Wilhelm Sattler

Wihelm Sattler
Wihelm Sattler

Wilhelm Satller lebte von 1784 bis 1859 in Schweinfurt. Er war zu seiner Zeit einer der berühmtesten Industriellen Deutschlands. Bekannt wurde er vor allem durch die Entwicklung des "deutschen sago" und des "Schweinfurter Grüns".

Der Name deutsches Sago ist auf die Sagopalme zurückzuführen, aus der das hochgeschätzte Sagomehl hergestellt wurde, das für die Ernährung in vielen Ländern von außerordentlicher Bedeutung ist.  Wilhelm Sattler gelang jedoch um 1810 die Entwicklung von Kunstsago. Dies erfolgte in jenen harten Zeiten, da die Truppen des französischen Kaisers Napoleon I. schwer das Land belasteten und die Kontinentalsperre die Einfuhr englischer Waren unmöglich machte. Kartoffelsago wurde in zahlreichen Fabriken hergestellt.

Wilhelm Sattler erfand auch das Schweinfurter Grün. Dabei handelt sich um Kupfer(II)arsenitacetat, ein Doppelsalz das Kupfer, leider auch Arsen und das Anion der Essigsäure enthält.

Das Schweinfurter Grün fand im 19. Jahrhundert als geschätzte Malerfarbe viel Verwendung. Es wurde wegen seiner Farbintensität und seiner Lichtbeständigkeit sehr geschätzt, allerdings war schon früh bekannt, dass es sehr giftig war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es als eines der ersten Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Leider gibt es heute viele Leidtragende dieser Herstellung. Die Einwohner Schonungens, deren Grundstücke sich auf dem ehemaligen Gelände der Sattler'schen Fabrik befinden, wohnen auf kontaminierten Boden. Da der Verursacher dieser Bodenverseuchung nicht mehr greifbar ist, müssen sie sich an den Sanierungskosten bis zur Höhe des Wertes ihres Hauses beteiligen, so die Vorschriften. Die Auseinandersetzungen um diese Frage sind noch nicht beigelegt.

Wilhelm Sattler
Wilhelm Sattler

Wilheim Sattler gilt als Begründer der Schweinfurter Farben- und Tapetenindustrie.Er absolvierte seine Kaufmannslehre in Hannoversch-Münden und arbeitete dort von 1803-1805 als Großhandelskaufmann in einer Großhandlung. 1807 eröffnete er sein Geschäft in der Kirchgasse in Schweinfurt.

Um seine Geschäfte zu forcieren, förderte er den Bau der Eisenbahnstrecke von Bamberg über Schweinfurt und Würzburg nach Aschaffenburg. So konnte er auch den häufigen Weg nach München schneller zurücklegen, den er als Mitglied des Bayerischen Landtags oft bewältigen musste. Im Jahre 1827 kaufte Sattler auch das Schweinfurter Zeughaus, das er als Speicher nutzte. Das letzte Unternehmen, das Sattler gründete war eine Steingutfabrik im Schloss Aschach im Jahre 1829.

Wilhelm Sattler war ein bedeutender Arbeitgeber. Zuletzt beschäftigte er um die 460 Arbeitnehmer. Das war eine bedeutende Zahl und machte ein Sechstel aller industriellen Arbeitsplätze in Unterfranken aus!

Sattler erhielt viele Auszeichnungen, so z.B. das „Ritterkreuz des Verdienstordens vom Heiligen Michael“.  

 

Das Grab Sattlers in Mainberg
Das Grab Sattlers in Mainberg

Wilhelm Sattler heiratete im Jahre 1809 Catherina Geiger, mit der er mit den 14 Kindern in dem von ihm erworbenen und von ihm renovierten Schloß Mainberg lebte, wo er sogar den bayerischen König Ludwig I. Wilhelm empfangen durfte.

Richtig romantisch sei die Beziehung zwischen Wilhelm Sattler und seiner Frau Catherina gewesen. Er hatte Catherina während seiner Lehre im Atelier ihres Vaters, dem Schweinfurter Maler Conrad Geiger kennengelernt. Die beiden sollen sich sofort ineinander verliebt haben und trotz des anfänglichen Widerstandes beider Eltern nicht voneinander abgelassen haben.
Catherina, künstlerisch außerordentlich begabt, illustrierte diese Liebesgeschichte in ihrem Tagebuch. Ein Jahr später, am zweiten Pfingsttag im Jahre 1806 verlobten sich der damals noch vermögenslose Wilhelm Sattler mit seiner Catherina im damals romantischen "In-Park" in Euerbach (Wäldchen nordöstlich von Euerbach). Drei Jahre später feierten sie ihre Hochzeit.

Aus den meisten Texten über die beiden geht hervor, dass Catherina ihren Mann von Anfang an sehr unterstützte, insbesondere, als er mit seinem Freund, dem Chemiker und Apotheker Friedrich Wilhelm Ruß, Versuche zur Farbherstellung unternommen hat. Dazu hatte Sattler ein Haus in der Kirchgasse 25 erworben und dort sein erstes Unternehmen eröffnet.

1859 verstarb er als einer der bedeutendsten Bürger Schweinfurts.

 

Foto aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg - Grab der Familie Sattler im Schloß Mainberg
Foto aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg - Grab der Familie Sattler im Schloß Mainberg
Reklame der Fabrik Wilhelm Sattler
Reklame der Fabrik Wilhelm Sattler
Kirchgasse mit Sattlerhaus (geadeaus hinten) um 1900
Kirchgasse mit Sattlerhaus (geadeaus hinten) um 1900
 Deckplatte des 1819 von Wilhelm und Catharina Sattler beim Umbau ihres Hauses in der Kirchgasse in den Torbogen eingefügten Grundsteines
Deckplatte des 1819 von Wilhelm und Catharina Sattler beim Umbau ihres Hauses in der Kirchgasse in den Torbogen eingefügten Grundsteines

Der Text der oben abgebildeten Grundplatte lautet:

"Im Jahr 1819 ist die[ses] Haus erbauet worden, von Wilhelm Sattler, gebohren zu Caßel in Heßen, Anno 1784 den 13. May, kam Anno 1804 nach Schweinfurt wo er 1809 ohne Vermögen eine Farbenfabrick anlegte, und sich mit Catarine Geiger, (einer Mahlerstochter dahier gebohren Anno 1789)12 verheyrathete, beide leben nun 10 Jahre in einer vergnügten Ehe .– Gott hat sie mit gutem Fortgang ihres Geschäfts, mit Einigkeit u 5. Kindern gesegnet, als Joh. Caspar gebohren 1810. Christ. Wilhelm [gebohren] 1813. Johanna Carolina Antoinette [gebohren] 1815. Sophia Louise [gebohren] 1816. Georg Carl Gottlieb [gebohren] 1818. Möge Gott mit ihnen seyn. 1819."

 

Hier ein 2 Briefe Wilhelm Sattlers aus dem Jahre 1837 mit eigenhändiger Unterschrift von Wilhelm Sattler:

bitte durch Anklicken vergrößern!

 

Brief Nr. 1

Brief Nr. 2

vom 18.05.1805 aus Heilbronn nach Schweinfurt an Herrn Gademann

 

Auf die goldene Hochzeit von J.W.Sattler und seiner Ehegattin Katharina ließen deren Kinder eine Gedenkmedaille prägen, die einzige Medaille, die im 19. Jahrhundert für Schweinfurter Privatpersonen geprägt wurde.(1859)

Die Vorderseite zeigt Wilhelm und Katharina im Doppelportrait, die Rückseite den damaligen Wohnsitz des Ehepaares, Schloß Mainberg.

Wilhelm und Catharina Sattler, 1819; kolorierte Federzeichnung von Catharina Sattler
Wilhelm und Catharina Sattler, 1819; kolorierte Federzeichnung von Catharina Sattler



Einige Blätter aus einem Werbeheft der Fa. Wilhelm Sattler des Jahres 1856:

Sattler'schen Fabriken in Schonungen
Sattler'schen Fabriken in Schonungen



Weitere Werbung (Ansichtskarte):

Wilhelm Sattler
Wilhelm Sattler

 

Literaturtipps:

Wilhelm Sattler

von Klaus Rehberger

1784 - 1859 Chemiker, Kaufmann u. Bürger

Reimund Maier Verlag

ISBN 978-3-926300-66-9

 

Das Buch beschreibt das Lebenswerk des Johann Christian Eilhelm Sattler. Es berichtet über einen universellen Menschen, der den Weg der Stadt Schweinfurt zur heute weltweit bekannten Industriestadt in erheblichem Maße beeinflusst hat.

Der 1950 in Schweinfurt geborene Verfasser dieses höchst informativen Buches Klaus Rehberger ist ein Kenner der Schweinfurter Geschichte. Mit der Namensgebung der Schule und der Biographie beabsichtigte der Autor die Verdienste und Errungenschaften des Industrie- und Bildungspioniers Wilhelm Sattler in Erinnerung zu halten.

Ultsch, Paul: Die Liebesgeschichte der Catharina Geiger von ihr selbst in anmutigen Zeichnungen dargestellt und der Nachwelt erhalten.

Schweinfurt, (1989).Mit Illustrationen nach Zeichnungen von C. Geiger 45 (2) S

 

Weitere Briefe:

 

Weiteres Schreiben - Danke an Gerhard Ahles:

In Neuschrift:

 

Würzburg Herrn C.A. Venino , seine Erben

Schweinfurt , den 31-ten Mai 1831

In höflicher Erinnerung Ihres Gestrigen (Schreiben) habe ich Ihnen die zurück gesandt, die kleine Anweisung auf Zink(?) wieder entlastet und Sie für die vorauf erfolgte Lief.(?) Sie auf Ausstehenden nach Ausgaben belastet.

Die 53 Fässer Ocker sind gestern richtig durch Schiffer Lenk nach Schonungen geliefert worden.

Die auf dem Kreis-und Stadtgerichte dafür niedergelegten fl. 7078.36 (Gulden) sind Ihnen , so mit Ihnen berechneten Spesen in fl. 50.24 (Gulden) vorläufig schuldigst gutgeschrieben und ich erlaube die definierte Abrechnung über den Gegenstand, obwohl es sein kann voraus erstand(?)

Um Sie für Ihren Vorschuß zu danken, erhalten Sie beifolgend den Haftungen fl. 1000. in Rathen wofür ich mich zu erkennen bitte und mit Achtung beharre.

Vermerk Offerte 112 W. Sattler

Sie werden wahrscheinlich über den Ocker eine Rechnung erhalten, welche Sie mir genauigst zusenden wollen.

Herren Brolie

Das alte Schwert nehme ich mit Dank an, behalte mir aber vor, daß wenn Sie mir mit Ihrer Frau Gemahlin den versprochenen Besuch hier gewähren, daß ich dieses mit etwas anderem wett machen darf, oder ich sende Ihnen auch gleich eine Tapete in Ihre Sommerwohnung.

Ihr erg(ebener) WJ (Wilhelm Sattler)