1500 - 1600

Schweinfurt 1595
Schweinfurt 1595

Bürgeraufstand 1513

 

Das Ende des 15. Jahrhunderts war für Schweinfurt mit außerordentlich hohen Kosten verbunden gewesen. Auch mussten immer wieder Kriege der schwachen Regierung Friedrichs III. unterstützt werden, was den Stadtsäckel zusehends leerte. Dem Rat der Stadt blieb nichts anderes übrig Zölle, Steuern und Abgaben zu erhöhen, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. das kam natürlich bei Schweinfurts Bürgern alles andere als gut an.

Immer mehr Bürger waren der Auffassung, der Rat der Stadt arbeite nicht mehr zum Wohle der Stadt. Somit bildete sich zusehends eine verschworene Gemeinschaft, deren Wirken insbesondere gegen den sogenannten inneren Rat richtete. Der Rat der Stadt Schweinfurt, gewarnt durch die Geschehnisse des Jahrhunderts zuvor, versprach aufgrund vieler Beschwerden der Bürger  und dem andauernden Gerücht, ein neuer Aufstand stehe bevor, sich der Sorgen der Bürger anzunehmen, sie anzuhören und, wo erforderlich, ihren Klagen abzuhelfen. Doch die Rädelsführer, gegen den Rat eingenommen, ließen sich nicht beruhigen beschlossen, erneut in den Rat einzudringen und dessen Sturz herbeizuführen. Als Zeit wurde die 9. Stunde des Elisabethentages (22. November) bestimmt und so läuteten um jene Zeit erneut die Glocken vom Turme der St. Johanniskirche als Startzeichen des Umsturzes. Die Handwerker legten die Arbeit nieder, die Stadttore wurden geschlossen und am Marktplatz kam es zu einem höchst agressiven Auflauf empörter Bürger. Als die Führer des Aufstandes mit einigen Bewaffneten in das Rathaus eindrangen fanden sie jedoch nur noch fünf der zwölf Ratsherren, da die anderen, vorab gewarnt, rechtzeitig die Stadt verlassen hatten. Die fünf Verbliebenen wurden gezwungen, ihren Rücktritt schriftlich zu erklären und die Rädelsführer des Aufstandes als neuen Rat anzuerkennen. Zwei der geflohenen Ratsherren jedoch hatten sich zu den Schutzherren der Stadt, den Grafen zu Henneberg, durchschlagen können und informierten diese und den Reichshauptmann.

 

Schweinfurt im Jahre 1550

Auszug (darunter auch Titel des Buches und Würzburg) aus

Muenster, Sebastian,

Cosmographei oder Beschreibung aller Laender, Herrschafften, fuernemsten Stette...

Basel:Petri, 1550.

 

weitere Ausgabe aus einer Ausgabe des 16. Jhds. der Cosmographia von Sebastian Münster 1590

 

Auszug Würzburg betreffend:

Graf Wilhelm IV. von Henneberg
Graf Wilhelm IV. von Henneberg

Graf Wilhelm IV. von Henneberg ( 10. Februar 1478 - 24. Januar 1559) begab sich daraufhin nach Schweinfurt und versuchte eine Einigung zwischen dem alten Rat und der neuen Führung herbeizuführen, was jedoch am Widerstand der Aufständischen scheiterte. Als die Streitparteien trotz weiterer Schlichtungsversuche unversöhnlich blieben, sah sich der Graf gezwungen, eine gerichtliche Untersuchung in die Wege zu leiten. Am 19. Dezember 1513 wurden die Aufrührer von dem in Mainberg tagenden Gericht für schuldig erachtet. Doch nachdem die Aufständischen sich auch diesem Urteil nicht beugen wollten blieb dem Grafen Wilhelm IV. von Henneberg kein anderer Weg als den Kaiser zu informieren.

Kaiser Maximilian I. geb, 22. Januar 1459 gest. 12. Januar 1519
Kaiser Maximilian I. geb, 22. Januar 1459 gest. 12. Januar 1519

Kaiser Maximilian I., auch der letzte Ritter genannt, war hierüber erbost und sandte einige Kommissäre nach Schweinfurt. Nachdem diese sich vom unrechtmäßigen Aufstand der neuen Führer überzeugt hatten, erstellten diese einen neuen Vertrag, der die Aufständischen weitgehend entmachtete. Dieser wurde vom Kaiser genehmigt und 13. Juni 1514 der Stadt verkündet.  Damit arrangierte man sich schließlich in Schweinfurt. Die Kommissäre hatten jedoch den kaiserlichen Befehl, die Aufständischen zu bestrafen. Trotz Bittens der Stadt, hiervon Abstand zu nehmen, wurde auch aufgrund des weiteren Verhaltens der Führer der Aufständischen schließlich die Todesstrafe gegen dieselben verhängt. Graf Wilhelm IV. musste deshalb zum Vollzug der Strafen am 13. Oktober 1514 mit 50 Reitern in die Stadt einziehen. Am Tag darauf kamen weitere Bewaffnete hinzu, die alle strategischen Punkte besetzten.

Fritz Lunkenbein beschreibt den Vorgang in seiner "Geschichte der Stadt Schweinfurt" aus dem Jahre 1914 wie folgt:

" Der Graf forderte die Namen der Rädelsführer. Der Rat entschuldigte sich, dass er nie die Namen derselben hätte erfahren können, indem sie ganz geheim gehalten worden wären. Nun zog der Graf einen Zettel aus dem Wams mit den Worten: "Dieser Zettel soll die Rädelsführer nennen". Er gab ihn seinem Kanzler, der zuerst die Hauptschuldigen, die sich auf die linke Seite stellen mussten, nannte und dann die anderen, die weniger Straffälligen. Die Häupter des Aufruhrs wurden darauf festgenommen, gebunden, auf Wägen gelegt und nach Mainberg abgeführt. Bei der Untersuchung gestanden sie alles, machten die übrigen Teilnehmer namhaft, die aber unterdessen sich größtenteils aus dem Staube gemacht hatten, worauf ihnen das Todesurteil verkündet wurde."

Am nächsten Tag wurden die Verurteilten auf dem Marktplatz enthauptet und einen weiteren Bürger, der am 6. November in Bamberg gefasst wurde, traf an jenem Tag dort das gleiche Schicksal.

Interessant sind die weiter ausgesprochenen Strafen jener Zeit. Dr. Friedrich Stein beschreibt zwei davon in seiner "Geschichte der Stadt Schweinfurt" wie folgt:

" Von weiteren 20 bestraften Aufrührern wurde Hans Schubart an den Pranger gestellt, ihm ein Brandmal auf die Stirne gebrannt und er mit Ruthen aus der Stadt getrieben, nachdem er schwören mußte, für immer die Stadt und einen Umkreis von zehn Meilen zu meiden. Ferner wurde der im äußeren Rathe gesessene, nun seiner Rathsstelle enthobene Jobst Marquard zwar todeswürdig gefunden, ihm aber das Leben geschenkt gegen Zahlung von 400 Gulden an den Amtmann und die Verpflichtung, nie die Stadt zu verlassen und stets eine genau vorgeschriebene Kleidung mit langem grauen Rocke und ungeschorenen Bart zu tragen und gegen Ausstellung einer Erklärung, daß er sich im Zuwiderhandlungsfalle der vom Rathe auszusprechenden Verhängung seiner Enthauptung unterwerfe."


Genehmigung des Vertrags Stadt und Gemeinde Schweinfurt vom 6. Februar 1515 zur Regelung der Stadtverfassung nach dem Aufstand von 1513/14, unterzeichnet von Kaiser Max I. - Danke an das Stadtarchiv Schweinfurt
Genehmigung des Vertrags Stadt und Gemeinde Schweinfurt vom 6. Februar 1515 zur Regelung der Stadtverfassung nach dem Aufstand von 1513/14, unterzeichnet von Kaiser Max I. - Danke an das Stadtarchiv Schweinfurt

Der Bauernkrieg in Schweinfurt

 

Die Zeiten in Deutschland waren im Umbruch. Die Reformation hatte eingesetzt und stellte die Kirche in ihrer ausbeuterischen absolutistischen Politik massiv in Frage. Fürsten, Adel, Beamte und Klerus lebten auf Kosten des gemeinen Volkes, insbesondere der Bauern, die in der Feudalgesellschaft ausgebeutet wurden. Zu Recht begehrten hiergegen die Bauern insbesondere im süddeutschen Raum dagegen auf, denn die Bauern gerieten immer mehr in eine Art Leibeigenschaft. Die Kirche unterstützte das arme Volk nicht im geringsten, denn diese war gegen jede Veränderung, zumal der Katholozismus jener Zeit die tragende Säule des Feudalismus war.

Der Bewegung schlossen sich nicht nur Bauern an sondern alle, die Benachteilgung in der Gesellschaft erfuhren. Sie formulierten auch klare Forderungen, die als eine frühe Formulierung von Menschenrechten bezeichnet werden können. Diese wurden manifestiert in den so genannten Memminger Zwölf Artikeln. (März 1525)

Bald schon versammelten sich auch viele Gruppen von bewaffneten Aufständigen um die Stadt Schweinfurt. Der Rat der Stadt Schweinfurt war sehr verunsichert, wie er sich nun zu dieser Bewegung stellen sollte, denn widersetzte er sich dieser, befürchtete er die Zerstörung vieler in ihrem Besitz befindlichen landwirtschaftlichen Güter. Militärische Unterstützung gegen die Bauern war nicht zu erwarten. Zudem befürchtete man einen Aufstand in der Stadt, da nicht wenige mit der neuen Bewegung sympathisierten. Um eine breite Basis in der Schweinfurter Bevölkerung zu haben, ließ der Rat der Stadt weitere 16 Personen in die Rat wählen und eine Krisensitzung folgte der anderen. Es wurden Wehrübungen abgehalten, an denen auch "Priester, Mönche, Juden und Spitalpfründner" teilhaben mussten.

Die Bauern forderten ein klares Bekenntnis der Stadt zur neuen Bewegung, doch die Stadt versuchte immer wieder eine Entscheidung hinaus zu zögern, um Zeit zu gewinnen. Als die Bauernbewegung begann Klösterhöfe in der Umgebung zu besetzen (Heidenfeld als Stützpunkt der Bauerntruppen und Bildhausen) nahm Schweinfurt selbst einige Klösterhöfe ein und gab damit seine neutrale Stellung zugunsten des Aufstandes auf, zumal auch dies dem Wunsch der Mehrheit der eigenen Bewohner entsprach. Von den aufständigen Truppen wurden nun das Kloster Schwarza, Gerolzhofen und das Schloss von Schwebheim besetzt und letzteres niedergebrannt. Am 06. Mai stellte Schweinfurt 55 Mann aus der Stadt Schweinfurt für die Truppen der Aufständigen ab. Weitere 100 Mann besetzten unter dem Kommando des Hauptmanns Lorzing und eines Schreiners Moritz das Mainberger Schloß und nahmen drei Büchsen als Beute mit, ohne dem Schloß Schaden zuzufügen. Immer mehr Aufständige sammelten sich um Schweinfurt. Am 17. Mai wurde bei einem weiteren Marsch der Bauerntruppen gegen Mainberg ein Teil des Schlosses zerstört. Kurze Zeit später zogen die aufbegehrenden Truppen weiter und wurden in verschiedenen Schlachten von Reichstruppen vernichtend geschlagen. Das Schweinfurt die Bauern unterstützt hatte, zogen 15.000 Mann der Siegertruppen nach Schweinfurt und die Stadt musste sich ihnen und ihren Forderungen unterwerfen. Die Stadt Schweinfurt musste zur Strafe 5000 Gulden zahlen, 2000 sofort und weitere 3000 ein halbes Jahr später, ihre Beziehung zu den Aufständigen abbrechen und fünf Rädelsführer ausliefern, die auf dem Marktplatz ebenfalls durch das Schwert des Scharfrichters ihre Ende fanden. Auch mussten 4566 Gulden Entschädigung an den Grafen von Henneberg gezahlt werden als Ausgleich für die teilweise Zerstörung von Schloß Mainberg.

Schweinfurt geriet hierdurch in eine schwere finanzielle Krise und die Stadt verlor weiter an Ansehen.

Die Reformation in Schweinfurt

Luther's 95 Thesen - vergrößerbar!
Luther's 95 Thesen - vergrößerbar!

Die Reformation war eine Erneuerungs- bewegung, zunächst innerhalb der katholischen Kirche, mit dem Ziel, die Kirche zu reformieren. Sie führte letztendlich zu Spaltung der Kirche in evangelisch und katholisch, doch auch die Calvinisten, Zwinglianer, Presbyterianer und Anglikaner (Großbritannien) gingen aus dieser revolutionären Bewegung hervor.

Hauptangriffspunkte der Bewegung waren vor allem der zunehmende moralische Verfall der Kirche, deren Käuflichkeit, insbes. von Ämtern, sowie der Handel mit Ablassbriefen, was nichts anderes bedeutete, als dass Sünden gegen gehörige Geldzahlung erlassen wurden und die Kirche sich auf diesem Weg massiv bereicherte. Zudem sollte die Volksnahheit wieder hergestellt werden und die Nöte der Bevölkerung wieder ernsthaft Berücksichtigung finden. Eine Konfrotation mit der päpstlichen Politik war damit unvermeidbar.

In Deutschland wurde diese Bewegung vorrangig von Martin Luther initiiert und vorangetrieben. Dieser gab seine Forderungen öffentlich durch den Anschlag der 95 lutherischen Thesen an vielen Kirchen bekannt.

Georg Spalatin
Georg Spalatin

In Schweinfurt war zunächst die Reformationsbewegung durch den Bauernkrieg ausgebremst worden. Die Sorgen der Bewohner Schweinfurts waren anderer Natur. Doch im Jahre 1532 wurde Schweinfurt massivst mit dieser konfrontiert. Kaiser Karl V. hatte zunächst versucht die Reformation zu bekämpfen. Doch der Widerstand einiger Fürsten konnte nicht gebrochen werden, denn das Reich wurde durch das Eindringen der Osmanen gefährdet und es konnte sich keinen internen Krieg leisten. Karl V. war somit zu einem Kompromiss gezwungen und leitete eine gütliche Einigung zwischen Katholiken und Protestanten ein. Die zunächst in Schmalkalden, wo der oppositionelle Schmalkaldener Bund seinen Sitz hatte, begonnenen Verhandlungen wurden im April 1532 in Schweinfurt fortgesetzt. So waren ab Ostersamstag dieses Jahres Kurfürsten, Fürsten und viele angesehene Männer des Reiches in Schweinfurt zu Gast und am Ostermontag nahm man erneut intensive Verhandlungen auf. Hier konnte man sich nicht vollständig einigen, sodass einige Wochen später erst bei einem Treffen am 23. Juli 1532 in Nürnberg ein Abkommen gefunden werden konnte.

Das Schweinfurter Treffen hatte jedoch für die Reformation in Schweinfurt massive Auswirkungen, denn der Kurprinz von Sachsen nahm hieran teil und in seinem Gefolge befand sich sein Hofprediger Georg Spalatin. Dieser hielt zunächst nur für das eigene Gefolge des Kurprinzen Predigten. Da diese öffentlich waren, fanden sich hierzu immer mehr Schweinfurter in die Liebfrauenkirche in der Frauengasse ein (am Standort der heutigen St. Salvatorkirche). Schließlich kamen so viele Zuhörer, dass Spalatin die Predigten von der Außentreppe halten musste. Der Zulauf war enorm.

Nach dem Weggang von Spalatin blieben die reformatorischen Gedanken in den Köpfen der Schweinfurter und immer mehr Messen wurden nach evangelischem Muster abgehalten.

Doch in der Folgezeit traf Schweinfurt eine schwere Pestepedemie, die 500 Menschen in der Stadt hinwegraffte. Der Stadtschreiber namens Haug wandte sich im Namen einiger Stadträte in einem Brief an Spalatin und bat um Zusendung einer Trostschrift für die Stadt in diesen schweren Zeiten. Spalatin entsprach dieser Bitte mit einer Schrift mit dem Titel: "Ein getreuer Unterricht aus Gottes Wort, von allem was ein Christenmensch wissen soll", gewidmet der Stadt mit den Worten: "Dem Rat und gemeiner Stadt zu Schweinfurt in Franken im Elend genannt" (so Friedrich Stein).

Die Reformation griff immer weiter in Schweinfurt um sich. Der Bischof von Würzburg versuchte diese zu unterbinden und sandte 200 Mann gegen Schweinfurt, als Magister Paul Lindemann dort begann, Kinder nach dem lutherischen deutschen Katechismus zu unterrichten, um diesen verhaften zu lassen. Dies misslang, da Lindemann sich rechtzeitig in Sicherheit bringen lassen konnte. In der Johanniskirche wurde zunächst die alte katholische Lehre weiter praktiziert und die Schweinfurter blieben mehr und mehr fern.

Im Jahre 1542 entschloss sich der Rat der Stadt, der neuen lutherischen Lehre zu folgen und bat den Landgrafen Philipp von Hessen, als Beschützer der Stadt (gegen den Bischof von Würzburg) aufzutreten und die Stadt in ihren reformatorischen Absichten zu unterstützen. Beides wurde gewährt und die Stadt bestellte den Magister Johann Sutellius zum reformatorischen Prediger in Schweinfurt, der zuvor acht Jahre lang in Göttingen gelehrt hatte.

Dieser kam am 19. Juni 1542 nach Schweinfurt und wirkte zunächst in der heutigen St. Salvatorkirche während die St. Johanniskirche weiter an der alten katholischen Lehre festhielt. Deren Anhängerschaft schrumpfte jedoch zusehends, sodass sich die Geistlichkeit dort schließlich zurückzog. Sutellius arbeitete eine neue Kirchenordnung für Schweinfurt aus und übernahm schließlich auch dort das Kirchenamt. Der katholische Klerus zog sich nun völlig aus Schweinfurt zurück. Selbst die Insassen des Karmeliterklosters traten zum Protestantismus über und das Kloster fand sein Ende. Nur in der außerhalb der Stadt liegenden Kilianskirche fanden noch katholische Messen statt, die wenig frequentiert wurden. Die Kilianskirche wurde 1543 durch Brandstiftung zerstört.

1547 verließ Sutellius Schweinfurt. Sein Nachfolger wurde Paul Lindemann, den der Bischof von Würzburg zuvor vertrieben hatte. Die Reformation hatte damit in Schweinfurt fest Fuß gefasst.


Schweinfurt von Osten 1595 - altkolorierter Holzschnitt - Städt. Sammlungen Schweinfurt
Schweinfurt von Osten 1595 - altkolorierter Holzschnitt - Städt. Sammlungen Schweinfurt

Die Zerstörung Schweinfurts - Das erste große Stadtverderben

Ansicht Schweinfurt's vor dem Stadtverderben; es wird vermutet, dass der Turm zwischen den beiden Stadttürmen zum Rathaus gehörte, das völlig zerstört wurde
Ansicht Schweinfurt's vor dem Stadtverderben; es wird vermutet, dass der Turm zwischen den beiden Stadttürmen zum Rathaus gehörte, das völlig zerstört wurde

Als die Gefahr durch die osmanische Invasion nachließ, konnte sich Kaiser Karl V. wieder der Innenpolitik widmen und als sich zwei Fürsten mit ihm verbündeten, konnte er das Wagnis eingehen, den Schmalkaldener Bund anzugreifen. Er erklärte Johann von Sachsen und Philipp von Hessen, dem Schutzherren Schweinfurts, in die Acht. (Die Reichsacht von Kaiser und Reich, war wider Reichsstände und Fürsten auf den Bruch des Land- und Religionsfriedens gesetzt, und beraubte den Geächteten seiner Länder, Güter, Hoheit und übrigen Rechte) Als die Truppen des Schmalkaldener Bundes an Schweinfurt vorbeizogen wurden diese von der Stadt mit versorgt. Für diese Handlungen musste die Stadt schließlich an das Reich 5000 Gulden Zahlen und 6 Wagen Proviant in das Lager des Kaisers schicken. Karl V. besiegte schließlich die Truppen des Schmalkaldener Bundes. Sein Bestreben war es nun den alten katholischen Glauben wieder im Reiche herzustellen. 1548 gab er daher eine Religionsverordnung heraus, genannt das Interim, die sowohl die Katholiken als auch die Protestanten annehmen sollten. Dies konnte jedoch nicht umgesetzt werden. Doch war es sehr schwer für die freien Reichsstädte, sich dem Interim zu widersetzen, denn dieser bestrafte diese Städte, auch Schweinfurt, mit der Einquartierung spanischer Truppen. Schweinfurt musste ihnen katholische Gottesdienste abhalten lassen. Die einquartierten Truppen schikanierten die Bevölkerung, suchten den evangelischen Gottesdienst zu hindern, schändeten Frauen und fügten der Stadt großen Schaden zu. Erst 1551 zogen sie wieder ab.

Kaiser Karl V.
Kaiser Karl V.

Dieses eigenmächtige Verhalten des Kaisers mißfiel den Fürsten und auch die verbündeten Fürsten wandten sich vom Kaiser ab. Moritz von Sachsen, Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg und Landgraf Wilhelm von Hessen marschierten gegen Kaiser Karl V. und dieser konnte ihnen gerade noch entkommen. Während Wilhelm und Moritz nun Frieden schließen wollten, weigerte sich Alcibiades und wünschte eine Fortführung der kriegerischen Auseinandersetzungen. Daraufhin schlossen auf Aufforderung des Kaisers die Städte Frankens einen Bund gegen Alcibiades, der Bamberg eroberte und dann sich vor Schweinfurt festsetzte. Von hier wollte er Würzburg erobern. Der Rat der Stadt versuchte dies zu hintertreiben, doch als Alcibiades Gerolzhofen einnahm bat man ihn über einen Gesandten, die Stadt Schweinfurt zu verschonen. Dieser versprach Schonung, wenn die Stadt ihn mit Proviant und Geld unterstütze. Man versprach es ihm, doch kurze Zeit später gelangten seine Truppen vor den Westtoren der Stadt an und diese forderten freien Zugang zur Stadt mit allen Geschützen und der Reiterei. Weiter wurde der Bau einer Holzbrücke für das Fußvolk über den Main verlangt. Sofern man seine Wünsche erfülle, so Alcibiades, werde der Stadt nicht geschehen. Man glaubte ihm und der Rat setzte die Forderungen um. Als dann der Angriff auf Würzburg erfolgen sollte vernahm man die Kunde, dass sich Braunschweiger Truppen gegen Alcibiades näherten. Dieser beschloss nun, Braunschweig anzugreifen, um die Truppen zur Rückkehr zu nötigen. Er bat die Stadt unter großen finanziellen Versprechungen, das Fußvolk für 1 1/2 Monate in der Stadt verbleiben zu lassen; dem Rat der Stadt blieb aufgrund der Wehrlosigkeit Schweinfurts nichts anderes übrig als zuzustimmen. So kam es, dass mehr als 1500 Landsknechte in die Stadt einzogen und die Geschütze wurden auf dem Marktplatz gelagert.

Kaum war Acibiades mit seiner Reiterei nach Norden gezogen, trafen die Braunschweiger Truppen ein, die zunächst kehrt machen wollten, als sie von dessen Vorhaben erfuhren. Doch der Würzburger Bischof seit jeher Feind der Stadt, sandte bewaffnete Mannen zur Unterstützung der Braunschweiger Truppen und überredete diese zur Belagerung der Stadt und eine Beschießung der Stadt begann. Doch Schweinfurt kapitulierte nicht und als die Belagerer merkten, dass sie die Gräben um Schweinfurt bei einem Überfall nicht überwinden konnten, zogen die Braunschweiger Truppen ab und der Würzburger Bischof, allein zu schwach, musste ebenfalls die Belagerung aufgeben.

Olympia Fulva Morata
Olympia Fulva Morata

Auf Befehl des Kaisers und nach erfolgter Ächtung Alcibiades zog Herzog Heinrich von Braunschweig erneut mit dem Würzburger Bischof und Unterstützung aus Nürnberg gegen die Stadt, in die sich Alcibiades erneut einquartiert hatte. Als diesem nach Belagerung und erneuten zerstörerischen Beschuss der Stadt klar wurde, dass er unterliegen werde, verliess er die Stadt und flüchtete. Kurz vor Kitzingen wurde er jedoch mit seinen Soldaten gestellt und vernichtend geschlagen. Die weitgehend duch Geschosse zerstörte Stadt Schweinfurt war nach der Flucht der Truppen Alcibiades schutzlos der Plünderei ausgesetzt und was nicht bereits zerstört war, wurde durch plündernde Truppen vernichtet. Wer konnte, versuchte zu fliehen. Wer nicht entkam wurde seines Lebens beraubt. Die berühmte Schweinfurterin Olympia Morata konnte gerade noch rechtzeitig die Stadt verlassen. 9 Tage wüteten die Plünderer und suchten nach allem Geldwerten. Nach ihrem Abzug standen außer einer Mühle nur noch 9 kleine Häuser in Schweinfurt. Alles andere war zerstört worden. Doch die Bürger Schweinfurts machten sich alsbald an den Wiederaufbau. Neben den Wohngebäuden machte man sich konsequent an den Wiederaufbau der öffentlichen Gebäude wie Kirchen, Rathaus und Schule. Am 25 November 1556 eröffnete man mit zwei Lehrern, nämlich Heunisch und Naßmann, die Schule.

Nach Zerstörung des Rathauses wurde vorübergehend der Zwinger als Rathaus genutzt bis zur Fertigstellung des heute noch genutzten Rathauses (Ausschnitt aus Gemälde, Städt. Museum)
Nach Zerstörung des Rathauses wurde vorübergehend der Zwinger als Rathaus genutzt bis zur Fertigstellung des heute noch genutzten Rathauses (Ausschnitt aus Gemälde, Städt. Museum)
Lage des Zwingers in der Altstadt
Lage des Zwingers in der Altstadt
Balthasar Rüffer III.
Balthasar Rüffer III.

Es folgte der Wiederaufbau in Schweinfurt und es entstanden einige wichtige Renaissance-Gebäude, die noch heute Wahrzeichen unserer Stadt sind:

Das Rathaus (erbaut von Nikolaus Hofmann (1570-1572)

Die Reichsvogtei (1576/1577)

Die Lateinschule/Altes Gymnasium (1582/1583)

Das Zeughaus (1589-1591)

Dies alles war letztendlich der Gegenreformation und dem Hass des Würzburger Bischofs Julius Echter gegen alles Protestantische zu verdanken, denn die Fürstbeschöfe strebten mit allen Mitteln danach, die Bevölkerung zur katholischen Kirche zurück zu zwingen. Also mussten z.B. in Würzburg und Kitzingen all jene, die nicht dem Willen des Würzburger Fürstbischofs folgen wollten, auswandern. Die armen Bauern waren an ihre Äcker gebunden und mussten sich beugen. Die Gebildeten und Wohlhabenden, ohnehin überwiegend dem protestantischen Glauben aufgrund ihrer Kritikfähigkeit verhaftet, waren da flexibler, mit der Folge, dass diese die fürstbischöflichen Städte verliessen. Dankbarer Aufnehmer dieser "Auswanderer" und damit Nutznießer war im Raum Würzburg/Bamberg die Reichsstadt Schweinfurt.

Allen voran war hier die Familie Rüffer ein wahrer Segen für Schweinfurt, die in Schweinfurt mehrere Gebäude im damalig dominierenden Renaissancestil erbauen ließ. Dies waren u.a. die Metzgergasse 16 und 10, Spitalstraße 9, der Schrotturm, Rückertstraße 2 und Kirchgasse 27. Nach ihnen ist die Rüfferstraße benannt.

Auch entstand zu jener Zeit das "Roth'sche Haus" in der Oberen Straße.

"Prospect des hochfürstlichen Julier Spitals in Würtzburg - oben mittig Darstellung Julius Echters
"Prospect des hochfürstlichen Julier Spitals in Würtzburg - oben mittig Darstellung Julius Echters

Aus dem Jahre 1583 stammt der im Museum für Stadtgeschichte in Schweinfurt ausgestellte Reichsadlerhumpen, der als "Willkommenstrunkbehälter" für besondere Gäste des Schweinfurter Bürgermeisters diente.

Er zeigt den Reichsadler mit den Wappen der Reichsstände auf den Schwingen und dem Kruzifix auf der Frontseite.

Beschreibung der Stadt Schweinfurt aus der seltenen lateinischen Ausgabe "cosmographiae universalis" aus dem Jahre 1559 von Sebastian Münster. Es handelte sich damals um das wichtigste Buch neben der Bibel und beinhaltete dem Titel nach eine "Weltbeschreibung". Hier Vor- und Rückseite - vergrößerbar

(cosmographiae universalis exprobatis quibusque authoribus tam historicis quam chorographis per Sebastianum Munsterum in unum collectae), Basilae MDLIX, Sebastianum Munsterum.

Die Beschreibung auf oben stehender Seite 670 lautet auf Deutsch wie folgt:

Kurze Beschreibung der Stadt Schweinfurt
Diese Stadt liegt am Ufer des Mains an einem sehr fruchtbaren Ort, wo Weinbau betrieben wird, Äcker bebaut werden und Wiesen und Wald überreich vorhanden sind. Cuspinian, der hier geboren ist, schreibt in seiner Chronik folgendermaßen über sie: Diese Stadt ist jetzt Reichsstadt; sie war einst Erbbesitz Ottos, des Herzogs von Schweinfurt, der zur Zeit Heinrichs III. lebte; später unterstand sie dem Römischen Kaiser, indem sie frei geworden war. Heute nimmt sie ein anderes Areal ein als früher; denn sie wurde um einen Bombardenschuß weit von ihrem alten Standort weg verlegt, der auch heute noch „alte Stadt“ genannt wird, auch wenn er keine Häuser mehr hat, sondern nur Weinberge. Sie hat einen beachtlichen Kornmarkt, der von den benachbarten Städten und Dörfern als Umschlagplatz für ihre Waren sehr angenommen ist. Denn von hier aus läßt sich auf dem Fluß das Getreide von den Käufern leicht an andere Orte, wohin sie wollen, abtransportieren. Ja es hat auch Getreidemühlen, die der ganzen Region dienlich sind; denn der Fluß wurde dort nach seinem natürlichen Lauf oder mit künstlicher Regulierung zu verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten und notwendigen Diensten eingesetzt. Diese Stadt war lange Zeit von verschiedenen Königen und Kaisern durch Verpfändung belastet worden, wovon sie sich selbst schrittweise loskaufte und wieder dem Reich unterstand; dabei mußte sie große finanzielle Belastungen auf sich nehmen, von denen sie sich bis zum heutigen Tag noch nicht völlig losmachen konnte. Denn im Jahre 1300 verpfändete König Albrecht sowohl die Stadt als auch die Burg an das Bistum Würzburg. Darauf verpfändete sie Heinrich VII., Römischer König, im Jahre 1310 an Graf Berthold von Henneberg. Zum dritten Mal bestätigte König Ludwig Schuldbriefe, die der erwähnte König dem Grafen Berthold gegeben hatte, und darüber hinaus verpfändete er die Stadt selbst noch weitergehend, nämlich zusammen mit der Burg, dem Markt, der Vogtei und allen übrigen Rechten. Zum vierten Mal verkauften die nachfolgenden Grafen von Henneberg die Hälfte des Rechts, die sie in der Stadt hatten, an das Bistum Würzburg, wobei sie ihm die Hälfte aller Einnahmen überließen, die sie von der Burg, Mark, Vogtei, Gericht, Bauernhöfen, Einkünften, Erträgen, Rechten, Gewohnheitsrechten, Zöllen, Zehnten, Schuldzinsen und anderen Rechten, die vom Reich verliehen wurden, hatten. Zum fünften Mal vermehrte Wenzel diese übermäßige Belastung noch, indem er vom Bistum Würzburg eine neue Summe Geldes annahm und Schweinfurt in noch engere Abhängigkeit von demselben brachte und die früheren Pfandbriefe von neuem bestätigte. Kurzum: diese Stadt war beinahe hundert Jahre lang durch diese Belastungen bedrängt und gequält worden, und ist noch heute nicht gänzlich davon frei, wie wir auch bereits erwähnt haben. (Übersetzung Claudia Wiener und Georg Drescher aus Mainleite 2004/II)

Karte zum Wiederaufbau 1554 - 1559     ........bitte vergrößern!
Karte zum Wiederaufbau 1554 - 1559 ........bitte vergrößern!
Karte zum Wiederaufbau 1561 - 1569 ........ bitte vergrößern!
Karte zum Wiederaufbau 1561 - 1569 ........ bitte vergrößern!
Karte zum Wiederaufbau 1570 - 1615 ....... bitte vergrößern!
Karte zum Wiederaufbau 1570 - 1615 ....... bitte vergrößern!