Die Schweinfurter Stadtmauer und Befestigung

Schweinfurt aus der Vogelperspektive im Jahre 1648                          Kupferstich nach Johann Herrman
Schweinfurt aus der Vogelperspektive im Jahre 1648 Kupferstich nach Johann Herrman

Die erste Befestigung Schweinfurts dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen. Erst im Jahre 1984 fand man bei Ausgrabungsarbeiten in der Rosengasse Reste einer solchen Befestigung, die einst lediglich die innere Kernstadt umfasst hat. Die Markierung können Sie in der Rosengasse erkennen.


Schweinfurt um 1648
Schweinfurt um 1648

Die allererste Befestigung – vielleicht auch nur mit Palisaden – gab es vielleicht um die Johanniskirche herum. Grabungen 1987 im Altarraum zeigten unter den Fundamentmauern der romanischen Apsis einen alten, schräg verlaufenden Mauerrest. Ob der zu einer Vorgängerkirche gehörte, ist fraglich, aber nicht auszuschließen. Des Weiteren gibt es vereinzelte Hinweise, dass die Johanniskirche in ihrer Frühzeit vielleicht von einer Gadenanlage umgeben war. Sollte es eine Vorgängerkirche gegeben haben, könnte die Gadenanlage vielleicht die erste Befestigung Schweinfurts gewesen sein.
Auch bei Baggerarbeiten im Jahre 1972 auf dem Martin-Luther-Platz tauchten derartige Spuren auf.

Das erste Mal schriftlich erwähnt ist eine Stadtbefestigung in einem am 17. Februar 1258 zwischen den Grafen v. Henneberg und dem Würzburger Bischof geschlossenen Vergleich die Rede.

Die Stadtmauer heute am Unteren Ostwall
Die Stadtmauer heute am Unteren Ostwall

Rekonstruktionen zu Folge führte der Stadtgraben damals vom Main aus gesehen entlang des Marienbachs über das Mühltor bis zum "Weißen Turm", von dort direkt nach Westen vorbei an der Brauerei Roth in die Obere Straße zum inneren Obertor (heute Haus Nr. 15/26/28). Von dort zog sich der Graben durch die heutige Straße "Am Graben" über den Georg-Wichermann-Platz bis in die Spitalstraße Nr. 41, wo ein weiterer Turm nachgewiesen ist. Von hier weiter südostwärts über Rosengasse und Petersgasse zur Kunstmühle.

Diese erste, gotische Stadtmauer bestand bis zur Stadterweiterung 1437.

Erwähnenswert ist hier noch die Burganlage, die wohl zu Beginn des 14. Jhrdts. erbaut wurde, denn 1310 erteilte Heinrich VII. dem Grafen Berthold die Erlaubnis, innerhalb der Stadt eine neue Reichsburg zu errichten. Diese war im Stadtteil Zürch im Bereich der St. Salvatorkirche angesiedelt. 1427 wurde sie jedoch abgetragen und das Material zur Verstärkung der Stadtbefestigung verwendet.

Die Stadtbefestigung am Oberen Ostwall
Die Stadtbefestigung am Oberen Ostwall

Im Jahre 1437 wurde befestigte Stadtgebiet deutlich erweitert. In den mauerbereich eingegliedert wurden der Kornmarkt, die Bauerngasse, der Zeughausplatz, die neue Gasse, der Rossmarkt, die Manggasse, die Hadergasse, die Wolfsgasse, die Hirtengasse, der Jägersbrunnen, die Johannisgasse und der Alte Friedhof. So wurde in diesem Zusammenhang auch das Innere Obertor an das heute bekannte Obertor, das am Kornmarkt 17 angebaut war, verlegt. Der gesamte zweite Mauerverlauf wurde 1554 stark zerstört und bis 1560 wieder neu errichtet. 

Einen erheblichen Ausbau der Befestigungsanlagen erfuhr Schweinfurt dann im 30-jährigen Krieg und in der Zeit danach. Der Verlauf entsprach dann dem, wie er heute bekannt ist.

Die Stadtmauer am Unteren Marienbach
Die Stadtmauer am Unteren Marienbach

Nach den "Todsünden" in der Vergangenheit (z.B. Abriss der Stadtmauer mit Türmen im Westen zum Bau des Kaufhauses Horten, heute Kaufhof) hat eine äußerst lobenswerte Kehrtwendung der Stadtpolitik stattgefunden. Nunmehr wird Erhaltenswertes wirklich erhalten. Und man sollte künftig auch Wiederaufbau bzw. Rekonstruktionen ins Auge fassen, wo dies möglich ist. Alt-Schweinfurt wieder aufleben zu lassen, so wie dies z. B. am Ostwall (Marienbach) oder im Untergeschoss der Kunsthalle geschehen ist, bereichert Schweinfurt ungemein! Weiter so!

 

Versteckte Stadtmauer im Norden

Zwischen der "Neuen Gasse" und dem "Fichtelsgarten" sind noch einige Stücke der nördlichen Stadtmauer im Abschnitt Ehemaliges Obertor bis ehemaliges Neutor gut erhalten. Und versteckt sind dort auch ein kompletter, relativ gut erhaltender Stadtmauerturm sowie zwei "halbe" Turmabschnitte. Dieser Bereich mit den alten Befestigungsabschnitten soll der Öffentlichkeit in den kommenden Jahren zugänglicher gemacht werden, so die begrüßenswerten Pläne der Stadt.

zwischen Neue Gasse und Celtis Gymnasium
zwischen Neue Gasse und Celtis Gymnasium
Der Turm
Der Turm
 Ein weiteres Stück Stadtmauer bildet die Rückseite der Häuser der Neuen Gasse nach Norden in Richtung Obertor
Ein weiteres Stück Stadtmauer bildet die Rückseite der Häuser der Neuen Gasse nach Norden in Richtung Obertor
Ein Stück Stadtturm an der Rückseite des Anwesens Neue Gasse Nr. 61
Ein Stück Stadtturm an der Rückseite des Anwesens Neue Gasse Nr. 61

 

Am Höpperle

im Bereich Hadergasse/Theater befand sich einst ein Wall. Teile davon verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg, der Rest des Walls wurde in Richtung Neutorstraße im Rahmen der Baumaßnahme "Hadergasse" leider beseitigt. Stehen blieb die äußere der beiden Stadtmauern. Diese wurde nun freigelegt und wird in den Jahren 2014-2016 restauriert.

Rechtsanwalt und Stadtrat Peter Hofmann hatte bereits im Jahre 2012 den Vorschlag gemacht, den im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffen zerstörten Turm "Am Höpperle" (richtiger Name: Schweinehirtenturm) wieder aufzubauen. Nach langem Werben ist es ihm gelungen, dieses Projekt möglich zu machen. Durch Spenden und kostenfreien Bauunternehmerleistungen wird der Turm wohl im Jahr 2015 wieder errichtet werden können.

Die Stadtmauer (Innenseite) bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 2014 - Foto: Dieter Bauer
Die Stadtmauer (Innenseite) bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 2014 - Foto: Dieter Bauer
Die Stadtmauer im gleichen Bereich von der Außenseite 2013
Die Stadtmauer im gleichen Bereich von der Außenseite 2013
Die Stadtmauer im weiteren südlichen Verlauf Richtung Kunsthalle verfügt noch über dem kompletten Wall, der auch begehbar ist - 2012
Die Stadtmauer im weiteren südlichen Verlauf Richtung Kunsthalle verfügt noch über dem kompletten Wall, der auch begehbar ist - 2012
Der Schweinehirtenturm im Theaterpark (Chateaudun-Park), der gerade wieder aufgebaut wird
Der Schweinehirtenturm im Theaterpark (Chateaudun-Park), der gerade wieder aufgebaut wird

 

Hier noch ein Gesamtüberblick, wie einst die Schweinfurter Befestigungen verliefen:

bitte vergrößern!

Skizze Anton Oeller
Skizze Anton Oeller

Unter Stadtbesichtigung finden Sie 2 Vorschläge für die Besichtigung der Schweinfurter Stadtmauer mit ausführlichen Beschreibungen!

In diesem Pulverturm am Unteren Wall im Osten der Stadt befindet sich heute die charmante Weinstube s'Türmle
In diesem Pulverturm am Unteren Wall im Osten der Stadt befindet sich heute die charmante Weinstube s'Türmle
Die vorübergehend freigelegte Spitaltorbrücke (unter dem heutigen Mainpostgebäude zu besichtigen)
Die vorübergehend freigelegte Spitaltorbrücke (unter dem heutigen Mainpostgebäude zu besichtigen)

Ein kleines Stück Stadtmauer wurde im Jahre 2012 an der Ecke Rüfferstraße/Schultesstraße wieder hergerichtet. 170.000 € hat die Stadt inkl. erhaltener staatlicher Zuschüsse hier aufgewandt. (siehe Plan oben Bereich A)

Dieses ca. 2 Meter starke Mauerwerk grenzte in reichsstädtischer Zeit den davor liegenden Wassergraben zur Spitalkirche ab. Der davorliegende Wassergraben, von dem heute nichts mehr zu sehen ist (Parkhaus) wurde einst von der Quelle an den Pfannäckern (unterhalb der Heeresstraße, Gartenstadt) gefüllt. Die Mauer umschließt heute den Pfarrgarten Heilig- Geist.

Die Mauer hatte bis Anfang des 19. Jahrhunderts starke hochragende Zinnen, die jedoch der damalige Pfarrer beim Anlegen des dahinter liegenden Gartens eigenmächtig abtragen ließ.

Weitaus schlimmer jedoch die Stadtpolitik der 60er-Jahre als der Stadtrat die gesamte Westmauer dem Kaufhaus Horten (heute Galeria Kaufhof) und dem daneben liegenden Parkhaus opferte.

 

Weitere Fotos der renovierten Stadtmauer am "Höpperle" (2015) - Andreas Hedler

bitte durch Anklicken vergrößern!

Stadtmauer zum Theaterpark /Hadergasse - im Hintergrund Kunsthalle
Stadtmauer zum Theaterpark /Hadergasse - im Hintergrund Kunsthalle