd spricht: Mein kind / wenn einer stirbt / so beweine jn / als sei dir gros leid geschehen.

 

Die ander wolthat / die man den todten beweisen sol / ist / daß man Gottliebenden leuten nach ihrem volnbrachten lauff ein ehrliche Grabstete gönnen und geben solle / wie dann der fromme alte Tobias den gefangenen und erwürgten Märterern zu Nintve solchen dienst leistete / und umb des willen rühmlich gepreiset wird / weil doch die Menschen von aussen nichts mehr / denn ein altes kleid unnd jrdische lägerstat bey der welt erübrigen. Solches bindet der alte Tobias seinem Son Testaments weise ein: Wenn Gott meine Seele wegnimpt (spricht er im 4. Capaitel) so begrab meinen leib / und wenn deine Mutter gestorben ist / so begrab sie neben mich. Solche wolthat hat Joseph von Arimathia an den verstorbenen Christo erzeiget / in dem er jn in sein eigen grab gelegt hat. Matth: 28.

 

Die dritte wolthat / so man an den todten laut der Schrifft / beweisen solle / ist ferner auch diese / daß man ihnen rühmlich nachsage / was sie guts und lobwürdigs in jrem Christenstand gethan haben / weil doch des gerechten nimmermehr / sol vergessen werden / und was ein ehrlicher Mann hinder jm lesset / daß muß auch seinen ehrenpreiß unter den Christen behalten / und seine werck folgen jm nach / sagt Gottes wort. Exempla haben wir in H. Schrifft / wie der löblichen thaten noch für unnd biß an Jüngstentag gepriesen werden.

 

Hingegen aber ist das die vierdte wolthat / so man an den todten beweiset / daß man jre bewußte feil unnd felle mit unter den Grabstein lege und zudecke / unnd alles an jhnen zum besten deute und wende / was sie zuweilen vom Teuffel unnd Fleisch übereilet haben möchten verbrochen haben. Denn ob wir wol durch Christi Blut und todt von Sünden gewaschen und gereiniget / und durch den Glauben für Gott gerecht geschetzet werde: Jedoch können wir nicht Engelrein leben / sondern die sünd klebt uns noch immerdar an / weil wir leben. Sollen derwege nit allein für unsere Person tegioch umb vergebung bitten / sondern auch was an unsern verstorbenen Freunden für feil unnd mangel gewesen / mit dem mandel der liebe zudecken unnd verkleistern helffen.

 

Die fünfte wolthat erstreckt sich auff den letzten willen der todten / welchen sie Testaments weise vor jhrem ende zwischen jhren Kindern und Erben / oder sonsten zu Christlichen und ehrlichen sachen / schließlich außgesprochen und trewlich befohlen ins werck zusetzen. Daran dann auch bey jren Kindern und freunden kein mangel sol gespüret werden / auff das keiner durch enthaltung und verbrechung solcher Artickel / die seinen in der gruben schende / weil auch die Schrifft sagt / das man eines Menschen Testament nicht verachte oder umbstosse / weßs bestettiget ist / und wie solcher leute rede / die mit sterbens gedancken umbgehen / von hertzen kompt / also sol sie auch denen hinwider das hertz rhüren / welche darauff verpflichtet sind / damit sie ein täglich memorial dran haben / und on unterlaß betrachten mögen / was sie nach jrer anordnung thun oder lassen sollen.

 

Die sechste und letzte wolthat an den todten / ist auch diese / daß man sich jrer betrübten Witwen und Waisen hertzlich annimpt / dmait ja dieselbigen in jren trawerstand nicht ohn trost gelassen werden / wie Syrach am 4. Capitel vermanet: Halt dich gegen die Waisen wie ein Vater / und gegen jre Mutter wie ein Haußherr / so wirst du sei wie ein Sohn des Allerhöchsten / unnd er wird dich lieber haben / denn dich deine Mutter hat.

 

Diess sind die fürnemesten wolthaten / die man nach anleitung heiliger Schrifft / und nach der vermanung des weisen Mannes Syrachs an den todten beweisen solle. Was andere wolthaten jren verstorbenen / mit virgilien, Seelmessen unnd andern nach zu thun vermainen / lassen wir uns nicht irren.

 

Wenn ich nu / Ehrenveste / ehrnhaffteWolgelerte sonders gönstige Herrn / oberzelte stücklein bey dem abschied Weiland des E. F. unnd Wolweisen Herrn Balthasar Rüffers / ewers geliebten Herrn Vatters unnd Schwehrs seligen / betrachte / mache ich mir gantz und gar keine zweiffel / es werden sich dieselben bey euch sampt unnd sonderlich genugsam ereignen. Denn Christlich und löblich ists / daß jr ewern / nun mehr in Gott ruhenden Herrn Vatter und Schwecher gebürlicher weise betrawern / aber doch aus Gottes wort euch wider umb zu trösten wisset. So ists fürs ander auch rhümlich an euch / daß jr jme ein selige und herrliche ruhestat bereitet / und ehrlicher weise zur Erden bestattet / und damit fürs dritte sein gedächtniß unnd guten Namen / bey den nachkommen zuerhalten / und fürs vierdte / wider alle Camlamniatores und lesterer (wie billich) zuverteidigen geflissen seid. Darum ich denn der obigen zweien stücklein halben auch nicht zweiffele / ihr werdet / was er vor seinem Seligen abschied unter euch disponirt, geschlicht und geodnet / treulich unnd stet halten / allen widerwillen und uneinigkeit verhüten Und denn / gegen ewer Frawmutter / Jungem Bruder und Schwester also zu erzeigen wissen / daß sie in jrem betrübten Witwenstand und einsamkeit ein trost und ergetzlichkeit an euch haben mögen. Solches erscheient nun auch darauß / daß jhr die Leichpredigt / so bey ewers lieben Vatter unn Schwehers seligen ehrlichen Begräbniß gehalten worden / euch zu Communicieren, und in Truck zuverfertigen / von mir begert und gebeten habt. Wiewol nun solche Predigt nicht der wichtigkeit (denn ich meine unvermöglichkeit gerne bekenne) daß sie publiciert werde / und ich nur anderer gelehrten Leute arbeit mehr gelieben lasse / als daß ich mit meinem geringen und einfeltigen schreiben mich an tag geben wollte: Jedoch habe ich ewern Christlichen ansinnen und begeren nicht zu wider sein wöllen.

 

Überschicke euch derwegen jetzt ermelte Leichpredigt so gut sie Gott damals verliehen / und ich unter meinen vilfeltigen geschäfften auffs papier bringen / unnd für der Volkreichen versamlung / so der Leiche ewers lieben Herrn Vatters seligen nachgefolget / habe thun können. Welche jhr euers gefallens möget trucken lassen.

 

Der Allmechtige Barmherzige treue Gott / welcher ist ein Vatter alles trots / wölle euch samptlich unnd sonderlich beneben euer lieben Frawmutter / Brüder unnd Schwestern / qweib unnd Kindern / durch seinen heiligen guten Geist trösten / stercken / und für allem widerwertigem an Leib unnd Seel / gnediglich behüten und bewaren / umb seines lieben Sons Christi Jesu willen Amen.

 

Datum Schweinfurt den 15. Junij 1599 / Nach Christi unsers HERRN und Seligmachers Geburt im 1599. Jahr.

 

E.E. und A. W.

 

Georgius Hauchim, Diaconus daselbst“

 

 

Die Städtischen Sammlungen in Schweinfurt haben diese kolorierte Federzeichnung, auf der Balthasar Rüffer und seine Familie in der Art von Grabmälern der Renaissance dargestellt sind. Vermutlich handelt es sich in der Tat um den Entwurf für das zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus Unverstand und kleinlicher Pfennigfuchserei zerstörte Rüfer-Epitaph in der St. Johannis-Kirche. Links knien das Oberhaupt der Familie mit den sieben Söhnen und rechts dessen beide Frauen mit den drei Töchtern. Darüber ist in kurzen Worten in der kraftvollen Sprache der Zeit Rüffers Lebenslauf skizziert.

Leider ist das aus Messing gegossene Epitaph des Grabmals von Balthasar, auf dem sein Bildnis in Lebensgröße zu sehen war, seit Beginn des 19. Jahrhunderts verschwunden. Schlimmer noch erging es dem Denkmal des 1599 verstorbenen Vaters: Es wurde am 11.12.1806 versteigert und eingeschmolzen. Die Verwandtschaft beschritt den Prozeßweg, doch zu spät.

 

Seine Witwe Anna hat am 17.08.1599 nach seinem Wunsch dem Rat zu Schweinfurt 1.000 Gulden übergeben, aus deren jährlichen Zinsen von je 50 Gulden eine Familienstiftung ausgegeben werden sollte. Jeweils 20 Gulden sollte der älteste Rüffer in Schweinfurt und Fulda erhalten, um damit studierende Knaben, Handwerkslehrlinge, arme Jungfrauen zur Aussteuer, Witwen oder Sechswöchnerinnen zu bedenken, 10 Gulden sollten der Stadtkirche zu wohltätigen Zwecken zufallen. Das ganze hatte der Rat zu überwachen und nach dem Aussterben aller Nachkommen zu übernehmen. Die Austeilung sollte jeweils der älteste Rüffer beider Familien und nach deren Aussterben der älteste Nachkomme weiblicher Linie vornehmen[1]. Anna starb am 23.12.1606, erst 60 Jahre alt, sie wurde am 25.12.1606 in Schweinfurt begraben. In ihrer erhalten gebliebenen Leichenpredigt wird erwähnt, dass bei ihrem Tod nur noch sechs ihrer zehn Kinder lebten.

 

Zu Lebzeiten der Witwe erfolgte noch die Fuldasche Gegenreformation, worauf ihre Schwägerfamilien aus Hammelburg und Heinrich aus Fulda ebenfalls in der Reichsstadt Schweinfurt Zuflucht fanden. Ebenfalls dort befand sich Hans, der Sohn des Justus, der 1588 aus Würzburg gekommen war. Bei großen Familienfesten vereinigten sich die Glaubensflüchtlinge aus Würzburg und Bamberg mit ansässigen Honoratioren. So sind bei der Hochzeit des Hieronymus Rüffer mit Barbara Trummer aus Bamberg 1595 39 Herren, 22 ehrbare Frauen, 17 junge Gesellen und 16 Jungfrauen außer dem Brautpaar als anwesend verzeichnet, die weitere Verwandtschaft und die Freunde und Glaubensgenossen aus Würzburg und Bamberg. Bei der Taufe seiner Tochter Anna 1603 verzeichnet Hieronymus 22 anwesende Frauen. Hieronymus hat in seinen „Tagebuch“ auch Weltereignisse notiert, den Tod der Königin Elisabeth von England, den Jülicher Erbfall, Kriege in Venedig und Ungarn. Ein Abdruck dieses Tagebuchs als Zeugnis einer bürgerlichen Familie und ihres Gesichtskreises wäre zu wünschen.

 

Balthasar schreib eine Art Tagebuch oder Chronik, sein „Büchlein“ ist nicht im Original, sondern nur in der Abschrift des Sohnes Hieronymus erhalten[2]. Ob die Abschrift wirklich nichts ausläßt, erscheint zweifelhaft, da nur bei der Taufe des Hieronymus selbst und nicht bei seinen Geschwistern die 15 Taufgäste angeführt sind.

 

„Anno 1602 den 18. Martij Hab Ich Iheronymus Rüeffer Burger zu Schweinfurth volgents aus meines lieben Vattern Herrn Balthasar Rüeffirs (des) Eldern, weilant Burger deß Innern Rhats zu Würtzburg, Nachmals aber wegen der wharen Evangelischen Religion und Confeßion A(nn)o 1587 verendert und dan Burger zu Schweinfurth Seinem Büchlein von Seiner aignen Handt von Wortt zu Wort abgeschriben also Lautent:“

 

Anno 1534 den 7. tag Martij 1/2 virtel stundt vor 12 Uhrn in der Nacht Bin Ich Balthasar Rueffer von Meiner Lieben Mueter zu Fulda uff dise Weldt geborn, wie es dan Mein Lieber Vatter, auch Balthasar Rueffer Burger zu Fulda sellig. Mit aigner Handt aufgeschriben, dan Ich dits abgeschriben.

Anno 1552 uff S.Georgen tag Hab Ich Mein liebe Hausfraw narbara, ein gebome Fingerin, Veltin Danwedels s.hinderlaßne Wittibe zuer Ehe genomen.

Uff Montag Nach Jacobi selben Jhars Mit Ihr Mein Kirchgang und hochzeitlichen Ehrentag gehalden.

Anno 1566 Den 22. Novembris Uff den Abent zwischen 7 und 8 Uhrn Ist obgedachte Meine liebe Haußfrawe Barbara Fingerin In Gott selliglich verschiden, derselben Und Uns Allen der Ewige Gott gnedig und Barmhertzig sein welle, Geb Ihr und uns allen Ein fröliche Aufferstehung, Amen.

Anno 1567 Den 6. Februarij Hab Ich Mich Wiederumb Mit der Erbarn und Tugentsamen Jungfrawen Anna Kaltenhöfferin, So anno 1546 gebom In Würzburg weilandt deß Erbarn Herrn Bangratz Kaltenhoffers landschreibers Selliger gedechtnuß, Eheliche Verlaßene Dochter Ehenlichen Verheyrath und Vertrawtt In Beysein der Erbarn und Weisen justi Rueffers Meines Lieben Bruders, und Wolff Kempfen, Beide Burger zu Hammelburg, Herrn Balthasar Külweins EIdern, Lorentz Fingers und Paulus von Wurmbs, uff Ihrer Seitren Herr Caspar Eck, Stephan Rambsbeck der Zeit Burgermeister Georg Seyler und Endreß Fick, Gott Richte alle Ding Nach seinem Göttlichen Willen, Amen.
In gemeltem 67Jhar den 21. Aprilis Hab Ich Mit obgemelder Meiner Lieben Vertrawten als andern Haußfrawen Meinen Hochzeitlichen Ehrntag und Christlichen Kirchgang gehalden, Gott der Alhnechtige gebe uns allen, Was uns Nütz und gut Ist zu Seel und Leib. Amen.

Anno 1558 Den 15. Aprilis zwischen 9 und 10 Urhen Vor Mittag Ist Bischoff Melchior Zobel zu Würtzburg Verreterlich Erschoßen worden, Sampt seinem Stebler Caspar Fuchs Und Wolff Carl von Weinckhain, der Zeit Amptman zu Iphoffhaim, seindt der Mörder Eylff gewesen, und seindt In Schmeltzen Hoff Jenseit Mains geholtten, biß der Bisehoff für dieselben Thür ist khomen, seind sie sie Heraus gewischt Und Inen Mit obgemelden Erschoßen, und sind Von stund an zu dem Thor zu geeylet, wie sie dan zween Jhrer geselln under das Thor daßselbig uffzuhalden, geschickt hetten, Und seint allesamen Unverletzt davon khomen.

Anno 1558 Mitwochen den 27. Aprilis ist Friderich Von Wirßberg, der Zeit Domdechant, zu einem Bischoff zu Würtzburg und Herzogen zu Francken Erwellt worden.

Anno 1569 Ist gar Ein saurer Wein gewachsen, auch wenig, den Man nichtwol hat drincken khonnen.



[1] H. Chr. Beck, Geschichten und Biographien, Schweinfurt 1854, S. 76.

[2] Gerd Wunder: Das Büchlein von Baltasar Rüffer. Aus dieser Quelle stammen auch viele andere Rüffer-Fakten.

Anno 1568 Uff Mitwochen den 21. Jenner In der Nacht gerat zwischen 2 und 3 Uhrn Ist Mein Erste Tochter Sabina von Meiner lieben Haußfrawen Anna geborn und hat sie aus der Hailgen Tauff gehoben Hanß Müllers deß Bawmeinsters Haußfrawe.

Anno 1569 Uff Sontag den 23 October Auf den Abent 1/4 stundt Uber 6 Uhr Ist Mein Erster Sohn Balthasar von Meiner lieben Haußfrawen Anna uff dise Weltt geboren, und hat Inen aus der Heilgen Tauff gehoben Herr Philips Mercklein.

Anno 1571 Uff den Abent Egidij den 31. Augustj zwischen 9 und 10 Uhrn vor Mitter Nacht Ist Mein ander Sohn Anthonius geborn, und hat inen aus der Heilgen Tauff bestetigt Herr Doctor Anthonius Hübner, sonsten Schoder gnandt.
In Diesem 71. Jhar hat das Malder Korn alhie zu Würtzburg und disem landt In der Erndt 5 : 5 1/4 fl goltten.

Anno 1573 Den 17. Jenner war das Waßer des Mains sehr gros, also das Man Mit Schelgen biß für den Schwartzen Adler Alhie zu Würtzburg am Marck fharen kunte.

Anno 1573 Uff Montag den 9. Februarij Uff den Abent Ein Viertel stundt vor 9 Uhrn Vor Mitter Nacht Im Zeichen der Zwilling ist Mein dritter Sohn lberonymus Von Meiner lieben Haußfrawen Anna uff dise Weltt geborn dem Allmechtigen Ewigen Gott sey Lob, Ihr In allen Dingen, Amen, und hat Ihnen zuer H. Tauff bestetigt Herr Iheronymus Hagen, Fürstl. Würtzburg. Secretarj, und seind bej solcher Tauf gewesen Sein Herrn Hagens Haußfraw, D. Hubnerin, Hanß Müllerin, Philips Mercklin, D. Postius, Jörg Reumanin, Hanß Heroltin, Basti Deinin, Hanß Meyerin, Mergret Flurheinin, Hanß Fickin, Rambsbeckin, Norkaberin, Volmundin und Gilg Weidenlinsche Haußfrawen.
In disem 73 Jhar fing sich ein sehr hefftigee Teurung an, und gult das Malter Korn 5 in 6 und 7 fl und weret biß in das 75 Jhar der weniger Zahl, gultt vorKiliani Noch durchaus vor der Erndt 7 fl, und da die Erndt eingeschnitten, Ist es wiederumb das Malder uff 2 fl khommen.
Deßgleichen whar auch Ein grausame Teurung im Wein, also das Fuder uff die 84 fl alhie khomen ist, und anno 1574 da waar der Schlagk zu Himelstat 35 fl das Fuder und anno 1575 ward der Schlagk wiederumb 16 fl.

Anno 1576 ist gar kein Wein gewachsen, also das der Herr Domprobst und andere Pröbste kein Zehent Kuffen ins Feltt fhürenten, und Niemandt keinen Zehent begerende.

Anno 1577 Uff Sambstag den 16. Februarü früe gegen tagk Ein wenig vor 3 Uhrn Ist Mein vierter Sonn Conrad geborn, hat inen zuer Heilgen Tauff bestatet Herr Conrad Müller deß Rhats alhie.

Anno 1577 Den 1. Augusti Bin Ich Balthasar Rueffer In den Undern Rhat gesetzt worden, und sind Mit Mir in Rhat gesetzt worden Caspar Reuman und Peter Heller.

1578 Auf Elisabeth Bin Ich Vorm Rhat zu einem Undern Burgermeister erwelett worden, und Anno

1585 Bin Ich zu einem Obern Burgermeister Von einem Erbarn Rhat zu Würtzburg Erwelet worden, und Mit Mir zu Einem undern Burgermeister Herr Doctor Lachman.

Anno 1580 Den 20. tag Aprilis, der da war Mit Wochen Vor St. Georgen tag, Ist Mein fünffter Sonn Neihart geborn worden, Früe Vor Mittag 1 Viertel stundt vor 7 Uhrn, und hat Imen zu H. Tauff bestattet der Ehrwürdig Und Edel Herr Neithart Von Thüngen, der Zeit Dumdechant alhie zu Würtzburg, Im Zeichen deß Crebs Anno 1593 gestorben den 4. jenner 1 Uhr Nachm.

Anno 1582 Den 20. Novembris der da war Dinstag Nach Elisabeth Ist Mein Sechster Sohn Wilhelm geborn worden und hat Inen zuer Heilgen Tauff Bestatet Der Ehrwürdig vnd Edel Herr Wilhelm Schutzbar genandt Milchling, Thurnherr alhie zu Würtzburgk, und ist verschiden den 4. Aprilis Anno 1583 zwischen 5 und 6 Uhren.

Anno 1584 Den 8. Septembris nach dem Neuen Calender der da wardt Sambstag Nach Egidi In der Nacht geradt Im Puncto 2 Uhr Nach Mitnacht ist Mein andere Tochter Anna uff diese Welt geborn und hat sie Hailgen Tauff Bestettigt Herrn Adam Geißen Eheliche Haußfraw Anna geborne Leiboltin.

Anno 1584 Im Herbst ward der Wein so wollfeil, das der Schlagk zu Himelstat 6 fl war Und gultt das Fuder Vaß auch 6 fl, Wie Ich Sie dan drumb selbsten kaufft und bezaltt hab, gultt alhie zu Würtzburg der Wein Im Herbst 7. 71/2.8 fl.

Anno 1586 Uff Sontag, den 7. Decembris Nach dem Neuen Calender Ist Mein siebender Sohn Heinrich uff dise Weltt gebom zwischen 1 und 2 Uhrn Nachmitag Und hat Ihnen zu Heilgen Tauff Bestatet Herr Heinrich Wilhelm Burger und deß Rhats alhie zu Würtzburgk und Ist SelliglichEntschlaffen Uff Montag den 22. Decembris Anno 1586 1/2 Viertelstund vor 12 Uhrn, Gott der Allmechtige gebe Ime und Uns allen durch Christum Unseren Erlöser Ein Fröliche Aufferstehung Amen.

Anno 1587 Den 13. juni] Bin Ich auf der Cantzley zu 'Wurtzburg gewesen und von dem Rhat und andem Amptem Entsetzet worden, durch den Herrn WeyBischoff, den Cantzier Doctor Hartman.

Anno 1588 Den 1. May Bin Ich Mit Meiner lieben Haußfrawen und Kindern Im Namen Gottes von Würtzburg aus gehn Schweinfurth gefharen und daselbsten Unsere Haushaltung angefangen und zu Würzburg verlaßen müßen Wegen der rechten wharen Evangelisch Christliche Lehr und glaubens, aus Bevelg deß Hochwirdigen Fürsten und Herrn, Herrn Julij Bisehoffen zu Würtzburg.

Anno 1588 Den 1. May Bin Ich Mit Meiner lieben Haußfrawen und Kindern Im Namen Gottes von Würtzburg aus gehn Schweinfurth gefharen und daselbsten Unsere Haushaltung angefangen und zu Würzburg verlaßen müßen Wegen der rechten wharen Evangelisch Christliche Lehr und glaubens, aus Bevelg deß Hochwirdigen Fürsten und Herrn, Herrn Julij Bischoffen zu Würtzburg.

 

Balthasar Rüffer hatte über seinen Sohn Hieronymus eine Enkelin namens Anna, geboren in Schweinfurt am 29.05.1603 und dort am 30.05.1603 evang. getauft, in Schweinfurt verheiratet am 13.10.1621 in erster Ehe mit dem Ratskonsulent Dr. jur. Jakob Wilhelm und am 17.06.1628 in zweiter Ehe mit dem dem Ratskonsulent Dr. jur. Johann Höfel.

 

Johann Höfel wurde am 24.06.1600 in Uffenheim an der Tauber geboren und war der Sohn eines fürstlich brandenburgischen Vogts. Sein Studium absolvierte er an den Universitäten in Gießen, Jena und Straßburg und promovierte schließlich zum Dr. jur. in Jena. Im Anschluß hieran liess er sich in Schweinfurt nieder und bewohnte dort das schönste Haus, das die Stadt je hatte, nämlich das "Schopperhaus" bzw. später das Roth’sche Haus. Im Jahre 1633 wurde er als Ratskonsulent in Schweinfurt tätig und wurde zugleich Rat und Advokat der Grafschaften Henneberg und Castell als auch der Reichsstädte Rothenburg und Windsheim. Sein politischer Einfluss war somit beträchtlich. Höfel gehörte zu den wichtigsten süddeutschen Juristen seiner Zeit und war in ganz Deutschland bekannt. Er war ein sehr frommer Mann, was auch durch seine kirchlichen Dichtungen (Liedtexte) zum Ausdruck kam. Bekannt wurde er darüber hinaus durch seine Sammlung von angeblich mehr als 4000 Leichenpredigten. Weiter veröffentlichte er Liedersammlungen. Sein Leben wurde stark durch die Nöte des 30-jährigen Krieges geprägt. Die Vergänglichkeit irdischen Lebens beschäftigte Höfel sehr, weshalb er in Schweinfurt ein Alters- und Siechenhaus errichten liess. Zudem soll er bereits mit 18 Jahren seinen Sarg in seiner Wohnung aufgestellt und täglich eine Betstunde abgehalten haben. Bekannt sind seine Trostlieder "O süßes Wort, das Jesus spricht" und "Was trauer ich doch? Gott lebet noch."

 

 

Epitaph für „Hieronymi Rüefers letztgeliebter Tochter Anna Höfelin, zweyer Consulen Hauszfrau alsz D. Jacob Wilhelms und D. Johann Höfels zu Schweinfurt“ in der St. Johanneskirche in Schweinfurt unter dem Vordach des Chors im Nord-Osten. Er zeigt sie in der Tracht einer ehrsamen Bürgersfrau im Jahre 1665, rechts oben ist ihr Wappen mit den drei Geldsäcklein.

 

 

 

Anna starb am 24.10.1655 mit 62 Jahren in Schweinfurt.

Anna Rüffer/Höfel
Anna Rüffer/Höfel
Johann Höfel
Johann Höfel

In der Zeitschrift „Die Denkmalpflege“ von 1906 liest man: „... Von den Bürgerhäusern ist am besten imstand das Haus von Roths Brauerei in der Oberen Straße 24. Nach der Jahreszahl oben im Giebel ward es um 1588 erbaut. Im Hof meldet eine Inschrift: „Johannes Schopper erbauer und erster Besitzer dieses Hauses Anno 1588 – 1600 Jakob Wilhelm D(oktor) und Ratskonsulent, Anderer Besitzer bis 1620 Johann Höfel D(oktor) und Rats Konsulent u. Anna Rueferin seine fromme Hausfrau dritter Besitzer bis 16..“ Von der Einfahrt führt eine profilierte Rundbogenpforte in den Vorplatz. In der Bogenplatte steht: „Johann Höfel Dr. Anna Ruferin“. ... Dr. Johannes Höfel liebte es, sein Haus mit Sinnsprüchen zu zieren, es ist auch als Kirchenliederdichter bekannt (Hildburgh. Gesangbuch 1741). So ist in der Einfahrt rechter Hand ein Kreuz über einem in Stein gemeißelten Totenkopf zu sehen: „1600 I. H. D. A. H. C. R. (Johann Höfel Doktor Anna Höfelin ... Ruferin) Was du gewesen, was du bist, was du wirst sein, denk lieber Christ.“ Auf der anderen Seite der Rundbogenpforte liest man: „Dies Haus ist mein und doch nicht mein / Der es vor mir besessen der sagte auch es wäre sein / Und jetzt ist er vergessen / Man trug ihn hin, ich nahm es ein / Ein andrer kommt nach mir darein / Wohl dem, der hier bei seiner Zeit / Des Lebens sich als Weiser freut / D. Joh. Höfel 1600“. In der einfahrt hängt ein Spruch: „Galgen Rad und Rabenstein / Böser Buben Warnung sein / Auch zur Warnung dir und mir / Dieser Donnerkail hängt hier / 1627“. (Anmerkung: Dieser Donnerkeil wurde dem ersten Schreiber dieser Chronik, Dietger Braun, als Junge von seiner Mutter bei einem der wenigen Ausflüge nach Schweinfurt gezeigt, es dürfte um 1955 gewesen sein.)

 

(XV/10.242-AA) Balthasar Rüffer (1569 - 1637)

Dieser Balthasar, üblicherweise als Balthasar III. bezeichnet, war der Sohn von Balthasar Rüffer (geb. 1534) und seiner zweiten Ehefrau Anna, geborenen Kaltenhöfer. Er wurde in Würzburg, seine Eltern lebten in der Ursulinergasse 1, am 23.10.1569 um 18:15 Uhr geboren und am 24.10.1569 im Dom getauft, sein Pate war Philipp Merklein, Ratsherr und Bürgermeister.

 

Er verheiratete sich mit 21 Jahren am Dienstag, den 25.08.1590, in Schweinfurt in erster Ehe mit der 17 Jahre alten, am 14.11.1573 in Würzburg geborenen Anna Hagen, Tochter des Würzburgisch Fürstlichen Sekretärs Hieronymus Hagen aus Kitzingen und seiner Ehefrau Anna, geborene Rindermann aus Ebern.

 

Aus dieser ersten Ehe sind folgende, in Schweinfurt geborene und dort evangelisch getaufte Kinder bekannt[1]:

 

Balthasar, getauft am 27.10.1591, gestorben vor 1609

Anna, getauft am 07.08.1594, gestorben am 16.04.1626 in Schweinfurt mit 32 Jahren. Sie wurde am 25.08.1612 in Schweinfurt verheiratet mit Wilhelm Stahl, geboren am 08.01.1581 in Würzburg, gestorben am 06.01.1633 in Schweinfurt. Wilhelm war der Sohn des Würzburger Pfortenschreibers im Domkapitel Martin Stahl und seiner Ehefrau Barbara Kühlwein.
Aus Annas Ehe stammen sieben Kinder, wovon nur drei 1637 noch lebten, nämlich die in Balthasars Leichenpredigt genannten „Jungfraw Hannae Stahlin, Tichterlein, und Herr Paulo Martino Stahlen, Enicklein“, letzterer befand sich 1637 „jetzo in der frembde bey dem Kriegswesen“, und „Wilhelm, welcher ... zum Studiren gehalten wird.“

Martha, getauft am 19.01.1601, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

Susanna, getauft am 19.01.1601, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

Barbara, getauft am 06.05.1602, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

 

In Balthasars erhalten gebliebener Leichenpredigt allerdings werden die Kinder Balthasar, Anna, Barbara, Martha und Margaretha aufgeführt. Es fehlt also Susanna, während oben die Margaretha nicht genannt wurde.. In der Leichenpredigt von Anna am 12.12.1609 wird geschrieben: "Kinder: Balthasar / Annam / Susannam / Martham vnd Barbaraen. Deren aber Viere / als der eintzige Sohn / vnd 3. Töchter wieder seliglich verstorben / vnd noch eine Tochter die elteste / nahmens Anna / so weit es Gott beliebet /am Leben vbrig ist ...". Wie man sehen kann, waren Leichenpredigten schon damals etwas problematisch.

 

Anna starb am Freitag, den 08.12.1609, „nach Mitternacht, kurz nach 1 Uhr, sanft und wol im Herren“ in Schweinfurt im Alter von 36 Jahren. Sie wurde am folgenden Tag bestattet.

 

Balthasar wurde nach drei Jahren im Witwerstand im Alter von 43 Jahren am 30.06.1612 in zweiter Ehe in Schweinfurt verheiratet mit der erst 22-jährigen Magdalena Held, dort evangelisch getauft am 15.02.1590, Tochter des vermögenden Schweinfurter Kaufmanns Christoph Held und seiner Ehefrau Anna, geborene Geickner.

 

Aus Balthasars zweiter, 25 Jahre dauernden Ehe, stammen vier Söhne und drei Töchter. Davon sind derzeit folgende, in Schweinfurt geborene und dort evangelisch getaufte Kinder bekannt:

 

Sohn, tot geboren um 1613

Justus Balthasar, geboren um 1614. In der Leichenpredigt seines Vaters wird erwähnt, dass er sich „zu Altdorff und anderen Orten wegen seiner Studien uffgehalten und unlangst seinen kranken Vatter zu besuchen allhero eben zu rechter Zeit kommen und jetzo denselben wehemütig zu Grab beleitet.“ Er hatte sich 1634 in Leipzig immatrikuliert, leistete dort aber erst 1635 seinen Schwur, und immatrikulierte sich am 29.04.1636 in Altdorf. Er war Würzburgischer Zehntkeller in Schweinfurt und starb am 22.07.1678 in Kitzingen. Von ihm ist bekannt: „Der Sohn des Reichsvogts Justus Balthasar, um 1614 geboren, ging ganz andere Wege als seine Voreltern. Er hielt es mit den Würzburgern gegen seine Vaterstadt Schweinfurt. Er galt als „ungeratenes Bürgerkind“ und starb kinderlos, wahrscheinlich 1679“. Bei seinem Tod in Kitzingen galt er als „fürnehmer Einwohner dahier“. Er wurde in erster um 1647 in Nürnberg (?) verheiratet mit Martha Rösel, geboren um 1620 in Nürnberg (?), gestorben am 15.04.1664 in Kitzingen. In zweiter Ehe heiratete Justus Balthasar um 1664 in Kitzingen (?) die Sabina Silberschlag, geboren um 1635 in Castell (?), gestorben am 19.09.1681 in Schweinfurt.

Anna Magdalena, getauft am 24.03.1618, gestorben mit 76 Jahren am 15.06.1694 in Schweinfurt. Erste Ehe am 30.01.1638 in Schweinfurt mit Jobst Friedrich Heunisch, der 1640 starb, aus dieser.....



[1] Quelle: Ahnentafel Harleß (GFF M 342), Seite 147/148 und Text Seite 16 bis 22; sowie Gerd Wunder, Anna Rüffer aus Schweinfurt (1603-1665), in: "Blätter für Fränkische Familienkunde, 7.Band, Heft 7, Oktober 1959, Seite 225-231

Ehe sind keine Kinder bekannt. Zweite Ehe am 14.09.1641 in Schweinfurt mit Johann Christoph Merck, Sohn des Schweinfurter Reichsvogts und gefreitem Richter Johann Merck und seiner Ehefrau Anna Maria Scheffer. Johann Christoph wurde am 01.03.1614 in Schweinfurt geboren und starb dort am 01.09.1679.

Aus Anna Magdalenas Ehe mit Johann Christoph Merck entstammen folgende Kinder, alle geboren und evangelisch getauft in Schweinfurt:

Anna Margaretha, geboren am 01.09.1642, gestorben am 31.03.1693, verheiratet am 28.09.1675 mit Johann Friedrich Pfennig

 

     Anna Margaretha Merck, geboren am 01.09.1642, gestorben am 31.03.1693, verheiratet am 28.09.1675 mit Johann Friedrich Pfennig
ebenda am 19.06.1677 mit dem am 28.06.1650 in Maßbach getauften Johann Michael Langguth, dem Sohn des Maßbacher Pfarrers Johann Langguth und seiner dritten Ehefrau Barbara Margaretha Liebau. Johann Michael wurde am 28.06.1650 in Maßbach evangelisch getauft, kam 1666 auf das Gymnasium in Schweinfurt, 1670 bewilligte ihm der Schweinfurter Rat ein Stipendium. 1670 immatrikulierte er sich an der Universität Jena, wo er 1673 zum Magister promovierte 8.2) Katharina Magdalena Merck, getauft am 29.05.1644, beerdigt in Schweinfurt am 07.03.1703, verheiratet (seine „dissertatio philosophica posterior“, eingereicht am „20. (30.) Januarii MDCLXXVII“ (1677) trägt den Titel „De iure Dei in homines“). Er war 1676 Professor am Erfurter Ratsgymnasium, später dort Inspector, ab 1677 Diakon an St. Michaelis in Erfurt, wo er bei einer großen Seuche, vermutlich die Pest, am 08.11.1682, abends um sechs Uhr starb und am folgenden Tag beerdigt wurde. Weiteres zur Herkunft und den Geschwistern von Johann Michael siehe im Kapitel 3.2 Vorfahren SCIPIO aus der Hauptlinie, dort (XIV/10.242) Justus Rüffer (1530 - 1602), dort bei dem Enkelkind 2.5.

Seine Witwe Katharina Magdalena zog 1683, nach anderer Quelle 1684, mit ihren Kindern wieder nach Schweinfurt. dort ließ sie ihre Söhne „…sowol zu Hause als in öffentlichen Schulen und hernach im Gymnasio Adolphiano zum Christenthum und allen nöthigen Wissenschaften mit Fleis anführen.“[1] Bekannte Kinder aus dieser Ehe waren die in Erfurt evangelisch getauften
8.2.1) Johann Rudolf Langguth, getauft am 23.08.1679, Pfarrer zu St. Andreä in Erfurt, gestorben dort am 04.10.1746 und bestattet am 11.10.1746. 1701 immatrikulierte es sich an der Universität Jena, nach dem Tod der mutter 1704 nahm er eine Hofmeisterstelle an, die aber mit viel Unruhe verbunden war. 1707 wurde er Rektor der Thomasschule in Erfurt und an Ostern 1719 Diakon der Erfurter Andreas- und Mauritiusgemeinde. 1710 heiratete er Dorothea Magdalena Heusner, die jüngste Tochter des Ernst Gottfried Heusner, Pastor der Erfurter Thomasgemeinde. Die einzige Tochter aus dieser Ehe, Martha Beningna Sophia Langguth, geboren am 11.05.1711 in Erfurt, starb ebenda am 02.01.1726 und wurde in der Andreaskirche bestattet.
8.2.2) Magdalena Barbara Langguth, geboren um 1681
8.2.3) Johann Michael Langguth, geboren am 07.11.1682 und getauft am 08.11.1682, dem Sterbetag seines Vaters, Pfarrer zu St. Michael in Erfurt, gestorben am 20.06.1739. 1702 immatrikulierte er sich in Jena, der Tod seiner Mutter und „…seine Leibesschwachheit verstatteten ihm nicht, länger an der Universität zu bleiben. Er gieng also 1704 nach Schweinfurt (Anm.: durch den Tod seiner Mutter 1703 verlor er ihre finanztiellen Zuschüsse) und kurz darauf nach Erfurt, wo er ein Jahr verblieb; alsdenn aber nahm er eine Information zu Selb ohnweit Böhmen im Bareutischen, und hernach eine andere wieder in Erfurt an. 1708 wurde er Rektor von Sankt Thomae in Erfurt, 1710 Diakon in Walschleben (Anm.: bei Sömmerda) und 1717 dort Pfarrer. 1723 wurde er als Diakon an die Predigerkirche in Erfurt berufen. 1711 verheiratete er sich dort mit Anna Elisabeth Fabrii (auch: Fabarius), der dritten Tochter des fürstlich sächsisch-eisenachischen Hofrats und Kanzleidirektors in der Grafschaft Sayn, Friedrich Jacob Fabrii. Anna Elisabeth starb am 07.06.1726 in Erfurt und Johann Michael musste die Haus- und Kinderversorgung übernehmen. Den Eheleuten wurden neun Kinder geboren, bekannt sind:
8.2.3.1) Johann Michael Langguth, um 1740 Adjunkt in Marienborn
8.2.3.2) Johann Christoph Langguth, er studierte Medizin.
Nach dem Tod von Anna Elisabeth heiratete Johann Michael in Erfurt am 24.11.1727 Anna Magdalena Kirchner, Tochter des gewesenen Pastors an Sankt Andreä und Mauritius und „Rev. Minist. Assessoris“ Johann Martin Kirchner. Diese schenkte ihm drei Söhne und eine Tochter, so Martha Beningna Sophia Langguth, Jeremias Rudolf Langguth, Johann Martin Langguth und Johann Christian Langguth.
Johann Michael litt zeitlebens an Leibesschwachheiten, „…seit 1708 empfunde er ein beständiges Brennen und Drücken auf der rechten Seite in der Gegend der Leber. Hinzu kann 1716 ein apoplectischer Schwindel. Durch die starke Feuersbrunst, welche 1736 den 21 Octobr. einen großen Theil der Stadt Erfurt betraf, wurden all diese Beschwerden noch mehr vergrößert. Im Februar 1739 brach ein Geschwür der Lunge auf.“ Er starb nach weiteren aufgegangenen Lungengeschwüren am 20.06.1739 in Erfurt und wurde zwei Tage später in der Predigerkirche beigesetzt.

Susanne Magdalene Merck, geboren am 20.08.1645, gestorben am 24.02.1747,

Anna Magdalena Merck, geboren am 24.08.1647, gestorben am 10.10.1690, verheiratet am 08.091685 mit Martin Göbel

Johann Gottfried Merck, geboren am 19.04.1649, gestorben am 14.09.1690, verheiratet am 11.05.1675 mit Anna Sybilla Schmidt

Katharina Margaretha, geboren am 29.01.1651, gestorben am 10.08.1692, verheiratet am 27.11.1688 mit Johann Hartmann Wohlkomm

Johann Christoph, geboren am 21.12.1652, verheiratet in erster Ehe am 28.11.1676 mit Anna Maria Piccard, am 13.07.1686 in zweiter Ehe mit Juliane Margarethe Miltz

Christoph Balthasar Merck, geboren am 19.11.1656, gestorben am 11.04.1706, verheiratet am 05.11.1678 mit Rosina Dorothea Piccard.

 

     Christoph Balthasar Rüffer, geboren nach 1618, er war 1637 bereits verstorben

 

     Sohn, tot geboren nach Christoph Balthasar, vor 1625

 

     Rosina Magdalena Rüffer, getauft am 05.1625, gestorben mit sieben Jahren am 12.08.1632 in Schweinfurt

 

     Sabina Magdalena Rüffer, geboren am 04.10.1627, getauft am 06.10.1627, „H. Baltzer Rüffer Undt sein 2. weib Magdalena haben eine dochter laßen taufen, hat gehoben Ursula H. Johann Albrechts 2. weib den 6. Infans Sabvina Magdalena“, ihre Patin Ursula war die Tochter des Georg Fehr. Sie wurde am 30.07.1644 in Schweinfurt mit Justus Friedrich Schöner verheiratet. Er war der Sohn von Matthias Schöner, Notar in Schweinfurt, und seiner Ehefrau Anna Amalia Ulrich. Justus Friedrich wurde am 29.04.1614 in Schweinfurt geboren und starb dort am 05.01.1691.
Sabina starb 24-jährig am 30.06.1651 in Schweinfurt und wurde dort am 03.07.1651 beerdigt.

 



[1] Hier und folgend: Siegmund Heinrich Hoffmann, Acta Historico Ecclesiastica oder Gesammlete Nachrichten von den neuesten Kirchen-Geschichten, Band 4, 20. Theil, 1740, Seite 305 ff, ferner Erfurter Personalschriften 1540-1800

 

 

Balthasar wurde am 24.05.1588 Bürger der Stadt Schweinfurt, lebte seit 1594 in der Spitalgasse 9 und ab 1611 in der Petersgasse 5. Im Jahre 1600 deponierte er bei der Stadt 1.000 Gulden. Er wurde 1603 in den Zusatz des Äußeren Rats gewählt, 1604 in den 24er-Rat, 1614 in den 12er-Rat und war 1619 - 1635 im Sechserstand des Rats. Am 20.08.1635 wurde er zum Reichsvogt ernannt.

 

Der spätere Schrotturm der Stadt Schweinfurt wurde durch ihn zunächst als Treppenturm eines Renaissance-Hauses 1611-1614 erbaut. Zu diesem Schrotturm schreibt die Mainpost vom 27.07.2011: „...Der Schrotturm heißt erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts so. Ab 1818 produzierte nämlich ein Johann Christian Voigt hier Schrot. Er hatte den Turm dazu um fünf Stockwerke aufgestockt. Warum, das erklärt der Eintrag zum Thema Schrotherstellung in einer zeitgenössische Enzyklopädie: „Man verfertigt dasselbe, indem man geschmolzenes Bley von einer Höhe von 150 Fuß herabfallen lässt, welches während des Falls eine vortreffliche runde Form bekommt, und im Wasser aufgefangen wird.“ Heute sind diese fünf obersten Stockwerke mit einem hölzernen Treppenhaus erschlossen. Steigt man von Plattform zu Plattform alle Hühnerleitern hinauf, hat man einen einzigartigen Blick über die Schweinfurter Innenstadt und weit hinaus über das Maintal. Unterhalb der hölzernen Absätze offenbart der Turm seine eigentlich Aufgabe: Er war und ist der Treppenturm für die beiden Flügel des einstigen Anwesens von Balthasar Rüffer III. (1569–1637). Die steinerne Treppenspindel ist reich mit Steinmetzarbeiten verziert und leuchtet seit der Sanierung des vom Verfall bedrohten Anwesens in den Jahren 1985 bis 1990 in Rot und Gelb. Der Protestant Rüffer war 1588 im Zuge der Gegenreformation von Fürstbischof Julius Echter aus dem Hochstift Würzburg vertrieben worden. Freundlicherweise durfte er sein beträchtliches Vermögen nach Schweinfurt mitbringen. Das Anwesen ließ er wohl zwischen 1611 und 1614 auf den Resten älterer Bauteile errichten, die nach dem „Zweiten Stadtverderben“ 1554 stehen geblieben waren, als Schweinfurt im Zweiten Markgrafenkrieg zerstört wurde. Am Turm – bis zur Umnutzung hieß er Rüffersturm – ließ Rüffer sein Wappen anbringen, das bezeichnenderweise drei Geldsäcke zeigte. 1909 wurde es abgenommen und ist seither verschollen. Stand das Wappen für Rüffers Hauptinteresse, so war die Turmhaube politische Aussage: Im Gegensatz zu all den Echter-Nadeln auf den Kirchtürmen im katholischen Umland bekam der Rüffersturm eine sogenannte welsche Haube, die – wie alle anderen Schweinfurter Türme auch – als Bekenntnis zur Eigenständigkeit der protestantischen Reichsstadt gemeint und auch verstanden wurde. Obwohl das Anwesen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt wurde, haben sich im Turm Fresken aus der Erbauungszeit erhalten. Über der Tür zu den Räumen der Rückert-Gesellschaft, die hier neben – oder besser: unter dem Historischen Verein ihr Domizil hat, taucht die Zahl 1614 auf. Weiter oben sind Sinnsprüche zu lesen, die möglicherweise auf ausgeprägte Vorbehalte des Geschäftsmanns Rüffer seinen (weiblichen) Mitmenschen gegenüber hinweisen: „Trau schau wem“, steht da, oder „vertrawe Gott alles / den menschen wenich / den weiber gar nichts“. Und wenn auch die Eingangstür mit ihrer geschnitzten Fratze eher abweisend wirkt, so ist das Anwesen heute ein eher einladender Ort: Im Kellergewölbe betreibt der Autor, Schauspieler und Rezitator Hans Driesel die Kleinkunstbühne Schrotturmkeller, im Seitenflügel nutzen Volkshochschule und Seniorenbüro Räume.“

Von Balthasar lieh sich die Stadt Ingelfingen im Hohelohekreis in Baden-Würtemberg mit Zustimmung des Grafen Wolfgang von Hohenlohe-Weikersheim ein Kapital von 2.000 Gulden gegen einen jährlichen Zins von 100 Gulden und verpfändete dafür ihre Güter. 1653 quittierten die Miltenberg'schen Erben über die Tilgung ihres Anteils an der Schuld. Später (1671-1679) gab es eine Forderung der Witwe des Wilhelm Windecker[1] zu Hanau als Erbin des Balthasar Rüffer auf Bezahlung der rückständigen Zinsen und die Stellung eines Antrags auf Erlaß eines Exekutorialmandats des Reichskammergerichts gegen die offenbar zahlnugsunwillige Stadt Ingelfingen durch die Gläubiger, die Rückzahlung des Kapitals erfolgte dann durch Hohenlohe-Langenburg.



[1] Zu den Verwandtschaftsverhältnissen siehe unter (XV/10.242-A) Balthasar Rüffer, dort dessen Tochter Sabina:


Kinder aus dieser Ehe, beide evang. getauft in Hammelburg, waren Anna Sabina, getauft am 23.01.1585, verheiratet am 23.10.1601 in Hammelburg mit Balthasar Miltenberger, und ihre Schwester Susanna, getauft am 07.07.1595, verheiratet am 25.07.1615 in Hanau mit Wilhelm Windecker.

 

Es ist also durchaus glaubhaft, wenn von ihm die Sage geht: „Zur Zeit der Reformation zog ein sehr reicher Mann, Balthasar Rüffer mit Namen, von Würzburg nach Schweinfurt und ließ sich dort häuslich nieder. Die Stadt befand sich damals in großer Not: sie sollte, wie es damals oft geschah, Geld erlegen. Da aber vielfache Feinde schon alles abgepresst hatten und die Stadt an vier Enden angezündet werden sollte, so erbarmte sich der reiche Rüffer und gab drei Säcke mit Geld her, wodurch er die Stadt Schweinfurt erlöste. Um ihm hiefür dankbar zu sein, wurde er und sein Geschlecht unter die Patricier der alten Reichsstadt aufgenommen und durfte fortan ein adeliges Wappen führen, drei volle Säcke, welche die Geldsäcke bedeuteten, womit er die Stadt erlöst hatte, seiner wackeren That zum dankbaren Gedächtnis. Dieses Wappen ist noch heute an einem ehernen Monument in der Sankt Johanniskirche zu sehen. Balthasar Rüffer lebte in hohen Ehren und starb als gefeierter Richter und Reichsvogt der freien Reichsstadt Schweinfurt.“[1]

 

An anderer Stelle steht: „...er habe sich im 30-jährigen Krieg wegen seines Reichtums in einem verborgenen Gaden eines seiner Häuser versteckt, weil feindliche Kriegsvölker durch die von Rüffer gezahlte Ranzion für die Stadt Schweinfurt auf die Vermutung kamen, wer diese hohe Summe gezahlt habe, müsse noch mehr Reichtum haben. Die Habsucht dieser Kriegsleute habe sie angetrieben auf Rüffers Person zu fahnden, um seine Schätze zu erpressen. Von einem treuen Diener sei er mit Nahrung versorgt worden.[2]

 

Der Rath der Stadt Nürnberg ließ 1628 „dem Balthasar Rüffer zu Schweinfurt, bei welchem des Raths Gesandte verschiedene Male gewohnt und welchen er guten Willen erwiesen, durch Hans Christoph Tucher am 31. Juli (10. August) ein Trinkgeschirr von vergoldetem Silber überreichen, das 2 M. 8 L. 1 Q. wog und 39 fl. 5 Sch. 2 H. kostete.[3]



[1] Sagenschatz des Bayernlandes, Band 1, Unterfranken, 1877, Seite 338 ff

[2] Zeitschrift „Archiv des historischen Vereins von von Unterfranken und Aschaffenburg“, Neunter Band, 1848, Seite 29 ff

[3] Franz Ludwig Freiherr von Soden, Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt Nürnberg vom Ende des sechszehnten Jahrhunderts bis zur Schlacht bei Breitenfeld, III. Theil, 1862, Seite 21

Bild-Epitaph v. Balth. Rüffer
Bild-Epitaph v. Balth. Rüffer

Balthasar starb mit „68 Jahren weniger 11 Tage“ am Freitag, den 12.09.1637 nach fünfwöchiger Krankheit in Schweinfurt in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr. Er wurde in Schweinfurt am 17.09.1637 in der St. Johannis-Kirche begraben. Dort gibt es einen Bronze-Epitaph mit den Figuren der Familie Rüffer-Held. Die Inschrift lautet: „Anno 1637 den 15. September verschied in Gott der Ehrenvest und großachtbar und hochweiß Herr Balthasar Rüffer, Gefreiten Richters und Reichsvogten der Freyen des H. Röm. Reichsstatt Schweinfurth. Seines Alters 68 Jahr. Dem Gott eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle. Amen.“ Es gelang dem Kaufmann Johann Kaspar Limpach und Konsulent Merck das Epitaphium vor dem Einschmelzen zu retten, es wurde im Jahre 1600 bei der Stadt für 1000 fl. deponiert. Hier ein Foto seines Bild-Epitaphs, deutlich sind im oberen Teil die drei Geldbeutel oder -säcke im Wappen zu erkennen.

 

Balthasars zweite Frau Magdalena stiftete am 11.11.1647 ein Stipendium in Höhe von 62 fl 50 kr, fällig auf den jeweils 1. Mai jeden Jahres „...nur für arme studirende Descendenten der Stifterin, die der reinen Augsburg’schen Confession zugethan, sind zum Bezuge berechtigt und soll bei mehreren gleich nahen Verwandten das Stipendium gleichheitlich getheilt werden. Die Genußzeit ist unbestimmt.“

 

Magdalena starb am 30.12.1669 in Schweinfurt im Alter von 79 Jahren.

In der Staatlichen Münzsammlung in München befindet sich eine Medaille, die zweimal ein Wappen zeigt und auf den beiden Seiten die Namen von Balthasar und Anna Rüffer nennt. Auf dem Avers steht „Balthasar Rueffer, Bürger zu Schweinfurt“ und das Rüffersche Wappen, und auf dem Revers „Anna Ruefferin gebor Haegin v. Wurtzb s. ehl. Hausfr.“ mit dem Haegischen Wappen, einem Baum, auf dessen Gipfel drei Blumen sprossen. Das Gewicht wird mit „5/8 Loth“ angegeben.

 

Eine weitere Medaille zeigt auf dem Avers die Beschriftung[2] „Balthasar Rueff. V W B Zu Sch(weinfurt). Ein zierlicher, alter Kopf mit Halskrause, Ober und Unterbart im Dreiviertelprofil, am Arme: 1611“, und auf dem Revers „Anna Ruefferin gebor Haegin, das Brustbild derselben in bürgerlicher Tracht mit Halskrause im dreiviertel Profil von der linken Seite, am Arme 1611 und L.D“ (= Medailleur). Das Materil ist Blei versilbert (?), ein Reif ist umgelegt. Das Gewicht ist mit „11/16 Loth 3 gr.“ angegeben. Eine andere Beschreibung lautet für den Avers „Sein bärtiges Brustbild fast vorn. im reichen Gewande mit breiter Halskrause“ und für den Revers „andere Beschreibung: Ihr Brustbild fast von vorn mit Haube und hochschließendem damascierten Gewande.“

 

Neben der unten abgebildeten Medaille gibt es im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zwei bildlich gleiche Medaillen, eine aus einer vergoldeten Silberlegierung (Med 7976), eine andere aus bronziertem Blei mit einer Öse (Med 459), der Medailleur ist Christian Maler.



 

[2] Beschreibung in „ Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg“, Heft 9, Seite 26

Gussmedaille aus einer Silberlegierung, 1611. Medailleur CM. Bärtiges Brustbild des Balthasar Rüffer mit Vollbart leicht nach rechts gewandt / behelmtes Familienwappen. Habich II.1 Nr. 2864. 32,3 mm, 12,32 g., 

 

Ferner wurde eine fast bildgleiche Medaille, aus Silber vergoldet und aus 2 einseitigen Platten zusammengesetzt, auf der Auktion Gebhart 1907 (zitiert nach Habich, Seite 413) eingeliefert:

 


Silbermedaille von Balthasar Rüffer, am Armabschnitt erhaben 1611, Portrait des Balthasar Rüffer nach halbrechts ähnlich nächster Beschreibung, Umschrift: Gott mein Trost Schilt v(nd) H(elm), Revers Behelmter Wappenschild (3 Geldsäcke), Umschrift Balthasar Rveffer (Bu)rger zv Schweinfvrt

Avers: „Balthasar Rueffer, Bürger zu Schweinfurt“ und das Rüffersche Wappen

Revers: „Anna Ruefferin gebor Haegin v. Wurtzb s. ehl. Hausfr.“ mit dem Haegischen Wappen, einem Baum, auf dessen Gipfel drei Blumen sprossen. Gewicht „5/8 Loth“;

38x31 mm (Höhe Inkl. Öse)

Herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung dieses Scans an die
Staatliche Münzsammlung, Residenzstraße 1, 80333 München!

Eine weitere Medaille zeigt auf dem Avers die Beschriftung[1] „Balthasar Rueff. V W B Zu Sch(weinfurt). Ein zierlicher, alter Kopf mit Halskrause, Ober und Unterbart im Dreiviertelprofil, am Arme: 1611“, und auf dem Revers „Anna Ruefferin gebor Haegin, das Brustbild derselben in bürgerlicher Tracht mit Halskrause im dreiviertel Profil von der linken Seite, am Arme 1611 und L.D“ (= Medailleur). Das Materil ist Blei versilbert (?), ein Reif ist umgelegt. Das Gewicht ist mit „11/16 Loth 3 gr.“ angegeben. Eine andere Beschreibung lautet für den Avers „Sein bärtiges Brustbild fast vorn. im reichen Gewande mit breiter Halskrause“ und für den Revers „andere Beschreibung: Ihr Brustbild fast von vorn mit Haube und hochschließendem damascierten Gewande.“



[1] Beschreibung in „ Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg“, Heft 9, Seite 26

Stammbaumtafeln - Bitte durch Anklicken vergrößern!

(XVI/40.968) Heinrich Rüffer (um 1455 - ?) und
(XVI/40.969) Katharina Sauer (um 1460 - ?)

Heinrich wurde um 1455, vermutlich in Fulda, geboren. Er wohnte um 1455 bis gegen 1475 in Fulda, danach in Hammelburg, wo er 1475 (?) als Bürger eingetragen war, Hammelburg gehörte damals zum Fuldischen Besitz.

 

Es war eine turbulente Zeit, die sicherlich nicht ohne Einfluß auf sein Leben blieb. In seine Lebenszeit fielen:

 

1471 - 1473 Krieg der Hanse gegen England.

1475 Karl der Kühne übernahm Lothringen.

1481 Schaffung der Türkensteuerliste als Grundlage zur Erhebung der Türkensteuer (Gemeiner Pfenning oder auch Reichspfening genannt) zur Finanzierung der Türkenkriege. Erstmals erfolgte die Ausschreibung am 10.03.1481 und unterlag der Verwendung durch die Reichsstände, denn es sollte „nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden.“ Die Reichstürkenhilfe war keineswegs eine feste Einrichtung, sondern unterlag ständigen Änderungen. Dies lag zum einen an den dauernd wechselnden politischen Verhältnissen, zum anderen an der Beschaffenheit der Hilfe an sich, die entweder in Geld oder der Entsendung von Truppen bestand. Diese Steuer wurde auch 1605 noch in Fulda erhoben[1], man sieht, einmal eingeführte Steuern haben ein langes Leben.

1492, 12. Oktober: Komlumbus entdeckt den später Amerika genannten Kontinent

1495 Reichstag zu Worms mit dem Versuch einer umfassenden Reichsreform. Ein „ewiger Landfrieden“ wurde verkündet, das Reichskammergericht gegründet.

1500 Reichstag zu Augsburg. Beschluß der Errichtung des Reichsregiments, einer Art ständischer Reichsregierung, an deren Zustimmung die Regierungsmaßnahmen des Kaisers gebunden sein sollten. Wie sich im weiteren historischen Verlauf zeigte, setzte sich diese vom Kaiser kühl aufgenommene Neuerung nicht durch und wurde von ihm keine zwei Jahre später aufgelöst. Schaffung einer Reichsexekutionsordnung, gegen Landfriedensbrecher wie auch zur Vollstreckung der Reichskammergerichtsurteile, sie wurde auf 1512 dem Reichstag von Trier und Köln bestätigte und ergänzt.

1502 „Bundschuh“, der Bauernaufstand 1493 - 1517 in Südwestdeutschland als Wurzel des deutschen Bauernkrieges 1524 - 1526.

1517 Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg.

1520 Über Martin Luther wurde vom Papst am 15.06.1520 die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine verhängt, die Luther nach Ablauf der 60-tägigen Widerrufsfrist als Zeichen seiner Nichtunterwerfung am 10.12.1520 öffentlich verbrannte. Luther wurde daraufhin mit der Bannbulle Decet Romanum Pontificem vom 03.01.1521 endgültig exkommuniziert.

1521 Reichstag zu Worms vom 27.01.1521 - 26.05.1521.
Verhängung der Reichsacht (Fried- und Rechtloserklärung) über Martin Luther, der am 17. und 18.04.1521 auf dem Reichstag anwesend war.
Einsetzung des „Reichsregiment“ unter Vorsitz Ferdinands (1503 - 1564), des Bruders Karls V., das den Kaiser während seiner Abwesenheit vertreten sollte.
Beschluß der Reichsmatrikelordnung, ein Verzeichnis der Einkünfte der Territorien zur Festlegung ihrer Steuer- und Verteidigungsleistungen, diese bildete die Grundlage für die Reichstürkenhilfe.

 

Heinrich heiratet um 1480 in Hammelburg die um 1460 dort geborene Katharina Sauer.

 

Einziges derzeit bekanntes Kind aus dieser Ehe ist Balthasar, siehe (XV/20.484), geboren 1500 in Hammelburg.

 

Heinrich und Katharina starben beide vermutlich in Hammelburg.

 

Eine Familie Rüffer wird in den Fuldischen Rats- und Bürgerlisten schon ab 1446 wie folgt genannt:

 

1446: Hans Ruffer und seine Söhne Hans und Claus erhalten mit Urkunde vom 12.03.1446 von Abt Hermann die Schneidemühle vor Fulda bei der Hornungsmühle zu Lehen.

1470: Hans Rüffer wird in einer Urkunde vom 10.10.1470 des Propstes von St. Michael als Fuldaer Bürger genannt.

1473: Witzel Rüffer, Henne Normann und Henne Rimpach erhalten mit Urkunde vom 25.04.1473 von Abt Johann ihre Güter zu Niederbimbach von neuem als Stiftslehen, sie werden als Fuldaer Bürger genannt.

1492: Peter Rüffer erhält von Simon von Schenkwald eine Verschreibung über 10 Viertel Frucht für 100 Gulden Hauptgeld.

1493: Am 14.10.1493 wird Peter Rüffer zusammen mit Jörg Goldsmid, Hans Stoll und Heinz Wyssmoller zum Bürgermeister gewählt.

1496 Heinrich (Heinz) Rüffer, Bürger von Fulda, wird am 26.10.1496 freigesprochen, nachdem ihn Grethe Udeler wegen tätlicher und wörtlicher Beleidigung verklagt hatte.

1499: Claus Eiteneuwer verkauft mit Urkunde vom am 20.03.1499 an Hans Krafft sein Haus neben Heinz Rüffer und kauft am 02.04.1499 von Endres Voytshayn, genannt Zigelmüller, dessen Haus bei Hermann Lins gegenüber Johann Reck.

1516: Heinz Rüffer in Fulda ist Zeuge beim Ehevertrag Bonifatius Ranis und Kethe Schuler.[2]

 

Eine andere Quelle[3] schreibt von den Schöffen Henne (Heinrich?) und Kunze Rüffer im Jahre 1417 aus Fulmuntz, dem heutigen Vollmerz, bei Schlüchtern: „...Ditz gerichte haben ... vom Fulmuntz ... Henne und Kunze, genant Rüffer scheppen.“

 

Im Orden der Kartäuser gab es 1258 einen Prior Rüffer: „...diese jetzt genannten Verordnungen des Prior Rüffer, der eigentlich Bernhard de laTour hieß, welche die alten Statuten des Ordens heißen, und auf einem Generalkapitel 1259 bestätigt wurden, sind in ihrer Art nicht weniger merkwürdig.[4]„ Dieser Bernhard de la Tour wurde 1247 - 1249 zum ersten und 1253 - 1257 zum zweiten Mal als Generalminister (Generalsuperior) der Kartäuser gewählt.

 

In einen Artikel des Schweinfurter Tagblatt wird die Namensherkunft angegeben mit „Rufer – ruefaere – Herold und als redendes Wappen im Siegel einen Mann mit dem Herolds- oder Schlagenstab geführt. 1625 wurde dieses Siegel noch verwendet. Das spätere Wappen zeigt in Auslegung des Namens als „Raffer“, vermutlich auf einen der Balthasar Rüffer zurückzuführen, drei Geldsäcke in dem von Silber und Schwarz gespaltenen Schild in verwechselten Farben. Im Helmkleinod, das einen offenen Flug in Schwarz und Silber darstellt, trägt jeder Flügel einen verschnürten Beutel in verwechselter Farbe, dazwischen ein schwarzer Rabe, der den rechten Fuß hebt.“

 



[1] Thomas Heiler, Die Türkensteuerliste der Fürstabtei Fulda von 1605, 2004.

[2] Fuldaer Geschichtsblätter, 1903, Seite 157

[3] Jacob Grimm, Weisthümer, Band 3, 1842, Seite 391 ff. Fulmuntz wird 1392 erwähnt, davor andere Schreibweisen.

[4] Johann Matthias Schröckh, Christliche Kirchengeschichte, Band 27, Seite 322

Zu Familienwurzeln im Weinbaugebiet Hammelburg, auch Fulda, könnte die Herleitung von Weinrüffer passen. Ein Weinrüffer, auch Weinrufer, daneben seltener Weinausrufer, -schreier, -sager, war in älterer Zeit ein städtischer Beamter zur Kontrolle des Weinausschanks und zur Festsetzung der Weinsteuern. Seit dem Mittelalter ist die Funktion des Weinrüfers nicht nur in den traditionellen Weinbaugebieten, sondern auch im gesamten süddeutschen Raum ebenso wie im Gebiet der Hanse verbreitet. Um 1326 werden im Gerichtsbuch der Stadt Bamberg die Rechte und Pflichten der "wein ruffer" beschrieben. Anno 1433 ist in Regensburg Kathrey, "Otten Löbel des Weinrüffer" sel. Witib, bezeugt.

 

Dies führt zu der ganz allgemeinen Wortherkunft als rufen, rüfen für „laut rufen, um auf etwas aufmerksam zu machen; schreien, jemanden durch Rufen zur rechtlich geschuldeten Teilnahme an etwas (etwa einer Gerichtssitzung oder Zahlung) oder Hilfeleistung bei etwas (etwa Vergewaltigung, Feuersbrunst) auffordern; jemanden in ein Amt, in eine Rechtsstellung berufen; jemanden durch Zuruf eine Ware oder ein Pfand zum Kauf anbieten.“[1] Oder eben wie jener Prior Rüffer als Aus- oder Anrufer Gottes.



[1] Deutsches Rechtswörterbuch http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/