Tagebuch aus einem KLV-Lager

Die Kinderlandverschickung (KLV) wurde vor dem Zweiten Weltkrieg nur für die Erholungsverschickung von Kindern verwendet. Meist wird unter diesem Stichwort an die erweiterte Kinderlandverschickung gedacht, bei der ab Oktober 1940 Schulkinder sowie Mütter mit Kleinkindern aus den von Bombenangriffen bedrohten deutschen Städten längerfristig in weniger gefährdeten Gebieten untergebracht wurden. Die „Reichsdienststelle KLV“ evakuierte bis zum Ende des Krieges  insgesamt mehr als 2.000.000 Kinder und versorgte dabei um die  850.000 Schüler im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, ausnahmsweise auch ältere in KLV-Lagern.

 

Nachfolgend ein Tagebuch von  Dorothea ("Dorle") Tröster, Jahrgang 1931, die dieses für den schweinfurtfuehrer zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat. Es gibt einen Einblick in das damalige Lagerleben. es stammt aus den Jahren 1943 - 1945.

Frau Dorothea Tröster hatte 1943 den ersten Jahrgang der sogenannten "Hauptschule" besucht, ein Schulzweig, der es begabten Schülern erlaubte, kostenfrei die Oerschule zu absolvieren. Nach dem Krieg wurden die Schülerinnen in der heutigen Olympia-Morata-Schule weiter unterrichtet.

Frau Dorothea Tröster in Burgpreppach 1944 bei der Kinderlandverschickung (Mitte) - bitte durch Anklicken (2mal) vergrößern!
Frau Dorothea Tröster in Burgpreppach 1944 bei der Kinderlandverschickung (Mitte) - bitte durch Anklicken (2mal) vergrößern!

Frau Dorothea Tröster zeigt in ihrem Tagebuch und ihren Briefen nicht nur das Lagerleben der Schülerinnen auf; es werden auch die Ängste aufgezeigt, die die Kinder in dieser Zeit, insbesonders um ihre Eltern, aushalten mussten. Auch wird die Ideolgie offensichtlich, die die Erziehung dieser Kinder prägte. 

"Dorle" musste am 24.03.45 das Lager verlassen, da die Kämpfe näherrückten. Die amerikanischen Truppen befanden sich da gerade bei Lohr. Das jager wurde geräumt. Ein versprochener Transport bleib aus, sodass die Mutter Karola Tröster mit 2 Fahrrädern, eines davon beschädigt, Dorle und deren Schwester Elisabeth abholte, um sie nach Schweinfurt zu bringen. Den überwiegenden Teil der Strecke von Burgpreppach nach Schweinfurt mussten Mutter und Kinder zu Fuß gehen. Die Eisenbahn fuhr nur noch Teilstrecken. Als sie sich Schweinfurt näherten, flüchteten viele mit Handkarren aus der Stadt und mahnten zur Umkehr. Trösters hatten das Glück, dass ihr Haus in der Deutschhöfer Str. 34 nur wenig beschädigt war. Der erste Kontakt mit den Amerikanern war in keiner Weise beängstigend. Frau Tröster wunderte sich jedoch damals, dass plötzlich von den Amerikanern am Lindenbrunnen und Klingenbrunnen ein warnschild aufgestellt war, dass das Wasser nicht trinkbar sei. Alle hatten dort ihr Trinkwasser bezogen.......

 

 

Dorothea Tröster erzählt....

Produktion: Werner Scholl

 

 

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KLV auf der Bettenburg
KLV auf der Bettenburg

 

Briefe aus dem KLV:

 

Ein Zeugnis aus der Zeit der Kinderlandverschickung einer Schweinfurter Schülerin in Burgpreppach:

1978 - 3. v. rechts, ganz oben - Dotothea Tröster - "Klassentreffen Kinderlandverschickung"
1978 - 3. v. rechts, ganz oben - Dotothea Tröster - "Klassentreffen Kinderlandverschickung"
1994, 50-Jahrestreffen Kinderlandverschickung Burgpreppach "Klassentreffen" - ganz links Dorothea Tröster
1994, 50-Jahrestreffen Kinderlandverschickung Burgpreppach "Klassentreffen" - ganz links Dorothea Tröster