Balthasar Rüffer III.

Balthasar Rüffer III (1569 - 1637) Kupferstich um 1637
Balthasar Rüffer III (1569 - 1637) Kupferstich um 1637

Balthasar Rüffer III. wurde am 23. Oktober 1569 in Würzburg als Sohn des Ratsherren Balthasar Rüffer und dessen Ehefrau Anna Kaltenhofer geboren. Die merkwürdige Namens-  bezeichnung "III" in der Literatur rührt daher, dass es in der Familie Rüffer Tradition war, den ältesten Sohn jeweils Balthasar zu nennen, was verständlicher- weise zu Unterscheidungs- problemen führte. Balthasar I. ist somit der im Jahre 1500 geborene Ratsherr zu Fulda, Balthasar II. der 1534 geborene Ratsherr und Bürgermeister zu Würzburg und schließlich Balthasar III. der hier besprochene Ratsherr und Reichsvogt zu Schweinfurt.

Der Eingang zum Wohnhaus Balthasar Rüffers III. heute in der Metzgergasse
Der Eingang zum Wohnhaus Balthasar Rüffers III. heute in der Metzgergasse

Durch die Gegenreformation des Würzburger Bischofs Julius Echter wurden viele gut situierte Familien, darunter die von Balthasar Rüffer II. aus Würzburg vertrieben. Anlaß war der Bau eines protestantischen Gebäudes auf dem Würzburger Friedhof, dessen Abriss Julius Echter mit seiner intoleranten Politik durchsetzte. In einer direkten Konfrontation forderte Julius Echter die bürgerlichen Protestanten auf, "die Irrige falsche Lehr hinweg zu legen" und sich durch den Empfang des Abendmahls an Ostern "der allein Catholischen religion und Kirchen einzuverleiben". Sollten sie ihm jedoch nicht Folge leisten, würde er, Julis Echter, "solchen ungehorsam auch nit dulden oder gestatten". Der Würzburger Rat, dem Rüffer II. angehörte, folgte dem nicht. Am 13. Juni 1587 wurde Balthasar Rüffer II. seiner Ämter enthoben.

Am 01. Mai 1588 siedelte Balthasar Rüffer II. mit seiner Familie, wie viele anderen protestantischen Familien, nach Schweinfurt über.

Der Schrotturm
Der Schrotturm

Für Schweinfurt war dies ein großer Gewinn. Denn bei der Vertreibung der Protestanten aus Würzburg kamen viele Personen mit Geld und Geschick nach Schweinfurt. Balthasar Rüffer II. war sehr vermögend. Allein bei seinem Wegzug aus Würzburg versteuerte er 20.000 Gulden.

 

Nach dem Tod Balthasar Rüffers II. im Jahre 1599 übernahm Balthasar Rüffer III. die Geschäfte, die er sehr zum Nutzen der Stadtentwicklung führte.

 

Balthasar Rüffer III. heiratete am 25. August 1590 Anna Hagen (geb. 1569 in Würzburg, gest. 1609 in Schweinfurt) und nach ihrem Tod am 30. Juni 1612 die 22-jährige Magdalena Held.

Von seinem Vater soll Balthasar Rüffer III. ein großes Vermögen von 300.000 Thalern geerbt haben. Er wurde 1593 Bürger der Stadt Schweinfurt, 1603 kam er in den Beirat des Schweinfurter Stadtrats, 1604 in den Vierundzwanziger-Stand und damit zur Bürgermeisterwürde (am 20. August 1619). Am 20. August 1635 wurde er Reichsvogt.

In seinem Wappen, das er an seinem Haus am Schrotturm angebracht hatte, waren seinem Wohlstand entsprechend drei Geldsäcke enthalten. Leider wurde das Wappen im Jahre 1909 abgenommen. Es gilt seither als verschollen.

Am 12. September 1637 starb Balthasar Rüffer III. in Schweinfurt.

 

Bekannt ist Rüffer vor allem als Erbauer des Schrotturms, einem Wahrzeichen der Stadt Schweinfurt.

 

Balthasar Rüffer III. war auch der Großvater von Anna Höfel.


Das Wappen in der Metzgergasse 16
Das Wappen in der Metzgergasse 16
Medaille aus dem Jahre 1611
Medaille aus dem Jahre 1611

Die Leichenpredigt für Balthasar Rüffer

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Dietger Braun führt in seiner Familienchronik folgendes zu Bathasar III. aus:

Balthasar, üblicherweise als Balthasar III. bezeichnet, war der Sohn von Balthasar Rüffer (geb. 1534) und seiner zweiten Ehefrau Anna, geborenen Kaltenhöfer. Er wurde in Würzburg, seine Eltern lebten in der Ursulinergasse 1, am 23.10.1569 um 18:15 Uhr geboren und am 24.10.1569 im Dom getauft, sein Pate war Philipp Merklein, Ratsherr und Bürgermeister.

 

Er verheiratete sich mit 21 Jahren am Dienstag, den 25.08.1590, in Schweinfurt in erster Ehe mit der 17 Jahre alten, am 14.11.1573 in Würzburg geborenen Anna Hagen, Tochter des Würzburgisch Fürstlichen Sekretärs Hieronymus Hagen aus Kitzingen und seiner Ehefrau Anna, geborene Rindermann aus Ebern.

 

Aus dieser ersten Ehe sind folgende, in Schweinfurt geborene und dort evangelisch getaufte Kinder bekannt[1]:

 

Balthasar, getauft am 27.10.1591, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

Anna, getauft am 07.08.1594, gestorben am 16.04.1626 in Schweinfurt mit 32 Jahren. Sie wurde am 25.08.1612 in Schweinfurt verheiratet mit Wilhelm Stahl, geboren am 08.01.1581 in Würzburg, gestorben am 06.01.1633 in Schweinfurt. Wilhelm war der Sohn des Würzburger Pfortenschreibers im Domkapitel Martin Stahl und seiner Ehefrau Barbara Kühlwein.
Aus Annas Ehe stammen sieben Kinder, wovon nur drei 1637 noch lebten, nämlich die in Balthasars Leichenpredigt genannten „Jungfraw Hannae Stahlin, Tichterlein, und Herr Paulo Martino Stahlen, Enicklein“, letzterer befand sich 1637 „jetzo in der frembde bey dem Kriegswesen“, und „Wilhelm, welcher ... zum Studiren gehalten wird.“

Martha, getauft am 19.01.1601, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

Susanna, getauft am 19.01.1601, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

Barbara, getauft am 06.05.1602, gestorben vor 1609 in Schweinfurt

 

In Balthasars erhalten gebliebener Leichenpredigt allerdings werden die Kinder Balthasar, Anna, Barbara, Martha und Margaretha aufgeführt. Es fehlt also Susanna, während oben die Margaretha nicht genannt wurde. In der Leichenpredigt von Anna am 12.12.1609 wird geschrieben: "Kinder: Balthasar / Annam / Susannam / Martham vnd Barbaraen. Deren aber Viere / als der eintzige Sohn / vnd 3. Töchter wieder seliglich verstorben / vnd noch eine Tochter die elteste / nahmens Anna / so weit es Gott beliebet /am Leben vbrig ist ...". Wie man sehen kann, waren Leichenpredigten schon damals etwas problematisch.

 

Anna starb am Freitag, den 08.12.1609, „nach Mitternacht, kurz nach 1 Uhr, sanft und wol im Herren“ in Schweinfurt im Alter von 36 Jahren. Sie wurde am folgenden Tag bestattet.

 

Balthasar wurde nach drei Jahren im Witwerstand im Alter von 43 Jahren am 30.06.1612 in zweiter Ehe in Schweinfurt verheiratet mit der erst 22-jährigen Magdalena Held, dort evangelisch getauft am 15.02.1590, Tochter des vermögenden Schweinfurter Kaufmanns Christoph Held und seiner Ehefrau Anna, geborene Geickner.

 

Aus Balthasars zweiter, 25 Jahre dauernden Ehe, stammen vier Söhne und drei Töchter. Davon sind derzeit folgende, in Schweinfurt geborene und dort evangelisch getaufte Kinder bekannt:

 

Sohn, tot geboren um 1613

Justus Balthasar, geboren um 1614. In der Leichenpredigt seines Vaters wird erwähnt, dass er sich „zu Altdorff und anderen Orten wegen seiner Studien uffgehalten und unlangst seinen kranken Vatter zu besuchen allhero eben zu rechter Zeit kommen und jetzo denselben wehemütig zu Grab beleitet.“ Er hatte sich 1634 in Leipzig immatrikuliert, leistete dort aber erst 1635 seinen Schwur, und immatrikulierte sich am 29.04.1636 in Altdorf. Er war Würzburgischer Zehntkeller in Schweinfurt und starb am 22.07.1678 in Kitzingen. Von ihm ist bekannt: „Der Sohn des Reichsvogts Justus Balthasar, um 1614 geboren, ging ganz andere Wege als seine Voreltern. Er hielt es mit den Würzburgern gegen seine Vaterstadt Schweinfurt. Er galt als „ungeratenes Bürgerkind“ und starb kinderlos, wahrscheinlich 1679“. Bei seinem Tod in Kitzingen galt er als „fürnehmer Einwohner dahier“. Er wurde in erster um 1647 in Nürnberg (?) verheiratet mit Martha Rösel, geboren um 1620 in Nürnberg (?), gestorben am 15.04.1664 in Kitzingen. In zweiter Ehe heiratete Justus Balthasar um 1664 in Kitzingen (?) die Sabina Silberschlag, geboren um 1635 in Castell (?), gestorben am 19.09.1681 in Schweinfurt.

Anna Magdalena, getauft am 24.03.1618, gestorben mit 76 Jahren am 15.06.1694 in Schweinfurt. Erste Ehe am 30.01.1638 in Schweinfurt mit Jobst Friedrich Heunisch, der 1640 starb, aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt. Zweite Ehe am 14.09.1641 in Schweinfurt mit Johann Christoph Merck, Sohn des Schweinfurter Reichsvogts und gefreitem Richter Johann Merck und seiner Ehefrau Anna Maria Scheffer. Johann Christoph wurde am 01.03.1614 in Schweinfurt geboren und starb dort am 01.09.1679.

Aus Anna Magdalenas Ehe mit Johann Christoph Merck entstammen folgende Kinder, alle geboren und evangelisch getauft in Schweinfurt:

Anna Margaretha, geboren am 01.09.1642, gestorben am 31.03.1693, verheiratet am 28.09.1675 mit Johann Friedrich Pfennig
Katharina Magdalena, geboren am 29.05.1644, gestorben am 07.03.1703, verheirate am 19 JUN 1677 mit Johann Michael Langguth
Susanne Magdalene, geboren am 20.08.1645, gestorben am 24.02.1747
Anna Magdalena, geboren am 24.08.1647, gestorben am 10.10.1690, verheiratet am 08.091685 mit Martin Göbel
Johann Gottfried, geboren am 19.04.1649, gestorben am 14.09.1690, verheiratet am 11.05.1675 mit Anna Sybilla Schmidt
Katharina Margaretha, geboren am 29.01.1651, gestorben am 10.08.1692, verheiratet am 27.11.1688 mit Johann Hartmann Wohlkomm
Johann Christoph, geboren am 21.12.1652, verheiratet in erster Ehe am 28.11.1676 mit Anna Maria Piccard, am 13.07.1686 in zweiter Ehe mit Juliane Margarethe Miltz
Christoph Balthasar, geboren am 19.11.1656, gestorben am 11.04.1706, verheirate am 05.11.1678 mit Rosina Dorothea Piccard.

Christoph Balthasar, geboren nach 1618, er war 1637 bereits verstorben

Sohn, tot geboren nach Christoph Balthasar, vor 1625

Rosina Magdalena, getauft am 05.1625, gestorben mit 7 Jahren am 12.08.1632 in Schweinfurt

Sabina Magdalena, geboren am 04.10.1627, getauft am 06.10.1627, „H. Baltzer Rüffer Undt sein 2. weib Magdalena haben eine dochter laßen taufen, hat gehoben Ursula H. Johann Albrechts 2. weib den 6. Infans Sabvina Magdalena“, ihre Patin Ursula war die Tochter des Georg Fehr. Sabina starb 24-jährig am 30.06.1651 in Schweinfurt und wurde dort am 03.07.1651 beerdigt. Sie wurde am 30.07.1644 in Schweinfurt mit Justus Friedrich Schöner verheiratet. Er war der Sohn von Matthias Schöner, Notar in Schweinfurt, und seiner Ehefrau Anna Amalia Ulrich. Justus Friedrich wurde am 29.04.1614 in Schweinfurt geboren und starb dort am 05.01.1691.

 

Balthasar wurde am 24.05.1588 Bürger der Stadt Schweinfurt, lebte seit 1594 in der Spitalgasse 9 und ab 1611 in der Petersgasse 5. Im Jahre 1600 deponierte er bei der Stadt 1.000 Gulden. Er wurde 1603 in den Zusatz des Äußeren Rats gewählt, 1604 in den 24er-Rat, 1614 in den 12er-Rat und war 1619 - 1635 im Sechserstand des Rats. Am 20.08.1635 wurde er zum Reichsvogt ernannt.

 

Der spätere Schrotturm der Stadt Schweinfurt wurde durch ihn zunächst als Treppenturm eines Renaissance-Hauses 1611-1614 erbaut. Zu diesem Schrotturm schreibt die Mainpost vom 27.07.2011: „...Der Schrotturm heißt erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts so. Ab 1818 produzierte nämlich ein Johann Christian Voigt hier Schrot. Er hatte den Turm dazu um fünf Stockwerke aufgestockt. Warum, das erklärt der Eintrag zum Thema Schrotherstellung in einer zeitgenössische Enzyklopädie: „Man verfertigt dasselbe, indem man geschmolzenes Bley von einer Höhe von 150 Fuß herabfallen lässt, welches während des Falls eine vortreffliche runde Form bekommt, und im Wasser aufgefangen wird.“ Heute sind diese fünf obersten Stockwerke mit einem hölzernen Treppenhaus erschlossen. Steigt man von Plattform zu Plattform alle Hühnerleitern hinauf, hat man einen einzigartigen Blick über die Schweinfurter Innenstadt und weit hinaus über das Maintal. Unterhalb der hölzernen Absätze offenbart der Turm seine eigentlich Aufgabe: Er war und ist der Treppenturm für die beiden Flügel des einstigen Anwesens von Balthasar Rüffer III. (1569–1637). Die steinerne Treppenspindel ist reich mit Steinmetzarbeiten verziert und leuchtet seit der Sanierung des vom Verfall bedrohten Anwesens in den Jahren 1985 bis 1990 in Rot und Gelb. Der Protestant Rüffer war 1588 im Zuge der Gegenreformation von Fürstbischof Julius Echter aus dem Hochstift Würzburg vertrieben worden. Freundlicherweise durfte er sein beträchtliches Vermögen nach Schweinfurt mitbringen. Das Anwesen ließ er wohl zwischen 1611 und 1614 auf den Resten älterer Bauteile errichten, die nach dem „Zweiten Stadtverderben“ 1554 stehen geblieben waren, als Schweinfurt im Zweiten Markgrafenkrieg zerstört wurde. Am Turm – bis zur Umnutzung hieß er Rüffersturm – ließ Rüffer sein Wappen anbringen, das bezeichnenderweise drei Geldsäcke zeigte. 1909 wurde es abgenommen und ist seither verschollen. Stand das Wappen für Rüffers Hauptinteresse, so war die Turmhaube politische Aussage: Im Gegensatz zu all den Echter-Nadeln auf den Kirchtürmen im katholischen Umland bekam der Rüffersturm eine sogenannte welsche Haube, die – wie alle anderen Schweinfurter Türme auch – als Bekenntnis zur Eigenständigkeit der protestantischen Reichsstadt gemeint und auch verstanden wurde. Obwohl das Anwesen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt wurde, haben sich im Turm Fresken aus der Erbauungszeit erhalten. Über der Tür zu den Räumen der Rückert-Gesellschaft, die hier neben – oder besser: unter dem Historischen Verein ihr Domizil hat, taucht die Zahl 1614 auf. Weiter oben sind Sinnsprüche zu lesen, die möglicherweise auf ausgeprägte Vorbehalte des Geschäftsmanns Rüffer seinen (weiblichen) Mitmenschen gegenüber hinweisen: „Trau schau wem“, steht da, oder „vertrawe Gott alles / den menschen wenich / den weiber gar nichts“. Und wenn auch die Eingangstür mit ihrer geschnitzten Fratze eher abweisend wirkt, so ist das Anwesen heute ein eher einladender Ort: Im Kellergewölbe betreibt der Autor, Schauspieler und Rezitator Hans Driesel die Kleinkunstbühne Schrotturmkeller, im Seitenflügel nutzen Volkshochschule und Seniorenbüro Räume.“



[1] Quelle: Ahnentafel Harleß (GFF M 342), Seite 147/148 und Text Seite 16 bis 22; sowie Gerd Wunder, Anna Rüffer aus Schweinfurt (1603-1665), in: "Blätter für Fränkische Familienkunde, 7.Band, Heft 7, Oktober 1959, Seite 225-231

Von Balthasar lieh sich die Stadt Ingelfingen im Hohelohekreis in Baden-Würtemberg mit Zustimmung des Grafen Wolfgang von Hohenlohe-Weikersheim ein Kapital von 2.000 Gulden gegen einen jährlichen Zins von 100 Gulden und verpfändete dafür ihre Güter. 1653 quittierten die Miltenberg'schen Erben über die Tilgung ihres Anteils an der Schuld. Später (1671-1679) gab es eine Forderung der Witwe des Wilhelm Windecker[1] zu Hanau als Erbin des Balthasar Rüffer auf Bezahlung der rückständigen Zinsen und die Stellung eines Antrags auf Erlaß eines Exekutorialmandats des Reichskammergerichts gegen die offenbar zahlnugsunwillige Stadt Ingelfingen durch die Gläubiger, die Rückzahlung des Kapitals erfolgte dann durch Hohenlohe-Langenburg.

 

Es ist also durchaus glaubhaft, wenn von ihm die Sage geht: „Zur Zeit der Reformation zog ein sehr reicher Mann, Balthasar Rüffer mit Namen, von Würzburg nach Schweinfurt und ließ sich dort häuslich nieder. Die Stadt befand sich damals in großer Not: sie sollte, wie es damals oft geschah, Geld erlegen. Da aber vielfache Feinde schon alles abgepresst hatten und die Stadt an vier Enden angezündet werden sollte, so erbarmte sich der reiche Rüffer und gab drei Säcke mit Geld her, wodurch er die Stadt Schweinfurt erlöste. Um ihm hiefür dankbar zu sein, wurde er und sein Geschlecht unter die Patricier der alten Reichsstadt aufgenommen und durfte fortan ein adeliges Wappen führen, drei volle Säcke, welche die Geldsäcke bedeuteten, womit er die Stadt erlöst hatte, seiner wackeren That zum dankbaren Gedächtnis. Dieses Wappen ist noch heute an einem ehernen Monument in der Sankt Johanniskirche zu sehen. Balthasar Rüffer lebte in hohen Ehren und starb als gefeierter Richter und Reichsvogt der freien Reichsstadt Schweinfurt.“[2]

 

An anderer Stelle steht: „...er habe sich im 30-jährigen Krieg wegen seines Reichtums in einem verborgenen Gaden eines seiner Häuser versteckt, weil feindliche Kriegsvölker durch die von Rüffer gezahlte Ranzion für die Stadt Schweinfurt auf die Vermutung kamen, wer diese hohe Summe gezahlt habe, müsse noch mehr Reichtum haben. Die Habsucht dieser Kriegsleute habe sie angetrieben auf Rüffers Person zu fahnden, um seine Schätze zu erpressen. Von einem treuen Diener sei er mit Nahrung versorgt worden.[3]

 

Der Rath der Stadt Nürnberg ließ 1628 „dem Balthasar Rüffer zu Schweinfurt, bei welchem des Raths Gesandte verschiedene Male gewohnt und welchen er guten Willen erwiesen, durch Hans Christoph Tucher am 31. Juli (10. August) ein Trinkgeschirr von vergoldetem Silber überreichen, das 2 M. 8 L. 1 Q. wog und 39 fl. 5 Sch. 2 H. kostete.[4]

 



[1] Zu den Verwandtschaftsverhältnissen siehe unter (XV/10.242-A) Balthasar Rüffer, dort dessen Tochter Sabina

[2] Sagenschatz des Bayernlandes, Band 1, Unterfranken, 1877, Seite 338 ff

[3] Zeitschrift „Archiv des historischen Vereins von von Unterfranken und Aschaffenburg“, Neunter Band, 1848, Seite 29 ff

[4] Franz Ludwig Freiherr von Soden, Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt Nürnberg vom Ende des sechszehnten Jahrhunderts bis zur Schlacht bei Breitenfeld, III. Theil, 1862, Seite 21

Balthasar starb mit „68 Jahren weniger 11 Tage“ am Freitag, den 12.09.1637 nach fünfwöchiger Krankheit in Schweinfurt in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr. Er wurde in Schweinfurt am 17.09.1637 in der St. Johannis-Kirche begraben. Dort gibt es einen Bronze-Epitaph mit den Figuren der Familie Rüffer-Held. Die Inschrift lautet: „Anno 1637 den 15. September verschied in Gott der Ehrenvest und großachtbar und hochweiß Herr Balthasar Rüffer, Gefreiten Richters und Reichsvogten der Freyen des H. Röm. Reichsstatt Schweinfurth. Seines Alters 68 Jahr. Dem Gott eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle. Amen.“ Es gelang dem Kaufmann Johann Kaspar Limpach und Konsulent Merck das Epitaphium vor dem Einschmelzen zu retten, es wurde im Jahre 1600 bei der Stadt für 1000 fl. deponiert. Hier ein Foto seines Bild-Epitaphs, deutlich sind im oberen Teil die drei Geldbeutel oder -säcke im Wappen zu erkennen.

 

Balthasars zweite Frau Magdalena stiftete am 11.11.1647 ein Stipendium in Höhe von 62 fl 50 kr, fällig auf den jeweils 1. Mai jeden Jahres „...nur für arme studirende Descendenten der Stifterin, die der reinen Augsburg’schen Confession zugethan, sind zum Bezuge berechtigt und soll bei mehreren gleich nahen Verwandten das Stipendium gleichheitlich getheilt werden. Die Genußzeit ist unbestimmt.“

 

Magdalena starb am 30.12.1669 in Schweinfurt im Alter von 79 Jahren.

 

Von Balthasar Rüffer sind folgende Medaillenprägungen bekannt:

 

Die untere Abbildung ist aus einem Verkaufskatalog (2011 für 175,- EUR angeboten). Es gibt im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zwei bildgleiche Medaillen, eine aus einer vergoldeten Silberlegierung (Med 7976), eine andere aus bronziertem Blei mit einer Öse (Med 459), der Medailleur ist Christian Maler.

 

Ferner wurde eine fast bildgleiche Medaille, Silber vergoldet und aus 2 einseitigen Platten zusammengesetzt, auf der Auktion Gebhart 1907 (zitiert nach Habich, Seite 413) eingeliefert:

 

In der Staatliche Münzsammlung in München befindet sich diese Medaille:

Rüffersches Familienwappen mit Umschrift Balthasar Rveffer, Bvrg zv Schweinfvrt / Haegisches Wappen, einem Baum, auf dessen Gipfel drei Blumen sprossen mit Umschrift Anna Rvefferin gebor Haegin v. Wvrtzb s. ehl. Hausfr.. Gewicht „5/8 Loth“.

 

 

Eine weitere Medaille zeigt auf dem Avers die Beschriftung[1] „Balthasar Rueff. V W B Zu Sch(weinfurt). Ein zierlicher, alter Kopf mit Halskrause, Ober und Unterbart im Dreiviertelprofil, am Arme: 1611“, und auf dem Revers „Anna Ruefferin gebor Haegin, das Brustbild derselben in bürgerlicher Tracht mit Halskrause im dreiviertel Profil von der linken Seite, am Arme 1611 und L.D“ (= Medailleur). Das Materil ist Blei versilbert (?), ein Reif ist umgelegt. Das Gewicht ist mit „11/16 Loth 3 gr.“ angegeben. Eine andere Beschreibung lautet für den Avers „Sein bärtiges Brustbild fast vorn. im reichen Gewande mit breiter Halskrause“ und für den Revers „Ihr Brustbild fast von vorn mit Haube und hochschließendem damascierten Gewande.“

 



[1] Beschreibung in „ Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg“, Heft 9, Seite 26