Niederwerrn

7.840 Einwohner

9,77 qkm Fläche

240 m  ü.NN

www.niederwerrn.de

 

Niederwerrn und Oberwerrn waren einst ein Ort namens Werrn und seit der Gebietsreform 1978 (1.5.1978) sind sie rechtlich wieder vereint.

Der Name stammt vom Flüsschen "Wern". Da der eine Ort unterhalb des anderen liegt, ergaben sich die Namen Niederwerrn und Oberwerrn, heute die beiden Ortsteile.

Erstmals erwähnt ist nach heutigem Stand der Ort "Werrn" im Jahre 1325. In einer Bamberger Urkunde ist geschrieben, dass das Kloster Maria-Burghausen hier Besitz hatte. Im späteren Mittelalter waren das Würzburger Domkapitel, die Herren v. Münster und die von Wenkheim die beherrschenden Grundstückseigentümer. Das Geschlecht von Münster war Dorf- und Gemeindeherr und übte die niedere Gerichtsbarkeit aus. Für die hohe Gerichtsbarkeit war die hochstiftische Zent Geldersheim zuständig, was im wesentlichen so bis zur Säkularisierung andauerte; ab 1823 war Werneck hierfür zuständig.

Niederwerrn

Niederwerrn um 1900
Niederwerrn um 1900

Während der Ort mit der Reformation protestantisch geworden war, hat sich dies nach der Zugehörigkeit zu Bayern (1814) wieder durch Zuzüge geändert, denn ca. die Hälfte der Bewohner ist heute katholisch.

 

Beide Ortsteile wurden in den Bauernkriegen erheblich beschädigt. Das alte Schloß in Niederwerrn wurde fast völlig zerstört, danach jedoch von den Freiherren v. Münster aufwändiger und ansprechender wieder aufgebaut. Dies war in Notzeiten auch ein Zufluchtsort für die Bevölkerung.

 

Im 16. Jahrhundert gab es einen starken Zuzug von jüdischen Einwohnern, was wohl mit der Ausweisung derselben in Schweinfurt und Gochsheim in Verbindungen gestanden haben kann. Anfang des 18. Jahrhunderts lebten ca. 300 Juden in Niederwerrn und es entstand eine Synagoge und ein rabbiner hatte hier seinen Sitz. Die Synagoge existiert nicht mehr.

Das ehemalige Firmengelände Gademann in Niederwerrn
Das ehemalige Firmengelände Gademann in Niederwerrn

Ein schweres Schicksal ereilte Werrn im 30-jährigen Krieg. Zunächst hatten schwedische Truppen das damals noch überwiegend katholische Oberwerrn niedergebrannt; kurz danach brach die Pest aus und raffte viele Einwohner hinweg. In Niederwerrn vandalierten die Truppen des General Horn in barbarischer Art und Weise, wobei viele ihr Leben lassen mussten; dies obwohl Niederwerrn dem evangelischen Glauben angehörte. Zu jener Zeit wurde auch das Schloß erneut zerstört.

 

Die beiden Orte blieben dann bis zum Zweiten Weltkrieg von großen Schicksalsschlägen verschont, wenn man von Plünderungen französischer Soldaten in den Revolutionskriegen einmal absieht.

Im zweiten Weltkrieg jedoch ließen durch Bombenabwurf und Panzerangriffe 92 Menschen ihr Leben; 44 blieben vermisst, 17 Wohn- und Betriebsgebäude wurden zerstört.

1910 - Haus Nr. 23
1910 - Haus Nr. 23
Evang. Kirche um 1920 - Danke an Peter Wiegand
Evang. Kirche um 1920 - Danke an Peter Wiegand
um 1920
um 1920

Das Niederwerrner Wappen: "In Blau ein silberner Schrägfluß, überdeckt von zwei zueinander gekehrten Flügeln, dies von Rot und Silber überkreuz geteilt."

Sowohl Farben als auch Flügelpaar entstammen dem Wappen der Herren von Münster, die für die beiden Orte außerordentliche Bedeutung hatten. Der silberne Schrägfluss soll an die Werrn erinnern, die wohl ausschlaggebend war für die Ortswahl der Gründung der Gemeinden und letztlich auch den Namen gab.

 

Fotos von Peter Wiegand 1981:

 

Niederwerrn - Oberwerrn

Die katholische Kirche St. Bartholomäus überagt, an höchster Stelle stehend, den Rest der Gemeinde.

Dieser einst gut zu verteidigende Hügel über dem Werrntal war von einer Mauer umgeben, an der nach innen Vorratsräume angebaut waren, sogenannte "Gaden"; diese dienten in Notzeiten den Dorfbewohnern als Zufluchtsort für Mensch und Vieh.

 

Sie war eine für viele mittelalterliche Kirchenburgen in Mainfranken typische Anlage: Ihr Zentrum bildete ein Wehrturm, der gleichzeitig erste Kirche war; später wurde ihm dann ein Längsschiff angebaut. Innerhalb des Mauerrings wurden auch die Toten begraben. Noch immer liegt der Friedhof von Oberwerrn direkt an der Kirche in der Ortsmitte. Doch die alte Kirchenburg hat sich gravierend verändert. Ihr ältester Teil ist der quadratische Kirchturm von 1608 mit seinem für die Regentschaft von Fürstbischof Julius Echter kennzeichnenden Spitzhelm. Durch ein schlichtes Rundbogenportal im Turm fällt der Blick auf den Chor an der gegenüberliegenden Wand. Er gehört zu dem erst 1891 im Stil der Neugotik vergrößerten Langschiff.

 

Die Altäre mit den goldgefassten Heiligenfiguren haben sich ebenso erhalten wie die in dunklem Grün gehaltene Kanzel. 1980 war auch der neugotische Anbau zu klein geworden und so wurde die südliche Seitenwand entfernt und ein zweites Kirchenschiff in genau den gleichen Proportionen angebaut. Neues Zentrum ist nun die Altarinsel an der Südwand. Sie wird aus einer Lichtkuppel indirekt erhellt und damit in den Mittelpunkt gerückt.


um 1908
um 1908

Rückseite obiger Karte:

Bahnhof Oberwerrn - 1942 - gasthof zur Eisenbahn
Bahnhof Oberwerrn - 1942 - gasthof zur Eisenbahn
Grabmal des Jahres 1808, aufgenommen um 1910
Grabmal des Jahres 1808, aufgenommen um 1910