Geschichte Schweinfurt von der Gründung bis zum Jahr 1200

Die erste Erwähnung Schweinfurts findet sich in der so genannten „ Codex Edelini“ des Klosters Weißenburg aus dem Jahre 791, in dem Besitzungen des Klosters vier Jahrzehnte zuvor aufgezählt werden. Somit ist die Existenz Schweinfurts sicher urkundlich um 750 n. Chr. nachgewiesen.

Vermutlich existierte Schweinfurt schon früher.

Es liegt die Vermutung nahe, dass der Raum Schweinfurt spätestens im Jahre 531 von Franken besiedelt wurde und hier eine Siedlung im Bereich zwischen Höllenbach (Stadtgrenze Richtung Mainberg) und Marienbach entstanden ist, denn um jene Zeit kamen viele fränkische Siedler in diesen Einzugsbereich. Diese dürften sich mit großer Wahrscheinlichkeit hier niedergelassen haben. Früheste archäologische Funde lassen sich heute bis auf das Jahr 650 datieren. Bereits für die 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts bezeugt ein Reihengräberfeld nahe der Altstadt Schweinfurt eine Siedlung. DieseSiedlungszelle entwickelte sich am Ort eines alten Straßenkreuzes, nämlich von Frankfurt nach Bamberg bzw. von Würzburg in das Grabfeld.

Im Jahre 791 wird Schweinfurt urkundlich erwähnt. Im Codex Eberhardi aus jenem Jahre ist zu entnehmen, dass das Kloster Fulda nicht nur bedeutenden Grundbesitz in Schweinfurt hatte sondern dort auch Abgaben einzog.

Bedeutung erlangte Schweinfurt im Jahre 941 mit dem ersten Markgrafen von Schweinfurt Berthold. In jener Zeit wurde von dieser Markgrafendynastie (sogenannte Babenberger) auf dem Areal der heutigen „Peterstirn“ eine Burg als Ansitz gebaut. Seine Ehefrau Eila ließ nach seinem Tod im Jahre 980 dort ein Nonnenkloster bauen und zog sich dorthin in tiefer Trauer zurück. Ihr Sohn Hezilo, der zunächst den späteren Kaiser Heinrich IV. unterstützte, soll wegen einer ausgebliebenen Belohnung seiner Treue sich gegen ihn gewandt haben. In der folgenden kriegerischen Auseinandersetzung unterlag er mit seinen Verbündeten, was eine teilweise Zerstörung der Schweinfurter Altstadt zur Folge hatte.

Heinrich IV. soll darauf hin gnadenlos die Zerstörung aller Burgen u. Siedlungen angeordnet haben, die sich gegen ihn auflehnten.

Der Legende nach soll dabei Bertholds Gattin Eila mit ihrer Frömmigkeit Schweinfurt gerettet haben. Denn als der beauftragte Bischof v. Würzburg und der Abt v. Fulda mit einer Streitmacht anrückten, sollen der Überlieferung nach diese von Eila herzlich empfangen worden sein. Diese teilten ihr mit, sie kämen jedoch nicht als Gast sondern als Vollstrecker der Rache des Königs u. hätten den Befehl, Schweinfurt in Schutt und Asche zu legen.

Daraufhin soll Eila gesagt haben: „Versucht dies rühmliche Werk, lasst eure Knechte kommen mit der haue und dem Brande, stürmt die Mauern, erschlagt meine Getreuen und führt sie hinaus an Strick und Kette, was Ihr hier an sehenden Häuptern findet. Folgt mir Ihr geweihten des Herrn, zu der Stelle, die auch Ihr ehren sollt.“ Und sie bat die beiden Geistlichen in die Klosterkirche , warf sich am Altar nieder und erhob erneut ihre Stimme: „Was Ihr tun wollt, steht bei Euch, was ich tun will verberge ich Euch nicht. Brecht Ihr das Haus, dann wird dies die Stätte, wo ich ausharre unter berstenden Mauern und brennenden Balken. Sagt dem König, dass dies das Grab der Eila ist!“ (zitiert aus Fritz Lunkenbein, Geschichte der Stadt Schweinfurt 1914)

Daraufhin soll die beiden Beauftragten tiefes Mitgefühl gegenüber der frommen Eila ergriffen haben und sie sollen Schweinfurt geschont haben und ihren Auftrag auf das Schleifen der Burg beschränkt haben. Noch heute erinnert die Eilastrasse in der Nähe des Leopoldina-Krankenhauses an die angebliche Retterin Schweinfurts.

Die Peterstirn auf einer alten Postkarte um 1915
Die Peterstirn auf einer alten Postkarte um 1915

Eine weitere Legende ist aus jener Zeit überliefert: Die Legende der Judith

Eine der beiden Töchter Hezilos soll von beispielloser Schönheit gewesen sein, sodass man allerorten von ihrer Schönheit sprach.

Auf Wunsch ihrer Mutter sei sie, damit sich perfekte Schönheit und perfekte Frömmigkeit ergänzen, in das Kloster auf der Peterstirn eingetreten.

Doch als ein böhmischer Prinz von der außergewöhnlichen Schönheit Judiths erfuhr, entschloss er sich, diese zur Gemahlin zu nehmen. Nicht einfach, da sie doch ausschließlich Gottes Dienerin sein sollte. Auch sollen die Deutschen geringschätzig gegenüber den Böhmen gewesen sein, so dass er sich keine Hoffnung machte, eine Zusage für einen Antrag zu erhalten. Deshalb entschied er sich, Judith aus dem Kloster zu entführen.

Er soll deshalb an einem Feiertage, an dem Judith die Klosterglocke zu läuten hatte, mit seinen Dienern um ein Nachtlager gebeten haben, das ihm gewährt wurde. Als Judith über den Klosterhof ging ergriff er sie und nahm sie mit auf das bereitstehende Pferd und ritt mit ihr davon. Die Verfolgung sei ohne Erfolg gewesen, so dass er glücklich Böhmen erreicht habe. Einige Diener seien jedoch gefasst und eingekerkert worden. Bei der Entführung soll Judith einen Schuh verloren haben, den die Äbtissin dem Kaiser gesandt haben soll. Als dieser den Schuh in die Hand nahm, soll dieser sich jedoch in Nichts aufgelöst haben, was dahingehend gedeutet wurde, dass die Vermählung Judiths mit dem Prinzen als gewollt angesehen sei. Zur Erinnerung daran meißelte man einen Schuh in einen Stein der Peterstirn mit dem angeblichen Datum der Entführung, dem 07.07.1021.

Nach ihr ist in Schweinfurt die Judithstraße benannt. An der Straße zur Peterstirn findet man über einer Sitznische auf der rechten Seite den in Stein gemeißelten verlorenen Schuh der Judith.

"Herzog Brzetislaw von Böhmen raubt seine Braut, die Grafentochter Judith" originale Kreide-Lithographie über Tonplatte nach einer Zeichnung von Peter Johann Nepomuk Geiger (1805 in Wien - 1880)
"Herzog Brzetislaw von Böhmen raubt seine Braut, die Grafentochter Judith" originale Kreide-Lithographie über Tonplatte nach einer Zeichnung von Peter Johann Nepomuk Geiger (1805 in Wien - 1880)

Der Sohn Hezilos Otto wurde 1048 Herzog von Schwaben. Nach seinem Tode hinterließ er „nur“ Töchter, nämlich Judith und Beatrix, die die Besitzungen unter sich teilten. Damit verlor diese Markgrafenlinie die "Manneslinie" und damit Schweinfurt an Bedeutung, auch wenn Judith Herzogin von Böhmen und Königin von Ungarn wurde. Das Nonnenkloster und die Burg wurden im 12. Jahrhundert in ein Benediktinerkloster umgewandelt.

 

Im Jahre 1853 fand man am mutmaßlichen Standort des Burg und des Klosters ein Vielzahl von Menschenknochen, was auf umfangreiche Bestattungen hinwies. Auch wurde ein eindrucksvoller Steinsarg gefunden. In ihm lag wohl Hezilo oder aber Eila, klären ließ sich dies nicht. Beide sollen jedoch dort begraben sein, denn Hezilos Mutter Eila hatte bestimmt, dass die zum Kloster gehörende Burgkirche das Familiengrab beherbergen sollte. (siehe Mainleite Heft 2 April - Juni 1962, Schweinfurt 1962, Berichte aus Leben und Kultur, Archäologie im Schweinfurter Raum)