Geschichte der Eisenbahn in Schweinfurt

Der Stadtbahnhof 1871
Der Stadtbahnhof 1871

Der erste Eisenbahnzug "dampfte" am 03. November 1852 im festlich geschmückten Schweinfurter Stadtbahnhof ein. Mehrere hundert Einwohner Schweinfurts warteten gespannt auf diesen großen Moment technischen Fortschritts in der Stadt. Doch die Pünktlichkeit der Bahn war auch damals nicht gerade optimal...... Der um 7 Uhr 55 in Bamberg losfahrende Zug sollte Schweinfurt um 9:40 erreichen. Doch die Schweinfurter standen sich die Beine in den Leib. Dennoch traf der Zug um 12 Uhr mittags unter großem Jubel im Schweinfurter Stadtbahnhof ein. Das anschließende Programm für die "Weitgereisten" war nicht ohne, denn sie wurden feierlich in Kutschen in die Stadt gefahren und erhielten eine Stadtführung mit anschließendem Festmahl im Harmoniegebäude. Um 16 Uhr fuhr der Zug mit den Gästen nach Bamberg zurück. Die Schweinfurter feierten den Tag mit dem Harmonieball im Harmoniegebäude. Heute findet der Harmonieball im Januar eines jeden Jahres im Konferenzzentrum statt.

Einladung zur Festlichkeit anlässlich der Eröffnung der Bahnlinie Schweinfurt-Würzburg an den Chronisten Friedrich Leonhard Enderlein
Einladung zur Festlichkeit anlässlich der Eröffnung der Bahnlinie Schweinfurt-Würzburg an den Chronisten Friedrich Leonhard Enderlein
Der Stadtbahnhof 1854 - nach einer Vorzeichnung von Andreas Friedrich Kornacher
Der Stadtbahnhof 1854 - nach einer Vorzeichnung von Andreas Friedrich Kornacher
Der Antheil-Schein zum Bau der Bahnlinie Schweinfurt - Meiningen - vergrößern!
Der Antheil-Schein zum Bau der Bahnlinie Schweinfurt - Meiningen - vergrößern!

Am 01. Juli 1854 konnte dann auch die Bahnlinie nach Würzburg eröffnet werden. Von dort dampften die Züge ab 01. Oktober 1854 auch nach Aschaffenburg. Das gesamte Bahnstück von Bamberg bis Aschaffenburg, insgesamt 205 Kilometer lang, trug den Namen "Ludwigs-Westbahn". Doch damit nicht genug: Ab 09. Oktober 1871 traf der erste Zug von Bad Kissingen kommende über Ebenhausen und Oberndorf in Schweinfurt ein. Das damalig noch höher im Kurs stehende Bad Kissingen sorgte für regen Bahnverkehr von Schweinfurt nach dort.

Dieser stark zunehmende Bahnverkehr sprengte die Kapazitäten des Schweinfurter Stadtbahnhofs. Und da dort keine Erweiterung möglich war und auch die neue Bahnlinie nach Meiningen anstand, die 1874 in Betrieb genommen wurde, entschied man sich zum Bau eines neuen Bahnhofs, den heutigen Hauptbahnhof, der bis 1893 zunächst Bahnhof "Oberndorf-Schweinfurt" und dann "Central-Bahnhof" und ab 1906 - wie heute - Hauptbahnhof Schweinfurt.

Eisenbahnkarte 1856 von Schweinfurt nach Bebra
Eisenbahnkarte 1856 von Schweinfurt nach Bebra
Frachtbrief von 1861 des Vereins der Deutschen Eisenbahnverwaltungen
Frachtbrief von 1861 des Vereins der Deutschen Eisenbahnverwaltungen
1903 auf Drehscheibe in Schweinfurt
1903 auf Drehscheibe in Schweinfurt
1906
1906
Der Hauptbahnhof Anfang des 20. Jahrhunderts
Der Hauptbahnhof Anfang des 20. Jahrhunderts
Hauptbahnhof um 1900
Hauptbahnhof um 1900
Hauptbahnhof 1938
Hauptbahnhof 1938
Das Bahnwärterhäuschen mit Bahnwärter Braun; rechts die eiserne Feuertreppe des Spinnmühlgebäudes
Das Bahnwärterhäuschen mit Bahnwärter Braun; rechts die eiserne Feuertreppe des Spinnmühlgebäudes
Fahrplan Schweinfurt 1.1.1869 (oben) und 1.7.1870 (unten) - bitte durch Anklicken vergrößern!
Fahrplan Schweinfurt 1.1.1869 (oben) und 1.7.1870 (unten) - bitte durch Anklicken vergrößern!
Dampflok auf der alten Eisenbahnbrücke über dem Main in Schweinfurt
Dampflok auf der alten Eisenbahnbrücke über dem Main in Schweinfurt

Schweinfurt erhielt auch ein eigenes Betriebswerk, die "Königlich Bayerische Betriebswerkstätte", denn der neue Bahnhof war als "Expedition I. Classe mit vollständigen Abfertigungsdiensten" eingestuft und benötigte somit auch eine eigene Betriebswerkstätte. Dies war nicht verwunderlich, denn auch wichtigste international Schnellzugverbindungen führten über Schweinfurt, so z.B. die Zuglinie von Berlin über die Schweiz nach Italien. Diese wurden auf der Linie Meiningen/Rütschenhausen - Schweinfurt - Würzburg, die die kürzeste Verbindung von Berlin in den Südwesten Deutschlands darstellte, teilweise vom Schweinfurter Betriebswerk bespannt.

1879 schließlich waren auch die Schienen von Gemünden über Wernfeld und Waigolshausen bis nach Schweinfurt befahrbar.

Die Eisenbahnbrücke 1915
Die Eisenbahnbrücke 1915
Der Schweinfurter Hauptbahnhof - Bahnsteig nach einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg
Der Schweinfurter Hauptbahnhof - Bahnsteig nach einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg
Original Dampflok Foto Eisenbahn - 78 491 -  Schweinfurt Mai 1945
Original Dampflok Foto Eisenbahn - 78 491 - Schweinfurt Mai 1945
Kursbuchkarte 1946 - der Bahnhof Schweinfurt als wichtiger Knotenpunkt für den Eisenbahnverkehr in Mainfranken
Kursbuchkarte 1946 - der Bahnhof Schweinfurt als wichtiger Knotenpunkt für den Eisenbahnverkehr in Mainfranken

1971 wurde die Verbindung von Bamberg nach Gemünden über Schweinfurt elektrifiziert (ab 26. September 1971 in Betrieb).

Damit wurde das Ende des Betriebswerkes in Schweinfurt eingeläutet. Die Dampflokomotiven wurden zusehends abgebaut. Im Januar 1974 besaß das Schweinfurter betriebswerk noch 27 Maschinen (BR 50) und damit den größten Bestand der Bahndirektion Nürnberg. Sie wurden jedoch letztmalig im Winterfahrplan 1974/1975 eingesetzt.

Der letzte Einsatz einer Dampflokomotive des Betriebswerkes Schweinfurt fand am 11. August 1975 statt. Am 28.August 1975 wurd Schweinfurt "dampffrei". Das war das Ende einer hundertjährigen Tradition des Dampfbetriebes in Schweinfurt.

Am 01. Dezember 1981 kam das endgültige "aus" für das Betriebswerk Schweinfurt. Schweinfurt wurde als Außenstelle dem Betriebswerk Würzburg unterstellt. Die ehemaligen Gebäude - so auch die einst beeindruckenden Ringlokschuppen - sind abgerissen. Als Kinder waren wir noch staunend davor gestanden, tief beeindruckt von den lauten Dampf speienden Stahlrössern.

Dampflok mit Zug am Fischerrain in Schweinfurt
Dampflok mit Zug am Fischerrain in Schweinfurt

Heute hat leider der Hauptbahnhof Schweinfurt an Bedeutung verloren, insbesondere seit der Einstellung der Interregio-Verbindung Stuttgart-Würzburg-Schweinfurt-Erfurt im Jahre 2001.

Der Schweinfurter Hauptbahnhof ist nun der größte Bahnhof der Stadt Schweinfurt und deren Umsteigeknoten zu den meisten Regionalzügen. Es gibt weiter die näher zur Innenstadt gelegenen Stationen Schweinfurt-Mitte und Schweinfurt-Stadt.

Hier einige Dampflokomotiven der einstigen Schweinfurt "Dampfflotte":

Dampflok in den 30ern Schweinfurt
Dampflok in den 30ern Schweinfurt
Dampflok 80 038 Bw Schweinfurt 1932
Dampflok 80 038 Bw Schweinfurt 1932
Um 1960 im Schweinfurter Hauptbahnhof
Um 1960 im Schweinfurter Hauptbahnhof
Dampflok 80 005 im Bw Schweinfurt von 1963
Dampflok 80 005 im Bw Schweinfurt von 1963
Dampflok 98886 und 98812
Dampflok 98886 und 98812
DB-80er Ende in Schweinfurt 1963
DB-80er Ende in Schweinfurt 1963
Das Foto zeigt eine Dampflokomotive der 50er - Serie in Schweinfurt. Dieser Typ war die letzte Dampflok, die in Schweinfurt zum Einsatz kam
Das Foto zeigt eine Dampflokomotive der 50er - Serie in Schweinfurt. Dieser Typ war die letzte Dampflok, die in Schweinfurt zum Einsatz kam
1964
1964
1965 Schweinfurt Hauptbahnhof
1965 Schweinfurt Hauptbahnhof
Eine Dampflok der Baureihe 98.8. Das letzte Exemplar hatte in Schweinfurt seinen Einsatz. 098886 wurde nicht verschrottet sondern konserviert und auf dem Bahnhofvorplatz als Denkmal aufgestellt.
Eine Dampflok der Baureihe 98.8. Das letzte Exemplar hatte in Schweinfurt seinen Einsatz. 098886 wurde nicht verschrottet sondern konserviert und auf dem Bahnhofvorplatz als Denkmal aufgestellt.
98812 in Schweinfurt 1967
98812 in Schweinfurt 1967

Die Bw Schweinfurt verfügte im Jahre 1964 noch über vier Dampfloks dieser Serie, nämlich 98812, 98813, 98861 und 98886. Die 98812 und 98886 erhielten sogar noch neue EDV-Nummern. Am 22. Juni 1970 unternahm die 98812 die letzte Fahrt (Abschiedsfahrt) und ging danach in das Eigentum eines Bayreuther Studenten über, der diese in einem Preisausschreiben gewonnen hatte. Die Ulmer Eisenbahnfreunde, unterstützt vom Darmstädter Verein Museumsbahnen, erwarben die Lokomotive, so dass sie der Nachwelt erhalten bleiben wird. Die 98886, die mehrere Jahre auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs zu besichtigen war, existiert noch heute.

98 812 in Schweinfurt - August 1966
98 812 in Schweinfurt - August 1966
Das letzte Exemplar desTypus 98.11 in Schweinfurt am 28. November 1967
Das letzte Exemplar desTypus 98.11 in Schweinfurt am 28. November 1967
Auf der Schweinfurter Drehscheibe 1970
Auf der Schweinfurter Drehscheibe 1970
1973
1973
Einst auf dem Bahnhofsvorplatz - die 98886...
Einst auf dem Bahnhofsvorplatz - die 98886...
Juni 1989 - Die 98886 - vor dem Hauptbahnhof Foto: Franz Schwalb
Juni 1989 - Die 98886 - vor dem Hauptbahnhof Foto: Franz Schwalb
Juni 1989 - vor dem Hauptbahnhof Foto: Franz Schwalb
Juni 1989 - vor dem Hauptbahnhof Foto: Franz Schwalb
052 524 in Schweinfurt
052 524 in Schweinfurt
T 75 1118 am 11.08.2014 in Schweinfurt
T 75 1118 am 11.08.2014 in Schweinfurt
T 75 1118 am 11.08.2014 in Schweinfurt
T 75 1118 am 11.08.2014 in Schweinfurt
T 75 1118 am 11.08.2014 in Schweinfurt
T 75 1118 am 11.08.2014 in Schweinfurt
93 1360 am 14.11.14 im Hauptbahnhof Schweinfurt
93 1360 am 14.11.14 im Hauptbahnhof Schweinfurt
93 1360 am 14.11.14 im Hauptbahnhof Schweinfurt Foto: Eddie MacLean
93 1360 am 14.11.14 im Hauptbahnhof Schweinfurt Foto: Eddie MacLean
93 1360 am 14.11.14 im Hauptbahnhof Schweinfurt Foto: Eddie MacLean
93 1360 am 14.11.14 im Hauptbahnhof Schweinfurt Foto: Eddie MacLean

 

Galerie: (Bitte vergrößern!)

78211 in Schweinfurt 1967
78211 in Schweinfurt 1967
98 812 + 98 886 Schweinfurt im Jahr 1969
98 812 + 98 886 Schweinfurt im Jahr 1969
1973
1973

 

Die Eisenbahn in Schweinfurt heute:

Die Eisenbahnlinie zwischen Zürch und Bastei im August 2013
Die Eisenbahnlinie zwischen Zürch und Bastei im August 2013