Flakhelfer in Schweinfurt und Umgebung

Schweinfurter Flak A, B, C und D im Unterstand (Kaserne?) mit Flakhelfern - Archiv Peter Hofmann
Schweinfurter Flak A, B, C und D im Unterstand (Kaserne?) mit Flakhelfern - Archiv Peter Hofmann
Flakstellung bei Oerlenbach
Flakstellung bei Oerlenbach

Vorwort:

Schon im Jahre 1943 waren 22 schwere Flak-Batterien um Schweinfurt herum aufgestellt worden, die vom Deutschhof über Kaltenhof, Sennfeld, Grafenrheinfeld, Bergrheinfeld, Oberndorf bis Euerbach kreisförmig um die Stadt angelegt waren. Unsere Stadt Schweinfurt war den amerikanischen Bomberstäben als bestverteidigte Stadt des Deutschen Reiches bekannt.

Ab 17. August 1943 wurden jedoch immer wieder Bombenangriffe gegen Schweinfurt als eines der industriellen Zentren der Rüstungsindustrie geflogen. es half nichts, dass der Flak-Gürtel um Schweinfurt immer mehr aufgerüstet wurde. Schweinfurt war am Ende nicht nur die bestverteidigste Stadt sondern auch eine der am schwersten zerstörten Stadte.

 

Achim Schürer mit seinen Bilddokumenten aus bedrückenden Zeiten
Achim Schürer mit seinen Bilddokumenten aus bedrückenden Zeiten

Achim Schürer, einstiger Flakhelfer in Schweinfurt, wohnt heute in Würzburg. Zusammen mit Klassenkameraden war er als 15-/16-jähriger Junge als Flakhelfer, insbesondere in Schweinfurt und Umgebung und zuletzt gar als Flakführer eingeteilt. Es waren schlimme Erlebnisse, die jene Schüler während der Angriffe der alliierten Bombengeschwader erdulden mussten. Achim Schürer hat die Fakten zusammengestellt und dankenswerterweise dem Schweinfurtfuehrer zur Verfügung gestellt.

Die 5. Klasse des Realgymnasiums Würzburg wurde zur Flakhilfe in Schweinfurt herangezogen.
Die 5. Klasse des Realgymnasiums Würzburg wurde zur Flakhilfe in Schweinfurt herangezogen.

Die damaligen Luftwaffenhelfer (von links oben): Dieter Wilhelm, Kurt Bauer, Weiß, Manfred Schamberger, Holzknecht, Küffner, Wischert, Erich Schramm, Korn, (unten) Leander Rüfer, Achim Schürer, Beil.

Im Jahre 2014 bei der 70-Jahres-Feier im Bürgerspital Würzburg: (von links) Franz Klein, Walter Raeth, Kurt Bauer, Ernst Dellert, Achim Schürer, Manfred Schamberger, Dieter Wilhelm, Erich Schramm und Leander Rüfer.

Am 8,8-Geschütz Achim Schürer
Am 8,8-Geschütz Achim Schürer
 Am Funkmessgerät Kurt Bauer
Am Funkmessgerät Kurt Bauer
Batterie Flakabtlg. 639 in Hambach - Geschützstaffel
Batterie Flakabtlg. 639 in Hambach - Geschützstaffel
beim Kartoffelschälen (Hambach)
beim Kartoffelschälen (Hambach)
Flakscheinwerfer 708, wurde von Frauen bedient - hier die Gruppe bei Hambach
Flakscheinwerfer 708, wurde von Frauen bedient - hier die Gruppe bei Hambach

Die Erlebnisse der ehemaligen Schüler als Flakhelfer in Schweinfurt und Umgebung haben diese zusammengeschweißt. Immer wieder trafen sich die Überlebenden. Zum 70-jährigen Jubiläum waren 9 der damals 33 Schüler zusammengekommen, um ihre Gedanken an die damalige schwere Zeit erneut auszutauschen.

Schweinfurt war ein besonderes Ziel der allierte Bomberverbände. Viele Flaks mussten zur Abwehr der Angriffe bedient werden. Schweinfurt war mit einer besonders großen Zahl von Fliegerabwehrkanonen ausgestattet, denn es galt, die Rüstungsmaschinerie zu schützen, so gut das möglich war.

Der Schweinfurter Hauptbahnhof war bereits 1943 bei einem Bombenangriff zerstört worden - es war der erste Eindruck der Ankommenden von der zu verteidigenden Stadt Schweinfurt
Der Schweinfurter Hauptbahnhof war bereits 1943 bei einem Bombenangriff zerstört worden - es war der erste Eindruck der Ankommenden von der zu verteidigenden Stadt Schweinfurt
Eisenbahnflak
Eisenbahnflak

Zum Bild oben: Über die Zahl der mobilen Eisenbahnflak-Batterien gehen die Meinungen auseinander. Vier Batterien sind nachgewiesen: Eine auf dem alten Fabrikgleis von Kugelfischer, eine auf dem Abstellgleis von Niederwerrn, eine auf einem Nebengleis im Wäldchen beim Bahnhof Bergrheinfeld, eine auf einem Abstellgleis in Gochsheim. Sie hatten die schweren 10,5cm-Geschütze. Luftwaffenhelfer kamen auf diesen Eisenbahnflaks nicht zum Einsatz.

 

So kamen auch die 33 Schüler der 5. Klasse des damaligen Realgymnasiums in Schweinfurt zum Einsatz, damals überwiegend im Alter von 15 oder 16 Jahren. Bei vielen Angriffen mussten sie, so Schürer, ein "Höllenszenario" durchleiden. Schwer trafen sie die Verluste der Kameraden, die sie hinnehmen mussten. Genau schilderten sie den Tod ihres Kameraden und Mitschülers Anton Steffan. Einige Mitschüler waren von einer Mine im Westen Schweinfurts getroffen und getötet worden. Anton Steffan fanden sie noch lebend vor. Achim Schürer und Karl-Heinz Korn brachten ihn so schnell wie möglich zum Sanitätsbunker, wo dieser eine schmerzstillende Spritze erhielt. Mehr konnte für ihren todgeweihten Freund nicht getan werden. "Mir ist so kalt", sagte dieser dort noch. Achim Schürer harrte an seinem Sterbebett aus, sprach ihn immer wieder an, erhielt jedoch keine Antwort mehr. Plötzlich erschlaffte Anton Steffans Hand und die Atmung blieb aus. Achim Schürer verspürte nur noch Verzweiflung.

Schwere Batterie - Flakabteilung 451 in Sennfeld - hier Vereidigung im Willy-Sachs-Stadion
Schwere Batterie - Flakabteilung 451 in Sennfeld - hier Vereidigung im Willy-Sachs-Stadion
Waffenunterricht im Geschützstand - Flakabteilung 451 in Sennfeld
Waffenunterricht im Geschützstand - Flakabteilung 451 in Sennfeld
Freizeitgestaltung - Flakabteilung 451 in Sennfeld
Freizeitgestaltung - Flakabteilung 451 in Sennfeld

Anfang Januar 1944 waren sie noch alle vereint in ihrem Klassenzimmer gesessen. Am 6. Januar fuhren sie, noch guten Mutes, in einem Personenzug nach Schweinfurt, wo sie in der Friedenschule einquartiert wurden. Sie sollten nun zum Ausbildungszug der 4. Batterie der leichten Flak gehören. Vier Wochen dauerte die schnell absolvierte Grundausbildung und anschließend mussten sie ihre Stellungen auf den Mainwiesen gegenüber dem Werk II der heutigen SKF, damals Vereinigte Kugellagerwerke,  beziehen.

4. schw. Flakabteilung Schweinfurt - Deutschhof - Leutnant Grunau
4. schw. Flakabteilung Schweinfurt - Deutschhof - Leutnant Grunau
Weihnachten 1944 - Ossi Gerlach, Ludwig Wiener u. Achim Schürer
Weihnachten 1944 - Ossi Gerlach, Ludwig Wiener u. Achim Schürer

Am 24. Februar 1944, 13 Uhr,  wurde es schließlich ernst. Der erste von drei Angriffen der amerikanischen Luftflotte an diesem Tag brach über Schweinfurt herein. Die Gruppe wurde in Oberndorf zu Löscharbeiten herangezogen und halfen, wichtige Gegenstände aus den Flammen zu bergen. Um 21:30 wurde erneut Alarm gegeben. Nun waren britische Flugzeuge im Anflug. Schürer weiß noch genau, dass um ihre Stellung ein Regen von Stabbrand- und Sprengbomben einschlug. Eine Stunde später erfolgte der dritte Angriff, sieben Luftwaffenhelfer starben dabei, etliche wurden verletzt.

Schürer wurde in den letzten Tagen des Krieges zum "Flakführer" befördert. Eine völlig überflüssige Maßnahme, weiß er zu berichten, denn Munition war so gut wie keine mehr vorhanden. Weiterer Widerstand war ohnehin sinnlos. der Zusammenbruch des Deutschen Reiches war klar erkennbar. Alle wurden nur noch von Angst beherrscht, die sich von Angriff zu Angriff steigerte.

Die Flak am Deutschhof in Schweinfurt:

Ossi Gerlach am Zünderstelltopf der 8,8 - 4.schwere Flakabteilung 639
Ossi Gerlach am Zünderstelltopf der 8,8 - 4.schwere Flakabteilung 639
Achim Schürer am Funkmeßgerät - 4.schwere Flakabteilung 639
Achim Schürer am Funkmeßgerät - 4.schwere Flakabteilung 639
Ossi Gerlach und Ludwig Wiener (später Chefredakteur des Schweinfurter Tagblatt am FuMG - 4.schwere Flakabteilung 639
Ossi Gerlach und Ludwig Wiener (später Chefredakteur des Schweinfurter Tagblatt am FuMG - 4.schwere Flakabteilung 639
Unteroffizier Diwald disziplinar. Vorgesetzter FuMG - 4.schwere Flakabteilung 639
Unteroffizier Diwald disziplinar. Vorgesetzter FuMG - 4.schwere Flakabteilung 639
Baracke in der Batterie Deutschhof - vorn rechts Heribert von Kannen
Baracke in der Batterie Deutschhof - vorn rechts Heribert von Kannen
Heinz Korn
Heinz Korn
Dieter Gündert
Dieter Gündert

 

Die Stellung in Grafenrheinfeld:

Sommer 1944, die Luftwaffenhelfer der Oberschule Bamberg bei der 6. schweren 458 in der Stellung Grafenrheinfeld - Fährhaus
Sommer 1944, die Luftwaffenhelfer der Oberschule Bamberg bei der 6. schweren 458 in der Stellung Grafenrheinfeld - Fährhaus
An heißen Tagen wurde Marscherleichterung befohlen: Stahlhelm, Turnhose, Socken u. Stiefel - das gab's in fast allen Batterien. Der Main wurde dann zur Erfrischung genutzt.
An heißen Tagen wurde Marscherleichterung befohlen: Stahlhelm, Turnhose, Socken u. Stiefel - das gab's in fast allen Batterien. Der Main wurde dann zur Erfrischung genutzt.
Georg Jöhle
Georg Jöhle

Georg Jöhle, Jahrgang 1928, Schüler der kaufmännischen Handelsschule in der Maxschule in Würzburg; er wurde im Juli 1944 als Luftwaffenhelfer nach Schweinfurt zu der 4. schweren 482 eingezogen - Standort der Batterie war Grafenrheinfeld/Fährhaus, die Batterie kam aus Karelien/Finnland.

In Grafenrheinfeld lag noch eine RAD-Batterie, die aus Paris nach Grafenrheinfeld verlegt worden war.

Im November wurden die Lehrlinge von Grafenrheinfeld zur Batterie 7. schwere 639 verlegt - Standort Kaltenhof, der zu diesem Zeitpunkt 3 Batterien umfasste.

Im Januar wurde die Lehrlingsklasse zuerst nach Görlitz und bereits 4 Wochen später nach Brüx in der Tschoslowakei zum Schutz der Hydrierwerke verlegt.

 

v.l. Oberleutnant Dr. Meier-Wegelin, Batteriechef, Leutnant Stret
v.l. Oberleutnant Dr. Meier-Wegelin, Batteriechef, Leutnant Stret
rechts Georg Jöhle
rechts Georg Jöhle

 

Batterie Spitalholz:

 

9.April 1944 - Ankunft von Schülern der Oberschule für Jungen Weißenburg auf dem zerstörten Schweinfurter Bahnhof; sie wurden in der Batterie Spitalholz eingesetzt
9.April 1944 - Ankunft von Schülern der Oberschule für Jungen Weißenburg auf dem zerstörten Schweinfurter Bahnhof; sie wurden in der Batterie Spitalholz eingesetzt
Batterie Spitalholz feuert bei Angriff
Batterie Spitalholz feuert bei Angriff

 

Stellung Panzerkaserne/Schweinfurter Flugplatz

Luftwaffenhelfer der Aufbauschule Coburg wurden beim II.Zug der ersten leichten Batterie Untergruppe 953 eingesetzt; die Stzellung lag bei der Panzerkaserne. Der Zug hatte 3 3,7cm-Geschütze. Im April 1944 wurde der Zug an den Schweinfurter Flugplatz verlegt. Das Bild oben zeigt den Umzug mit Traktor und Anhänger.

Im Dezember 1944 / Januar 1945 hoben die Mannschaften der schweren Batterien rund um ihre Stellungen mit Spaten und Schaufel Deckungslöcher aus. darin wurde ein dicker Holzpfahl eingeschlagen, auf dem zur Nahverteidigung ein ZwillingsMG montiert wurde. Dabei kamen MG15, MG17, MG131 sowie BeuteMGs zum Einsatz.

Luftwaffenhelfer der Ausbauschule f. Jungen in Coburg werden für ihr tapferes Verhalten bei den Angriffen am 24.02.1944 und 13.04.1944 mit dem Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern 2. Klasse ausgezeichnet.
Luftwaffenhelfer der Ausbauschule f. Jungen in Coburg werden für ihr tapferes Verhalten bei den Angriffen am 24.02.1944 und 13.04.1944 mit dem Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern 2. Klasse ausgezeichnet.

Beim Angriff vom 13.04.1944 kamen 5 Luftwaffenhelfer ums Leben.

 

Batterie Euerbach

3.schwere 639 in Euerbach
3.schwere 639 in Euerbach
3.schwere 639 in Euerbach
3.schwere 639 in Euerbach
3.schwere 639 in Euerbach - abgeschossene He 111 - im Hintergrund Radargerät Würzburgriese der Luftwaffen-Jagdflugzeug-Leitstelle
3.schwere 639 in Euerbach - abgeschossene He 111 - im Hintergrund Radargerät Würzburgriese der Luftwaffen-Jagdflugzeug-Leitstelle
3.schwere 639 in Euerbach
3.schwere 639 in Euerbach

 

Weitere Fotos:

Die 3 nachfolgenden Fotos zeigen Fotos (aufgenommen von Hilde Tidemann) mit russischen "Hilfswilligen"

Russische Hilswillige, meist Weißrussen oder Ukrainer
Russische Hilswillige, meist Weißrussen oder Ukrainer
Im "Finnenzelt" - Unterkunft für die russischen Hilfswilligen
Im "Finnenzelt" - Unterkunft für die russischen Hilfswilligen
Luftwaffenhelfer vor dem Finnenzelt
Luftwaffenhelfer vor dem Finnenzelt

 

Die Angriffe auf Schweinfurt:


Weitere Schweinfurter Flak-Fotos (Besitz Peter Hofmann):

Im Feld 1939
Im Feld 1939
Im Feld 1939
Im Feld 1939
Einweisung - Jahr unbekannt
Einweisung - Jahr unbekannt
Im Feld 1940
Im Feld 1940
Übung 1940
Übung 1940
Im Feld in Aktion - Jahr unbekannt
Im Feld in Aktion - Jahr unbekannt

 

Einige Fotos von den Zerstörungen:

mehr finden Sie hier

Neutorstraße
Neutorstraße
Die Reste des schönen Lebküchnerhauses
Die Reste des schönen Lebküchnerhauses