St. Johanniskirche

Versäumen Sie nicht den Besuch des Martin-Luther-Platzes mit der St. Johannis Kirche!

 

Neben dem Schweinfurter Rathaus ist sicherlich die St. Johannis Kirche, gelegen oberhalb der Nordseite des Marktplatzes, eine der bedeutendsten Bauten der Stadt, insbesondere jedoch der älteste Bau Schweinfurts.

Bereits im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts begann der Bau eines romanischen Chores als auch der des Nordturmes. Im Jahre 1987 wurden bei archäologischen Ausgrabungen in diesem Chor Reste eines mutmaßlichen Vorgängerbaus gefunden. Es lässt sich deshalb der mögliche Schluss ziehen, dass das Alter der heutigen evangelischen Hauptkirche Schweinfurts noch weiter zurück reicht.

Das Querhaus wurde zwischen 1225 und 1240 fertig gestellt. Der damals begonnene Südturm wurde nie in der ursprünglich beabsichtigten Höhe weiter gebaut.

Es darf davon ausgegangen werden, dass das Langhaus der Kirche zusammen mit dem südlichen Seitenschiff als auch der Taufkapelle bis 1367 vollendet wurde.

Der ursprünglich romanische Chor wurde um das Jahr 1404 abgerissen,  durch einen größeren gotischen Chor ersetzt und am 11. November 1411 geweiht. Nach einer Chroniknotiz sei er für die damaligen Bedürfnisse zu klein gewesen. Der Vorgängerchor war deutlich schmäler und kürzer. Schließlich wurde auch die Erweiterung des nördlichen Seitenschiffes einschließlich der Heiligen-Grab-Kapelle im Jahre 1469 abgeschlossen. Der Chor heute ist "Gotik pur". Die so genannten "Dienste" , also die senkrechten Gurte, fließen direkt ohne Kämpfer und Kapitelle nach oben in die dortigen Gurtbögen des Kreuzgewölbes. Die fünfzehn Meter hohen Fenster durchfluten den Kirchenraum mit ausreichend Licht. 

Nach erheblichen Kriegsbeschädigungen im „Markgräfler Krieg“ um 1554 wurde im Rahmen des Wiederaufbaus der Turm erhöht und erhielt seine nunmehrige Kuppelform.

Johann Hermann (1586-1656) zeichnete für Matthias Merian 1646 diese Ansicht der Johanniskirche
Johann Hermann (1586-1656) zeichnete für Matthias Merian 1646 diese Ansicht der Johanniskirche

Weiter wurde schließlich 1620 der nördliche Treppenturm an der Westfassade errichtet. Im Jahre 1739 wurden im Langhaus Seitenemporen eingebaut.

Von 1984 - 1992 wurde eine umfassende Renovierung der Kirche vorgenommen und dabei eine neue Orgel eingebaut.

Die Kirche verfügt über vier Glocken. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahre 1563 (sogenannte 12 Uhr Glocke), die anderen aus dem Jahre 1574 (11 Uhr Glocke) und 1767 (Vaterunser-Glocke). Erst im Jahre 1956 kam die sogenannte Auferstehungsglocke hinzu.

März 2013
März 2013

Das Innere der Kirche

Beim Eingang durch das Hauptportal wird zunächst der Blick auf den spätgotischen Chor gelenkt, der im Jahre 1411 seine Weihe erfuhr.

Hier fällt der Blick zunächst auf den zentral im Chor angeordneten klassizistischen Stuckmarmoraltar, der im Jahre 1806 vom nahe Schweinfurt gelegenen Augustiner-Chorherrenstift erworben wurde. Der aus dem Jahre 1783 stammende Altar wurde vom Würzburger Hofstukkateur Materno Bossi (1739 – 1802) geschaffen und befand sich zuvor im Kloster in Heidenfeld. 

Der Altar ist umrahmt von hohen fünf Seiten bildenden Fenstern, so dass der Altarraum im hellen Licht erscheint.

Valentin v. Münster 1502-1582 Ritter zu Niederwerrn Fürstl. Würzburger Rat
Valentin v. Münster 1502-1582 Ritter zu Niederwerrn Fürstl. Würzburger Rat

Das heute vorhandene Altargemälde, gestiftet vom Industriellen Dr. Georg Schäfer im Jahre 1959, stellt modern und großflächig die Auferstehung Christi dar. Der Künstler war Adolf Kleemann (1904 – 1989), der als freischaffender Maler in Gauting bei München lebte und arbeitete.

 

Besonders beachtenswert sind die vielen Grabdenkmäler, die u. a. im Chor aufgestellt wurden und ein Zeugnis Schweinfurter Geschichte darstellen; so 

 z. B. jene des Valentin von Münster (gest. 1582), seiner Ehefrau Margarete (gest. 1619) aber auch eine Grabplatte des Ratsadvokaten Dr. Paul Brückner (gest. 1622).

Sie finden weiter eine schwere Bronzeplatte (Epitaph) des bekannten Schweinfurters und Reichsvogts Balthasar Rüffer, der 1637 verstarb, eine Bronzeplakette des Grabsteins des Glockengießers Klaus Zeitlos (gest. 1492) sowie das Grabmal des letzten Priors des einstigen Schweinfurter Karmelitenklosters Georg Ofner (gest. 1532).

Früher befanden sich viele Grabplatten noch an der Außenmauer
Früher befanden sich viele Grabplatten noch an der Außenmauer

Drei Gemälde im Chor sollten Ihre besondere Beachtung finden:

die Darstellung der Predigt des Johannes, dem Täufer, an der Nordseite des Chores ein Gemälde Conrad Geigers aus dem Jahre 1807. Zum anderen ein Bildnis des Dr. Martin Luther aus dem Jahre 1818. 1988 wurde auf der Rückseite des Bildes die Liste der 186 Schweinfurter Bürger entdeckt, die für das Bild gespendet hatten. Der dieses Gemälde schaffende Künstler war Wilhelm Bauer aus Leipzig.

Zudem befindet sich an der südlichen Turmwand ein Fresko aus dem 16. Jhdt. Das ungewöhnliche Motiv zeigt Christus am Kreuz, nur mit den Füßen an dasselbe genagelt, während er ein Schwert ergreift, das ihm eine Gestalt mit Krone zureicht.

Weiter betrachten Sie an der Westwand das Reformationsbild: Die Übergabe der Augsburgischen Konfession aus der Spätzeit des 16. Jhdts. Diese wird an Kaiser Karl V. übergeben und enthält symbolische Nebenszenen, die die evangelisch-lutherische Kirchenlehre darstellen.

Noch eine kleine Anekdote: Um das Bild von Conrad Geiger aus dem Jahr 1807, welches links im Durchgang hängt, ranken sich nette Geschichten. Dieses Bild ist dem für Schweinfurt sehr wichtigen Protestanten Balthasar Rüffer gewidmet. Sein Grabmal befand sich einst im Alten Friedhof und wurde von den Bayern nach dem Anschluss an Bayern zerstört und die Bronze des Grabmals verschwand. Hierzu hatten sich die Schweinfurter mit großem Protest an den König gewandt, der die Grabräuber gezwungen haben soll, den Erlös ihrer Schandtat an die Stadt herauszugeben. Mit diesem Geld wurde dann das oben erwähnte Gemälde Conrad Geigers bezahlt und dem Schweinfurter Balthasar Rüffer II. gewidmet.

Zentral dominierend im sogenannten Langhaus ist die 1694 vom gebürtigen Schweinfurter Andreas Tauber gestiftete Kanzel. Der obere Abschluss der Kanzel, der sogenannte Schalldeckel musste nach massiver Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mühevoll rekonstruiert werden.

Getragen wird die vielfältig verzierte Kanzel des Frühbarocks vom knienden Moses.

Das Kanzelgehäuse ist geprägt von Muschelnischen mit den vier Evangelisten.

Besonders prunkvoll ausgestattet ist der Schalldeckel. Zu Füßen des auferstandenen Christus sind dort Apostel, auch der Hl. Andreas als Namenspatron des Stifters, dargestellt.

Besondere Beachtung verdient auch die Taufkapelle. Sie wurde im dritten Viertel des 14. Jhdts. erbaut. Mutmaßlich wurde sie durch die Schweinfurter Familie Rucker gestiftet, denn der Schlussstein des Kappengewölbes trägt das Wappen jener Familie.

Der Taufstein ist auf das Jahr 1367 datiert. Er gehört damit zu den ältesten Ausstattungsstücken der St. Johanniskirche. Vermerkt sind auf ihm die Namen seiner Stifter: Friedrich Rucker und Konrad Nuzzer. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Gemälde auf den Feldern des Taufsteins mit Darstellung des Johannes d.T. sowie der 12 Apostel. Beachtenswert auch der Deckel des Taufsteins um 1600:

Er kann mit einem Seil hoch und herab gelassen werden. Seine Unterseite enthält ein Gemälde mit der Darstellung der Taufe Christi.

Ältestes Grabmal - Konrad v. Seinsheim, gest. 1369, erster von der Schweinfurter Bürgerschaft frei gewählter Reichsvogt v. Schweinfurt
Ältestes Grabmal - Konrad v. Seinsheim, gest. 1369, erster von der Schweinfurter Bürgerschaft frei gewählter Reichsvogt v. Schweinfurt

Sehen Sie sich auch in Ruhe die vielen Grabplatten im Längsschiff der Kirche an, darunter von besonderer Bedeutung das Grabmal des Junkers Wolff von Steinau (gest. 1585) und das des Reichsvogts Konrad von Seinsheim, der der erste frei gewählte Reichsvogt Schweinfurts war (gest. 1369).

 


 

Blick aus dem Chor zum Eingang - März 2013
Blick aus dem Chor zum Eingang - März 2013

Zur Geschichte und Beschreibung der St. Johannis-Kirche im Jahre 1836 siehe hier

 

Jedes Foto lässt sich bei Anklicken vergrößen!

Beobachtet wird der Eingang der Kirche von Martin Luther, dem exakt gegenüber dem Haupteingang ein Denkmal errichtet wurde (2015 durch die Harmonie-Gesellschaft Schweinfurt)

Bei der Enthüllung der Martin-Luther-Büste Juni 2015 - links neben der Büste Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Dekan Oliver Bruckmann
Bei der Enthüllung der Martin-Luther-Büste Juni 2015 - links neben der Büste Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Dekan Oliver Bruckmann

Falls Sie sich noch intensiver informieren wollen, so kann ich sehr empfehlen, die am Eingang ausliegende Literatur zu erwerben, so z. B. „Die St. Johanniskirche in Schweinfurt“ oder auch „Evangelische Kirchen in Schweinfurt“.

 

Auszug aus "Chronik der Stadt Schweinfurt" von Heinrich Christian Beck aus dem Jahre 1836 (Geschichte und Beschreibung der Johanniskirche) finden Sie hier