Saalbau

einst Neutorstraße 1

Der Saalbau stand in etwa dort, wo heute sich das Stadttheater befindet.

 1898
1898

Dr. Saffert führt in einer Abhandlung zu dieser Gaststätte folgendes aus: "Der biedermeierliche Vorderbau des Saalbaus entstand vor 1833. Er gehörte 1846 der Witwe des Kaufmanns Kaspar Schöner und war zunächst als Wohnhaus erbaut worden, hinein in die Christinenschanze, auch "Kalte Herberge" genannt, aus der zum Zweck des Baues eine große Baugrube herausgegraben werden musste. Auf dieser Schanze oder Bastei entstand später Schweinfurts gemütlichster Wirtschaftsgarten mit einem muschelförmig überdachten Orchesterpodium; vom Garten mit seiner Terrasse konnte man die Neutorstraße (der Saalbau trug die Nr.1) überblicken, ohne selbst gesehen zu werden. Im September 1847 bekam der Gartenwirt Michael Schad, der das Anwesen erworben hatte, eine Wirtschaftskonzession. 1875 betrieben Michael Schads Relikten, d.h. seine Erben, die Töchter Marie und Sophie, die Restauration und Gartenwirtschaft "Schads Schanze". Neben der Eingangstür erkennt man den Treppenaufgang zum Garten, der später über eine breite, bequeme Freitreppe zu erreichen war.Im Erdgeschoss befanden sich die Gasträume, im ersten Stock hielt seit 1886 der 1833 gegründete Liederkranz seine regelmäßigen Gesangsübungen am Donnerstag jeder Woche ab. In der Mansarde befand sich die Wohnung der Witwe. Da seit Jahren die Erbauung eines größeren Saales zum dringenden Bedürfnis geworden war, schlossen sich im Frühjahr 1887 der Liederkranz, der Gesangsverein 1865, die Turngemeinde, Sängerlust, Frohsinn, Concordia (beides Geselligkeitsvereine) und der Velociped-Club (ein 1880 gegründeter Radfahrerverein) zusammen und ließen nach einem Plan des Münchner Architekten Ludwig Freytag, eines geborenen Schweinfurters, an die Schadsschanze den eigentlichen Saalbau anbauen. Er wurde am 17. Dezember 1887 feierlich eingeweiht. Im Laufe der Jahrzehnte fanden dort viele rauschende Feste und - vor allem zwischen 1918 und 1933 - zahlreiche politische Veranstaltungen statt."

Seite aus Schweinfurter Tagblatt vom Samstag, 15. April 1865 mit Anzeige der "Schads-Schanze"
Seite aus Schweinfurter Tagblatt vom Samstag, 15. April 1865 mit Anzeige der "Schads-Schanze"

1901 wurde die "Schads-Schanze" von "Restaurateur" Konstantin Brendel und später, ab 1904, von seiner Witwe betrieben. Ab 1908 gehörte die Immobilie der Brauhaus GmbH. Der bekannteste Gastwirt im Saalbau, Michael Mayer, übernahm 1913 diese Lokalität. Er verpachtete ab 1937 die Gaststätte an den Gastwirt Heinrich Fischer. Dieser betrieb das Lokal bis es 1944 bei einem Bombenangriff völlig zerstört wurde.

1898 - Danke an Peter Wiegand
1898 - Danke an Peter Wiegand
Veranstaltung des Liederkranzes im Saalbau 6. Mai 1905
Veranstaltung des Liederkranzes im Saalbau 6. Mai 1905
März 1922 - Liederabend des Konzert-Vereins Schweinfurt
März 1922 - Liederabend des Konzert-Vereins Schweinfurt
Pferdelieferwagen der Brauerei Wagner vor dem Saalbau - ca. 1910
Pferdelieferwagen der Brauerei Wagner vor dem Saalbau - ca. 1910
Festsaal 1908
Festsaal 1908
Der Festssal 1915
Der Festssal 1915
um 1916
um 1916
Reservisten am Saalbau Meyer
Reservisten am Saalbau Meyer

Der Saalbau war nicht ununterbrochen eine Gaststätte. Von 1915 bis 1919 diente er dem Zweiten Ersatzbataillon des 9. Bayerischen Infanterie-Regiments als Unterkunft. Dieses war im Saalbau, im Harmoniegebäude und in der Turnhalle des Celtisgymnasiums untergebracht.

Reklame aus dem Jahr 1921
Reklame aus dem Jahr 1921
Studiengenossenfest am 13. - 15. Juli 1926 im Saalbau Mayer in Schweinfurt (an dieser Stelle steht heute das Stadttheater)
Studiengenossenfest am 13. - 15. Juli 1926 im Saalbau Mayer in Schweinfurt (an dieser Stelle steht heute das Stadttheater)

Dr. E. Saffert, Schweinfurter Historiker, schrieb zum Saalbau folgendes:

Der biedermeierliche Vorderbau des "Saalbaus" entstand vor 1833. Er gehörte 1846 der Witwe des Kaufmanns Kaspar Schöner und war zunächst als Wohnhaus erbaut worden, hinein in die "Christinenschanze", auch "Alte Herberge" genannt, aus der zum Zweck des Baues eine große Baugrube herausgegraben werden musste. Auf dieser Schanze oder Bastei entstand später Schweinfurts gemütlichster Wirtschaftsgarten mit einem muschelförmig überdachten Orchsterpodium; vom Garten mit seiner Terrasse konnte man die Neutorstraße (der "saalbau" trug die Hausnummer 1) überblicken, ohne selbst gesehen zu werden. Im September 1847 bekam der "Gartenwirth" Michael Schäd, der das Anwesen erworben hatte, eine Wirtschaftskonzession. 1875 betrieben Michael Schads "Relikten", d.h. seine Erben, die Töchter Marie und Sophie, die Restauration & Gartenwirtschaft Schads Schanze". Neben der Eingangstür erkennt man den Treppenaufgang zum Garten, der später über eine breite, bequeme Freitreppe zu erreichen war. Im Erdgeschoss befanden sich die Gasträume, im ersten Stock hielt seit 1886 der 1833 gegründete "Liederkranz" seine regelmäßigen "Gesangsübungen am Donnerstag jeder Woche" ab. In der Mansarde befand sich die Wohnung der Wirte. Da " seit Jahren die Erbauung eines größeren Saales zum dringenden Bedürfnis geworden" war, schlossen sich im frühjahr 1887 der "Liederkranz", der "Gesangverein 1865", die "Turngemeinde", "Sängerlust", "Frohsinn", "Concordia" (beides Geselligkeitsvereine) und der "Velocipedclub" (ein 1880 gegründeter Radfahrerverein) zusammen und ließen nach einem Plan des Münchner Architekten Ludwig Freytag, eines geborenen Schweinfurters, an die Schad-Schanze den eigentlichen "Saalbau" anbauen. Er wurde am 17. Dezember 1887 feierlich eingeweiht. Im Laufe der Jahrzehnte fanden dort viele rauschende Feste und - vor allem zwischen 1918-1933 - zahlreiche politische Veranstaltungen statt.
"
Von 1915 bis 1919 war der Saalbau Kaserne. Seit dem 17. März 1915 lag in Schweinfurt das II. Ersatzbataillon des 9. Bayerischen Infanterie-Regiments (Würzburg) in Garnison; die Soldaten waren im Saalbau, im Steinwegschulhaus (Polizeigebäude in der Schultesstraße, heute Musikschule), im Harmonie-Gebäude und in der Turnhalle des Celtis-Gymnasiums untergebracht. 1901 wurde die Schads-Schanze von dem "Restaurateur" Konstantin Brendel und ab 1904 von seiner Witwe bewirtschaftet. 1908 gehörte das Anwesen der Brauhaus GmbH. 1913 war der Gastwirt Michel Mayer besitzer, der die erwähnte Freitreppe erbauen und an deren Wand die Inschrift "Saalbau Mayer" anbringen ließ. 1937 verpachtete er das Anwesen, zu dem auch ein großer, bis zur Stadtmauer reichender Obstgarten gehörte, an den Gastwirt Heinrich Fischer. 1944 wurde der "Saalbau" völlig zerstört. An seiner Stelle errichtete die Stadt Schweinfurt nach Abtragung des Schanzenrestes das 1966 eingeweihte Theater."

Zum nachstehenden Foto führte Dr. Saffert folgendes aus: " Die festlich gedeckte Tafel auf dem Bild - sie zeigt noch die Kunst des vielfachen Serviettenfaltens - stand im Saal der Gastwirtschaft "Saalbau". Von der Bühne aus sieht man die Mittelgalerie, eine Seitengalerie und das Tonnengewölbe mit seinen Stützen und Gurten. Die Holzkonstruktion gab dem Saal die beste Akustik aller Schweinfurter Säle. Die Türen unter der linken Seitengalerie führten in den kleinen Saal, die unter der Mittelgalerie in das "Liederkranz-Zimmer". Unter der Bühne befand sich noch ein kleiner gemütlicher Gastraum, die "Hölle"."

Unter der Bühne des Saales, der damals die beste Akustik in der ganzen Stadt hatte, befand sich ein besonderer Gastraum, den man die Hölle nannte.
Unter der Bühne des Saales, der damals die beste Akustik in der ganzen Stadt hatte, befand sich ein besonderer Gastraum, den man die Hölle nannte.
Der Saalbau um 1925
Der Saalbau um 1925
Der Festsaal des Saalbaus
Der Festsaal des Saalbaus
bitte vergrößern - der Saalbau von der Neutorstraße aus gesehen
bitte vergrößern - der Saalbau von der Neutorstraße aus gesehen
Saalbau'scher Maßkrug
Saalbau'scher Maßkrug
Werbung aus dem Adressbuch 1936
Werbung aus dem Adressbuch 1936