Weihnachten im Jahr 1800

Ein Geschicht'chen mit Geschichte!

 

Aus den Aufzeichnungen des Dr. Karl Oppel "Weihnachtszeit 1800"

 

Der Heilige Abend fiel 1800 auf einen Mittwoch. Frömmer und mit innigeren Gefühlen als diesmal war das Christfest in Schweinfurt seit Jahrzehnten nicht gefeiert worden. Bescheiden ging es damals in jedem Haus zu; zu großen Gaben und glänzenden Gaben und glänzenden Festen fehlten die Mittel.

In dichten Scharen strömten die Gläubigen zum Haus des Herrn. In frommer Andacht hörten sie das Wort des Predigers, und tief klang es in ihrer Seele: "Frieden auf Erden!" Am ersten Adventssonntag waren höchstens zwanzig Personen in der Kirche gewesen. Während der Besatzungszeit der Franzosen standen die geweihten Hallen öde und leer.

Nach dem Frühgottesdienst erschienen doch drei Paare in der Johanniskirche, den Bund der Ehe feierlich segnen zu lassen. Unter diesen war auch Gretchen Werner aus Sennfeld, die glückselig, den schmückenden Kranz im Haar, neben ihrem Heinrich daherschritt. Schwester Kathi hatte das Mittagsmahl gerichtet und speiste mit ihrem Mann beim Brautpaar.

Als Suppe und Kartoffelgemüse verzehrt waren, brachte Kathi, noch ehe sie den Braten auftrug, auf einem Teller einen blanken Dukaten und präsentierte ihn ihrer Zwillingsschwester Gretchen. Den Dukaten erhältst du zu deiner Hochzeit von Syndikus Stepf, deinem bisherigen Dienstherrn. Nun kam das Gespräch auf Gretchens bisherige Herrschaft.

Alle waren sich einig im Lob des Stepf'schen Ehepaares. Damals war die Stellung der Dienstboten noch anders. Das Gesinde gehörte zur Familie. Syndikus Stepf hatte seiner bisherigen Magd Gretchen eine vollständige Aussteuer gegeben und war auch eingeladen worden, mit seiner Gemahlin zum Hochzeitskaffee zu kommen.

Den Kaffee lernten die Schweinfurter erst 1759 kennen. Er war auch am Ende des 18ten Jahrhunderts noch ein teures Getränk. Zum Frühstück begnügten sich Tagelöhner, Weinbergsleute und Handwerker weiterhin mit Branntwein und Schwarzbrot.

Auf einmal klopfte es an der Tür, und herein trat Syndikus Stepf: "Meister, ich komme, mich zu entschuldigen, dass ich nicht beim Kaffee sein kann. Soeben sind wir vom Amtsbürgermeister Ebner auf das Rathaus bestellt worden. Seit einigen Tagen schwirren mancherlei Gerüchte über das Scheitern der Friedensgespräche in der Luft.

Um vier Uhr ließen sich die ehernen Zungen von der Johanniskirche vernehmen, es wurde eine Stunde lang bis fünf Uhr mit allen Glocken geläutet: Noch während die Glocken läuteten kam der Syndikus Stepf vom Rathaus nach Hause. Eine schlechte Nachricht, Österreich zögerte, einen den Franzosen zusagenden Frieden zu bewilligen. Da kündigte Frankreich den Waffenstillstand: General Moreau schlug die Kaiserlichen am 3. Dezember bei Hohenlinden, bei München, dann bei Lauffen, ging in Eilmärschen über den Inn, drang bis Linz vor und steht jetzt 10 Meilen vor Wien. Österreich muss nun wieder um einen Waffenstillstand bitten. Jetzt stellen die Sieger größere Forderungen als vor einem halben Jahr. Damals überließ man den Franzosen das linke Mainufer, das rechte behielten die Kaiserlichen.

Bei einer nun abzuschließenden Waffenruhe wird Napoleon auch das rechte Mainufer haben wollen. Ich sehe es schon vor mir, wie General Duhesme mit seinen Regimentern aufgrund des Übereinkommens wieder in Schweinfurt einrückt.

Am zweiten Feiertag war wieder Ratssitzung, denn es waren empörende Forderungen der Franzosen bekannt geworden. Der 27. und der 28. Dezember gingen noch still vorrüber. Als auch am 29. und 30. Dezember keine Unglücksbotschaft in Schweinfurt eintraf, kehrte allmählich wieder Ruhe  in die Gemüter ein. Da erhielt der Rat am letzten Tag des Jahres 1800 eine Schreckensnachricht, die in Schweinfurt wie ein Blitz einschlug und alle Pläne für ein großes Fest zur Jahrhundertwende scheitern ließ.

Am 31. Dezember sprengte morgens in aller Frühe ein junger Offizier mit vollem Galopp in die Stadt und verkündete dem Amtsbürgermeister, er sei als Kurier auf dem Wege nach Würzburg, um dort die Bedingungen des Waffenstillstandes bekannt zu geben. Am ersten Christtag sei zu Steyr eine Waffenruhe unterzeichnet worden. Die Franzosen sollten ganz Franken besetzen. Zugleich würden ihnen die Festungen Würzburg, Braunau, Kufstein und Scharnitz übergeben. Würzurg sollte noch im alten Jahr den Feinden ausgeliefert werden. Das war eine Schreckensnachricht! Schnell war die betrübliche Nachricht in der Stadt verbreitet, ganz Franken - und damit auch Schweinfurt - sollte von den Franzosen besetzt werden. Es gab kein Feuerwerk und keinen Fackelzug.