Die Zeit des Wiederaufbruchs und der Entnazifizierung 1945 - 1948

Nach dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte wurden zu nächst alle männlichen Einwohner Schweinfurts zusammenbeordert und einem Verhör bzw. einer Untersuchung unterzogen. All diejenigen mit offensichtlicher NS-Vergangenheit (z.B. Funktionsträger) wurden in ein Internierungslager nach Hammelburg verbracht.

Bei einigen kam es nicht so weit! Der Schweinfurter Oberbürgermeister Pösl stürzte sich aus einem Fenster oder vom Dach der Goetheschule.

Sein Nachfolger wurde Otto Stoffers, ein politisch unbelasteter Man, den die Amerikaner in dieses Amt setzten. Er war zuvor der Direktor der Gademann'schen Farbenfabrik.

In der Stadtverwaltung fand eine "Säuberung" statt. Alle Bediensteten mit nazionalsozialistischer Vergangenheit mussten ihren Posten räumen. Fast alle Lehrkräfte waren hiervon betroffen, was zunächst die gesamte Schulstruktur aus den Angeln hob. So musste dennoch zur Aufrechterhaltung des Schulunterrichtes dennoch wieder auf solche Lehrkräfte zurückgegriffen werden.

Der Kriegsschutt wird weggeräumt.....

Kriegstrümmer vor der Johanniskirche
Kriegstrümmer vor der Johanniskirche
Wiederaufbau am Albrecht-Dürer-Platz
Wiederaufbau am Albrecht-Dürer-Platz

Ende 1945/ Anfang 1946 wurden die Kriegstrümmer aus den Straßen entfernt. Durch die Stadt wurden Schienen verlegt, die bis ins Jahr 1947 hinein den Trümmerbahnfahrten dienten (siehe Foto unten). Abgeladen wurden die Trümmer gegenüber der Berufschule. Die dortige Erhebung nennt sich noch heute "Schuttberg" oder wer's romantischer mag "Monte Schuttino".

Trümmerbahn zum Schuttberg
Trümmerbahn zum Schuttberg

In der Zeit direkt nach dem Kriege war die Wohnungsnot sehr groß. Ein Zeitzeuge, der in diesen Tagen in der Franz-Schubert-Straße gegenüber der Kaserne wohnte, erinnert sich:

"Zu dieser Zeit wohnten wir, ich war 9 Jahre alt in der Franz Schubert Str. Nr. 4 gegenüber der Kaserne, dem Wohnblock Niederwerrner Str./Beethoven Str./Kilian Göbel Str./Franz Schubert Str. Da nach Kriegsende viele Osteuropäer, die in der Deutschen Armee gedient hatten, nach Schweinfurt kamen und nicht zurück in ihre Heimat wollten oder konnten und man für diese Leute Wohnungen brauchte, kam eines Tages ein Jeep der US Armee in unseren Wohnblockinnenhof  gefahren und forderte die Bewohner auf, die Wohnungen in einigen Stunden zu räumen. Der Befehl, wurde aber kurze Zeit später von der US Armee wieder zurück genommen, (zuwenig Wohnraum), sodass wir bleiben konnten. Stattdessen mussten die Bewohner am Theodor Fischer Platz ihre Wohnungen verlassen. Dort war dann Raum genug mit eigener Polizei und einem Schlagbaum. In die Kaserne und in das Kasino, in der Richard Wagner Str. sind dann Flüchtlinge eingezogen. Viele der Bewohner vom Theodor Fischer Platz, ( die in der Deutschen Armee gedient hatten,) sind in die USA ausgewandert und ehemalige Bewohner konnten wieder zurück in ihre Wohnungen."

 

Die Entnazifizierung:

 

Zur Entnazifizierung zählte die Verfolgung von Verbrechen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft begangen wurden. Neben einer möglichen strafrechtlichen Verfolgung wurden die betreffenden Personen gemäß dem Kontrollratsgesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 in fünf Kategorien eingeteilt:

  1. Hauptschuldige (das waren die Kriegsverbrecher)
  2. Belastete (Aktivisten, Militaristen und Nutznießer)
  3. Minderbelastete
  4. Mitläufer und
  5. Entlastete.

Für Deutschland verabschiedete der Alliierte Kontrollrat in Berlin ab Januar 1946 mehrere Entnazifizierungsdirektiven, anhand derer man bestimmte Persoengruppen definieren und schließlich einer gerichtlichen Untersuchung zuführen konnte.

So war das auch in Schweinfurt, wo entsprechende Spruchkammern gebildet wurde, die Belastete abzuurteilen hatten.

 

Ein Beispiel ist das Urteil der Schweinfurter Spruchkammer vom 5. Dezember 1947, das freundlicherweise Herr Werner Rüttinger aus Halle zur Verfügung gestellt hat:  (kann durch Anklicken vergrößert werden)

 

Befragungen durch das Military Government of Germany:


Wie auch anderswo, mussten sich die Schweinfurter einer Befragung durch das amerikanische Militätgovernment unterziehen. Hierzu wurden spezielle Fragebogen ausgegeben und schließlich ausgewertet. Eine Befragung folgte. Ein wichtiges Indiz war der "Auszug aus dem Wehrpass", den so manch einer wohlweislich verschwinden ließ.

Hier ein Schweinfurter Beispiel:


Der Auszug aus dem Militärpass:

 

Der Fragebogen des "Military Government of Germany":

Die Meinungen über den Einzug der amerikanischen Streitkräfte und deren Besatzung war geteilt. Manche verspürten diese als Unterdrücker und den Umstand als Niederlage, andere waren froh, dass die Nazidiktatur ein Ende gefunden hatte. Demokratie musste jedoch erst gelernt werden.

Die erste Wahl zum neuen Oberbürgermeister gewann Ignaz Schön (SPD).

 Die Stadt, noch in Trümmern liegend, versucht sich wieder zu organisieren.

Am 06. Juni 1946 findet die erste Stadtratssitzung statt.

Die erste Stadtratsitzung - zweite von links unten: Gretl Baumbach, zweiter von rechts unten: Oskar Soldmann
Die erste Stadtratsitzung - zweite von links unten: Gretl Baumbach, zweiter von rechts unten: Oskar Soldmann


Die Presse nahm 1946 am 15. Juli ihre Arbeit wieder auf. An diesem Tag erschien die erste Ausgabe der SPD-nahen Tageszeitung "Der Volkswille". Presseeinschränkung war zu jener Zeit jedoch noch an der Tagesordnung. Erst mit Wegfall der Pressbeschränkung konnte das Schweinfurter Tagblatt wieder erscheinen, das unter Verleger Hans Helferich sich schnell zur führenden Tageszeitung entwickelte, während der Volkswille mit der katholischen "Volksblatt" fusionierte und hierbei die "Schweinfurter Volkszeitung" entstand (1955).


Kinder spielen - im Hintergrund Gebäude, in denen die Spuren des Zweiten Weltkriegs zu sehen sind....
Kinder spielen - im Hintergrund Gebäude, in denen die Spuren des Zweiten Weltkriegs zu sehen sind....

 

In der wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeit der Nachkriegszeit wurden natürlich Lebensmittel rationiert ausgegeben. Hierzu gab es eigens ausgestellte Personalausweise für die Lebensmittelausgabe:

Lebensmittelmarken waren zunächst die gängige Möglichkeit, an Nahrungsmittel zu gelangen; man bewahrte sie nach Lbensmittel getrennt in besonderen Mappen
Lebensmittelmarken waren zunächst die gängige Möglichkeit, an Nahrungsmittel zu gelangen; man bewahrte sie nach Lbensmittel getrennt in besonderen Mappen


Die Wohnungssituation:

Nach den vielen Kriegszerstörungen waren Wohnungen Mangelware. Viele Familien mussten sich Wohnungen teilen, andere wohnten in Baracken oder Kellern. Es herrschte große Not bis in das Jahr 1947 hinein. Geld von Wert gab es noch nicht und es blühte der Schwarzmarkthandel. Eine große Freude war es, wenn jemand ein Care-Paket aus den USA ergatterte. Darin gab es Milchpulver, Schokolade, Kaffee, weißes Mehl und Zucker.

Erst mit der Währungsreform im Jahre 1948 entwickelte sich wieder langsam ein organisierter Handel. Doch kaum jemand hatte genügend Geld um das Notwendigste zu kaufen.


Die erste Bundestagswahl in Schweinfurt