Die alten Stadttore von Schweinfurt

Grußkarte mit Schweinfurter Toren
Grußkarte mit Schweinfurter Toren

Das Brückentor

Das Brückentor mit der Staubbrücke
Das Brückentor mit der Staubbrücke

Das Brückentor war als Doppeltor gestaltet. Das äußere Tor ging in die wegen der Belag bedingt heftigen Staubentwicklung Staubbrücke genannten Überführung über den Main über. Am Außentor des Brückentors stand geschrieben:

Gott lasse stets in Deutschlands Grenzen

Die neue Friedenssonne glänzen

Vom Brückentor aus gab es auch eine Öffnung zu einer Treppe, die in Richtung mainaufwärts die Stiegen hinabführte. Dies war dias "Gerberstieglein", das die Schweinfurter Gerber nutzten, um ihre Felle im Main waschen zu können.

1532 tagte am zweiten Ostertag eine Religionsversamlung im Haus zwischen den beiden Türmen, an der der Mainzer und der Pfälzer Kurfürst swie der Kurprinz von Sachsen und der berühmte evangelische Prediger Spalatin teilnahmen.

Dahinter befand sich der Zwinger, der nach dem zweiten Stadtverderben bis zum Neubau des Rathauses im jahre 1572 auch als Treffpunkt der Schweinfurter Räte genutzt wurde. Dort gründeten übrigens auch die vier Schweinfurter Ärzte Johann Lorenz Bausch, Johann Michael Fehr, Georg Balthasar Metzger und Georg Balthasar Wohlfahrt die "Academia naturae curiosorum", die später in die Leopoldina-Akademie (Deutsche Akademie der Naturforscher) überging.

Links des Brückentors sehen Sie auf nebenstehendem Bild die große Mainmühle, an deren Stelle heute die ehemalige Kunstmühle (Mehlmühle) steht.

Die Schweinfurter des 19. Jahrhunderts hatten mehr die "Moderne" im Sinn als die Bewahrung alter Gebäude. 1832 wurde das äußere und 1833 das innere Brückentor abgerissen. Der Zwinger - eine historische Stätte - musste 1853 dem Eisenbahnbau weichen.

Der Zwinger -Zeichnung vermutlich von C. Sattler - Stadtarchiv
Der Zwinger -Zeichnung vermutlich von C. Sattler - Stadtarchiv
Aquarell aus dem Jahre 1787 - Gesamtansicht - bitte vergrößern!
Aquarell aus dem Jahre 1787 - Gesamtansicht - bitte vergrößern!

 Von links beginnend, stellt die Ansicht folgendes dar:

1. Eingang zum Wall

2, Das Zollhaus

3. Tor (inneres Brückentor) zur Staubbrücke (Mainbrücke)

4. Müller-Wohnung

5. Eingang zur Mühle

6. Mühlschreiber-Wohnung

7. Brücken-Schmiede

Zentral dargestellt ist das Tor zur Staubbrücke, jene gedeckte Holzbrücke über den Main, die 1575 bis 1578 unter der Leitung des Baumeisters Andreas Zink erbaut worden sein soll (so stand dies zumindest an einem Hangsäulenkopf, der im Jahre 1783 durch Eiswasser verloren ging) *1).

Dass es sich bei dem Aquarell um eine ernst zu nehmende und realistische Darstellung handelt wird deutlich, wenn man verschiedene andere Quellen zu Rate zieht.

So stellt die Zeichnung von Joseph Friedrich Leopold „Die Reichsstadt um das Jahr 1650“ neben der Staubbrücke an gleicher Stelle des „Eingangs zur Mühle“ die große Mainmühle dar. *2) Gut erkennbar ist die an das Brückentor anschließende Mühle auf dem nur 4 Jahre vor dem Aquarell entstandene „Prospect der Reichs Stadt Schweinfurth von der Mittagsseite“ *3)

Auffällige Parallelen zeigt auch der „Aufriss der Staubbrücke“ von Johann Balthasar Tauber aus dem Jahre 1809, bei dem das Zollhaus absolut identisch dargestellt wird, jedoch nur dieses und die beiden Gebäude daneben aus West-Sicht darstellt *4) Es zeigt einen Teil des inneren Brückentors, das Zollhaus, dann, abweichend vom Aquarell eine mit Rundbogen versehene Abgrenzungsmauer zum „Baurischen Garten“, auf dem Aquarell wohl in Holzpalisaden dargestellt (eben 15 Jahre zuvor) sowie stadteinwärts an das Zollhaus angrenzend das dort als „Thorwarths Haus“ bezeichnete Gebäude (auf dem Aquarell als „Eingang zum Wall“ bezeichnet).

Erwähnung findet die auf dem Aquarell rechts abgebildete „Brücken-Schmidte“ auch in Bundschuhs Beschreibung der Reichsstadt Schweinfurt. Es wird dort ausgeführt: „Zunächst an die Mühle stößt der Bauhof, mit dem Haus des Modellmeisters sowie zweyer Schmidten. Eine für den Huf- und Waffenschmied; die andere für einen Bohrerschmied oder Schlosser.“ *6)

Die auf dem Aquarell abgebildete „Müller-Wohnung“ findet auch Erwähnung in der „Beschreibung der Reichstadt Schweinfurt“: „ Die aus 16 Gängen bestehende Mühle, nebst den dazu gehörigen Gebäuden, als der 3 Müller Wohnungen..... *5)


*1) J.K. Bundschuh, Beschreibung der Reichsstadt Schweinfurt, 1802, S.23;

*2) Hubert Gutermann, Alt – Schweinfurt, 12. Auflage S. 8

*3) Zeitreise, Schweinfurt – von der Freien Reichsstadt zur Industriestadt, 1985; S. 58;

*4) Dr. Saffert, Studien zur Geschichte der Stadt Schweinfurt, 1993, in „Geplanter Neubau der Staubbrücke“, S. 172;

*5) J.K. Bundschuh; Beschreibung der Reichsstadt Schweinfurt, 1802; S. 16;

*6) Dort S. 17/18;


Das Fischertor

Der Fischerturm
Der Fischerturm

Das Fischertor ist in Schweinfurt auch unter Namen Maintor oder Fischerpforte bekannt gewesen. Dem Namen entsprechend diente es vorrangig dem Ein- und Ausgang der Schweinfurter Fischer. Diesen war im Gegensatz zu anderen, die Schweinfurt des Nachts betreten wollten und dann ein Sperrgeld zahlen mussten, zu jeder Tages- und Nachtzeit der kostenfreie Eintritt oder Austritt möglich. Erst im Jahre 1838 wurde diese Art der "Torsperre" aufgehoben.

Auch der Fischerturm musste 1853 dem Projekt "Eisenbahn" geopfert werden.


Das Mühltor

Zweifellos war das Mühltor das attraktivste Tor der Stadt. Es stand am Ende der heutigen Rückertstraße, der früheren Mühlgasse, in Höhe des Walls, was auf dem unter diesen Zeilen befindlichen Foto sehr gut zu erkennen ist.

Dort stand einst am Marienbach eine Mühle, weshalb es seinen Namen erhielt. Dies führte gelegentlich zu Irritationen, denn neben der großen Mainmühle befand sich das Brückentor.

Die Mühle am Mühltor wurde jedoch bereits im Dreißigjährigen Krieg komplett zerstört, weshalb das Tor vorübergehend auch den Namen "Neues Tor" trug, da es nach dem Zweiten Stadtverderben neu und stärker wieder aufgebaut worden war.

Das Tor wurde am 23. September 1564 in Betrieb genommen. Von dort führte eine Schlagbrücke über den Graben zu einer vorgelagerten Schanze.

Das Mühltor wurde leider 1876 beseitigt.

Die Rückertstraße, am Ende das Mühltors, 10 Jahre vor seiner Beseitigung
Die Rückertstraße, am Ende das Mühltors, 10 Jahre vor seiner Beseitigung
Das Mühltor von Osten
Das Mühltor von Osten

Das Spitaltor

Das Spitaltor
Das Spitaltor

Das Spitaltor stand zwischen der katholischen Heilig-Geist-Kirche etwas Richtung Einmündung Rüfferstraße und dem Steinwegschulhaus. Die Schultesstraße hieß früher auch Steinweg. Die Vorgängerkirche der Heilig-Geist-Kirche war auch Spitalkirche genannt worden.

Schaut man das Bild an. das man farbig im Schweinfurter Museum für Stadtgeschichte bewundern kann (ebenso die anderen Gemälde der Stadttore), so sieht man ganz links am Bildrand den Eingang zum Alten Friedhof

Direkt danach das frühere Armenhaus, das 1971 weichen musste, dahinter erkenntlich die Turmspitze des einstigen Basteiturmes, der 1880 abgetragen wurde. Der Spitalturm selbst fiel bereits 1870 der "Modernisierung" zum Opfer.

Bei dem Bau des neuen Domizils des Schweinfurter Tagblatts neben der Musikschule wurde die Spitaltorbrücke wieder entdeckt und sichtbar und zugänglich konserviert.

Auf diesem Blick über den Main ist das Spitaltor noch prägend für das Stadtbild von Schweinfurt - Foto vor 1870 - bitte vergrößern!
Auf diesem Blick über den Main ist das Spitaltor noch prägend für das Stadtbild von Schweinfurt - Foto vor 1870 - bitte vergrößern!

Das Obertor

Das Obertor
Das Obertor

Das Obertor stand  direkt am Haus Kornmarkt 17 (ehemaliges Fichtel'sches Haus), das man auf dem Bild links neben dem Turm sieht. Der Turm wurde mehrfach schwer beschädigt, zuerst im Markgräflichen Krieg 1554 und erneut im April 1647 während des Dreißigjährigen Kriegs als die Schwedischen Truppen die Stadt mit Kanonenkugeln beregneten. Das Obertor soll damals wie ein Sieb durchlöchert worden sein.

Er wurde jedoch sofort wieder aufgebaut und 1728 wurde vor dem Tor ein steinerne Brücke über den Stadtgraben gebaut. Außerhalb des Tores befanden sich zwei Schanzen, die heute Grünanlagen überdecken.

Auch das Obertor fiel dem stärker werdenden Verkehr zum Opfer....

 

Artikel aus "Unser Werk und wir" der Firma Kugelfischer 2. Jahrgang Heft 4 Sept/Okt 1940